Arbeitsmarkt
72 Prozent der Solothurner Jugendlichen machen eine Berufslehre

Fast alle Schulabgänger haben eine Anschlusslösung gefunden. Die Zahlen verweisen auf ein erfolgreiches Bildungssystem. Trotzdem gibt es noch offene Lehrstellen. Jugendliche mit Defiziten haben weiterhin Schwierigkeiten.

Franz Schaible
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Solothurn wird vom Bildungsexperten Renato Delfini als «Berufsbildungskanton» bezeichnet

Solothurn wird vom Bildungsexperten Renato Delfini als «Berufsbildungskanton» bezeichnet

Oliver Menge

Sehr positiv und äusserst zufriedenstellend» – so umschreibt Renato Delfini die Entwicklung des Lehrstellenmarktes 2013 im Kanton Solothurn. «Von den 2616 Schulaustretenden in diesem Sommer haben bis auf wenige Ausnahmen alle eine Anschlusslösung an die obligatorische Schulzeit gefunden», sagt der Leiter der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung beim Kanton.

Delfini nennt auf Anfrage dieser Zeitung die konkreten Zahlen. Demnach setzen von den 2616 Schulabgängerinnen und -abgänger 6,7 (Vorjahr: 5,9) Prozent ihre schulische Karriere in weiterführenden Schulen (Gymnasium und Fachmittelschule) fort. 71,9 (70,4) Prozent haben am 1. August eine Berufslehre begonnen und 16,9 (18,3) Prozent haben sich für eine Zwischen- oder Übergangslösung (freiwilliges weiteres Schuljahr, Vorlehren, Berufspraktikum, Vorbereitungskurse, usw.) entschieden. Und am letzten Schultag, am 5. Juli, hatten 4,5 Prozent oder rund 100 Schulaustretende keine Anschlusslösung.

«Ein Berufsbildungskanton»

Renato Delfini interpretiert diese Zahlen, respektive deren längerfristige Entwicklung, aus folgenden Hauptgründen als sehr erfreulich. Die Zunahme der Quote jener Jugendlichen, die eine Berufslehre beginnen, zeige, dass das duale Bildungssystem alles andere als ein Auslaufmodell ist. Der erreichte Wert von fast 72 Prozent sei sehr hoch und im nationalen Vergleich ein absoluter Spitzenwert.

«Solothurn ist ein Berufsbildungskanton», folgert der Bildungsexperte. Besonders erfreut zeigt sich Delfini über die rückläufige Entwicklung bei jenen Schulabgängern, die eine Zwischen- oder Übergangslösung in Anspruch nehmen müssen. Da fruchte die vom Amt für Berufsausbildung neu aufgezogene Früherfassung von sogenannten «Problemfällen». Bereits im Winter werde in Zusammenarbeit mit den Schulen und möglichen Ausbildungsfirmen nach Wegen gesucht, um Zwischenlösungen mit teilweise vagen Erfolgsaussichten zu verhindern.

Auch hier könne sich der Kanton Solothurn im schweizweiten Vergleich sehen lassen. So liege die Quote der Zwischenlösungen in den Nachbarkantonen Baselland, Bern oder Aargau deutlich höher.

Beratungsresistent und demotiviert

Hocherfreulich sei, dass von den 2616 Schulaustretenden Ende Schulzeit nur gerade rund 100 ohne Anschlusslösung da standen. Die Erfahrung zeige, dass sich der Anteil von aktuell 4,5 Prozent bis Ende August – so lange können Lehrverträge noch unterschrieben werden – noch halbieren werde. Delfini schätzt, dass letztlich etwa 50 Schulaustretende oder zwei Prozent definitiv keine Lösung haben werden. «Das ist ein hervorragender Wert.»

Darunter habe es No-Future-Jugendliche, die beratungsresistent oder völlig demotiviert seien. «Das ist eine statistische Grösse, die es in jedem Jahrgang gibt und weiterhin geben wird.»

Nicht alle Lehrstellen besetzt

Insgesamt sind aktuell 2343 Lehrverträge mit Beginn 1. August 2013 unterschrieben worden, wie Delfini weiter meldet. Aus den erwähnten Gründen wird sich deren Zahl noch auf rund 2400 erhöhen und damit das Vorjahresniveau erreichen. «Obwohl aus demografischen Gründen die Zahl der Schulaustretenden um rund 5 Prozent gesunken ist, konnten die Lehrstellen relativ gut besetzt werden», folgert Delfini.

Der Bildungsverbund zwischen Schulen, Ausbildungsbetrieben und Kanton funktioniere. Trotzdem. Nicht alle Lehrmeister konnten ihre freien Ausbildungsplätze besetzen. Auf der Lehrstellenplattform Lena sind aktuell noch rund 160 Stellen ausgeschrieben. Angebote gebe es praktisch in allen Berufsfeldern und Regionen. Rein rechnerisch sollten also die erwähnten Jugendlichen ohne Lösung eine Lehrstelle finden.

Wiederholt weist Delfini daraufhin, dass dies nur in der Theorie zutreffe. Denn die Anforderungen seien in praktisch allen Berufen gestiegen und deshalb stimme das Matching zwischen Angebot und Nachfrage nicht überein. «Leistungsschwache, sozial auffällige oder generell Jugendliche mit verschiedenen Defiziten haben weiterhin schwierige Startbedingungen.» Die Ausbildungsbereitschaft seitens der Unternehmen werde aber hoch bleiben, erwartet Delfini. «Der akzentuierte Fachkräftemangel und die gute Wirtschaftslage werden auch im kommenden Jahr zu einem hohen Angebot an Lehrstellen führen.»