Polizei-Statistik
7 Menschen starben auf Solothurner Strassen – so wenig Verletzte wie seit 25 Jahren nicht mehr

Sieben Menschen sind 2017 im Kanton Solothurn im Strassenverkehr ums Leben gekommen. 718 Personen wurden insgesamt verletzt. Das ist die tiefste Zahl seit 25 Jahren.

Noëlle Karpf
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Innerorts verzeichnet die Kantonspolizei die meisten Unfälle: 2017 waren es 790. Ausserorts waren es 252, 226 auf Autobahnen. Symbolbild

Innerorts verzeichnet die Kantonspolizei die meisten Unfälle: 2017 waren es 790. Ausserorts waren es 252, 226 auf Autobahnen. Symbolbild

Remo Buess;Kantonspolizei Soloth

«Sicher»: So können Solothurns Strassen bezeichnet werden, wenn es nach der am Donnerstag veröffentlichten Verkehrsunfallstatistik der Kantonspolizei Solothurn geht. Die Statistik bestätigt laut Polizeikommandant Thomas Zuber eine «langjährige Tendenz»: Es gibt immer weniger Unfälle im Kanton. Insgesamt 1295 waren es 2017. Das kommt zwar nicht an das Unfalltief von 2014 mit 1187 Unfällen heran, liegt laut Bericht aber unter dem 10-Jahre-Durchschnitt.

Einen «historischen Tiefstand» gibt es in der Statistik trotzdem: Im vergangenen Jahr gab es so wenig Verletzte wie seit 25 Jahren nicht mehr. Knapp 720 Personen verletzten sich. 2010 waren es noch über 1000.

E-Bike-Fahrer sicherer unterwegs

Unter anderen waren Velofahrer und Fussgänger 2017 sicherer unterwegs. So verunfallten beim Überqueren des Zebrastreifens oder auf dem Trottoir über 20 Prozent weniger als noch 2016. Während die Anzahl Unfälle auf Elektrovelos in der Vergangenheit anstieg – einfach, weil es mehr der im Trend liegenden schnellen Zweiräder auf Solothurner Strassen gab –, ging die Anzahl E-Bike-Unfälle nun wieder zurück. Von 38 auf 24 im Vergleich zum Vorjahr.

Für die meisten Unfälle sorgen nach wie vor Autofahrer. Am häufigsten weil ein Vortritt missachtet wird, wegen «Nichtbeherrschen des Fahrzeugs» und «Unaufmerksamkeit und Ablenkung» – etwa beim Telefonieren oder Texten.

Einige der Unfälle, die sich 2017 im Kanton Solothurn ereigneten: Selzach (SO), 6. Januar 2017. Auf der Solothurnerstrasse in Selzach verlor am Freitagnachmittag ein Autofahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug. Er fuhr aufs Trottoir auf und mähte einen Kandelaber um. Dabei wurde er leicht verletzt. Das total beschädigte Auto musste mit einem Kran geborgen werden.
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Seewen (SO), 8. Januar 2017 Eine 29-jährige Lenkerin kommt mit ihrem Auto in einer Linkskurve ins Schleudern und fährt rechts von der Strasse auf ein ansteigendes Bord. Beim Aufprall wird sie leicht verletzt. Beim Auto entsteht ein Totalschaden.
Solothurn, 6. Februar 2017 Ein Automobilist verlor wegen eines medizinischen Problems die Kontrolle über sein Auto und kollidierte mit zwei beim Jumbo-Kreisel stehenden Autos. Er verstarb im Spital.
Zuchwil, 9. März 2017 Ein Autolenker (25) verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug und prallt frontal in ein Kunstobjekt aus Eisen auf dem Kreisel beim «Chäs-Egge». Die Motorhaube wird richtiggehend aufgeschlitzt. Der Lenker bleibt unverletzt.
Solothurn, 16. März 2017 Ein «Bipperlisi»-Zug und ein Mazda kollidierten. Das Auto wurde etwa 20 Meter mitgeschleift. Der Lenker wurde verletzt ins Spital gebracht.
Hägendorf, 16. April Ein Automobilist knallte in eine Felswand. In der Folge brannte sein Auto.
Luterbach, 20. April Ein Rentner (78) verlor die Kontrolle über sein Auto und prallte neben der Fahrbahn in einen Bahnwagen. Ein medizinisches Problem stand im Vordergrund.
Gunzgen, 23. April Ein Lieferwagen gerät auf der Autobahn A1 ins Schleudern und kippt zur Seite. Verletzt wird niemand.
Zuchwil, 24. April Ein alkoholisierter Lenker versuchte sich einer Polizeikontrolle zu entziehen. Sein Fluchtversuch endete mit einem Selbstunfall. Verletzt wurde niemand.
Oekingen, 17. Mai 2017 Am frühen Dienstagmorgen verlor in Oekingen eine Autolenkerin die Kontrolle über ihr Fahrzeug. Sie kam von der Strasse ab und überschlug sich mehrmals im angrenzenden Kornfeld. Dabei verletzte sich die Frau leicht.
Olten, 22. Mai 2017 Eine 81-jährige Autolenkerin fuhr beim Parkieren in einen Gartenzaun. Sie hatte offenbar das Gas- mit dem Bremspedal verwechselt.
Zuchwil, 18. Mai 2017 Der Chauffeur eines Sattelschleppers schätzte die Höhe einer Brücke falsch ein. Die Ladung war zu hoch. Die geladenen Glasscheiben blieben hängen. Als der Sattelschlepper am Strassenrand parkierte, fielen einige Scheiben auf einen vorbeifahrenden Lieferwagen.
Egerkingen, 23. Mai 2017 Ein Autolenker übersieht beim Abbiegen auf die A2 einen entgegenkommenden Motorradlenker. Dieser verletzt sich schwer.
Niederbipp, 1. Juni Auf der Autobahn A1 bei Niederbipp kollidierte ein schwarzer Audi mit einem Baustellenanhänger. Die drei Autoinsassen liessen das Auto stehen und hauten ab. Ein Geflohener konnte die Polizei festnehmen.
Olten, 7. Juni Gegen 8.50 Uhr kollidierten im Bereich einer Kreuzung ein 76-jähriger Automobilist und eine 22-jährige Velofahrerin. Die Fahrradlenkerin wurde dabei verletzt.
Lostorf, 8. Juni In einer leichten Kurve ereignete sich eine frontale Kollision zwischen einem Auto und einem Linienbus. Die Automobilistin wurde dabei leicht verletzt.
Niederbipp, 8.Juni Auf der Autobahn A1 bei Niederbipp kam es im dichten Verkehr zu einer Auffahrkollision mit 4 beteiligten Autos. Eine Lenkerin wurde leicht verletzt.
Solothurn, 24. Juni Nach einer heftigen Auffahrkollision vor dem Kunstmuseum Solothurn mussten vier Personen zur Kontrolle ins Spital gebracht werden.
Büren, 9. Juli Eine Lenkerin wich einem Tier aus, fuhr dabei eine Böschung hoch und das Auto überschlug sich. Die Lenkerin blieb unverletzt.
Subingen, 16. Juli Eine 21-jährige Frau verliert auf der A1 kurz vor der Verzweigung Luterbach die Kontrolle über ihr Auto. Es durchbricht einen Wildschutzzaun und kommt auf dem Dach zum Stillstand. Die beiden Insassen müssen zur Kontrolle ins Spital.
A2 bei Hägendorf, 21.Juli Der Lenker eines Lieferwagens bemerkte auf der Autobahn A2 bei Hägendorf zu spät, dass ein Auto vor ihm bremste und wich aus. Dabei kollidierte er mit einem Citroën. Ohne sich um den Unfall zu kümmern, fuhr er weiter.
Oensingen, 21. Juli Nach einer leichten Rechtskurve verlor ein betrunkener Autofahrer die Kontrolle über sein Auto und prallte in eine Strassenlampe.
Deitingen (SO), 21. August Eine Lenkerin verliert die Kontrolle über ihr Auto und prallt in einen Strommast. Sie wird mittelschwer verletzt ins Spital gebracht. Die Stromleitung wurde sicherheitshalber unterbrochen.
A1 bei Oensingen, 21.August Ein 52-jähriger Autofahrer will auf der Autobahn A1 eine Auffahrkollision verhindern und gerät dadurch ins Wiesland. Das Auto erlitt einen Totalschaden, der Lenker blieb unverletzt.
Solothurn, 8. September Ein 77-Jähriger verlor die Kontrolle über seinen Wagen, rammte einen Stein, durchbrach einen Gartenzaun und prallte in einen Baum. Er wurde beim Unfall nur leicht verletzt, jedoch geht die Polizei von einem medizinischen Problem als Unfallursache aus.
Deitingen (SO), 13. September Ein 79-jähriger Fahrradfahrer war auf der Derendingenstrasse von Deitingen in Richtung Derendingen unterwegs, als er von einem silbergrauen Kleinwagen erfasst wurde. Der Mann verstarb im Spital.
A1 bei Oensingen, 26. September Auf der Autobahn kam es zu einer Auffahrkollision mit vier beteiligten Autos. Ein Autolenker entfernte sich von der Unfallstelle, ohne sich um die Schadensregulierung zu kümmern. Verletzt wurde bei dieser Kollision niemand.
Zuchwil, 8. Oktober Nach der Kollision mit der Mittelleitplanke wurde in der Nacht auf Sonntag ein Rad auf die Gegenfahrbahn geschleudert und beschädigte dort ein Auto.
Grenchen , 25. Oktober Ein Autolenker fuhr im Waldgebiet vom Stierenberg in Richtung Grenchen. In einer Linkskurve kam er von der Fahrbahn ab und fuhr die Böschung hinunter. Der Lenker verletzte sich dabei leicht.
Walterswil, 14. November Bei einer Frontalkollision zwischen zwei Autos wurden drei Personen verletzt, zwei davon schwer.
Unfälle im Schnee Am 1.Dezember kam es im Kanton zu zahlreichen Unfällen auf den schneebedeckten Strassen.
Flumenthal/Wiedlisbach, 22. Dezember Auf der Autobahn A1 kollidierten drei Fahrzeuge. Drei Personen wurden verletzt. Wegen den verstreuten Fahrzeugteilen waren die Fahrzeugspuren kurz blockiert.
Gänsbrunnen, 30. Dezember Auf der teilweise schneebedeckten Strasse verlor ein Lenker die Kontrolle über den Lieferwagen. Dieser überschlug sich und kam auf der Seite liegend zum Stillstand. Der Fahrer und sein Beifahrer blieben unverletzt.
Subingen, 30. Dezember Auf der Autobahn A1 ereigneten sich beinahe zeitgleich zwei Auffahrkollisionen mit insgesamt neun beteiligten Autos. Ernsthaft verletzt wurde dabei niemand.
Erschwil, 31. Dezember Die Fahrzeuglenkerin zog sich bei einem Selbstunfall auf der Passwangstrasse mittelschwere Verletzungen zu und musste mit einer Ambulanz in ein Spital gebracht werden.

Einige der Unfälle, die sich 2017 im Kanton Solothurn ereigneten: Selzach (SO), 6. Januar 2017. Auf der Solothurnerstrasse in Selzach verlor am Freitagnachmittag ein Autofahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug. Er fuhr aufs Trottoir auf und mähte einen Kandelaber um. Dabei wurde er leicht verletzt. Das total beschädigte Auto musste mit einem Kran geborgen werden.

Kapo SO

Radarfalle Bürenstrasse

Einige Autofahrer drückten auch letztes Jahr zu fest aufs Gaspedal. Die Kapo kontrollierte in ihren Messungen gegen 8 Millionen Fahrzeuge. Rund 193 000 waren zu schnell unterwegs. Darunter auch sieben Raser. Einer fuhr innerorts fast 100 km/h zu schnell, ein anderer Raser war mit 214 km/h auf der Autobahn unterwegs. Laut Statistik waren letztes Jahr leicht mehr Unfälle auf Geschwindigkeitsüberschreitungen zurückzuführen als 2016. Was laut der Polizei vor allem daran liegt, dass Autofahrer die Geschwindigkeit den «Sicht- und Strassenverhältnissen» nicht anpassen.

Der Blitzkasten an der Solothurner Bürenstrasse ist die gefährlichste Radarfalle. Auch 2017 blitzte er die meisten Fahrer: Über 3000 Lenker waren auf diesem Abschnitt zu schnell. Das am häufigsten missachtete Rotlicht im Kanton steht laut Statistik an der Solothurner Bielstrasse. 2017 wurde es sogar 200-mal öfter überfahren als im Vorjahr. Das ist fast doppelt so viel wie 2016.

Weniger Alkohol, mehr Drogen

Auch Fahrer, die zu tief ins Glas geschaut haben, sind in der Statistik aufgeführt. 2017 waren es etwa 50 weniger als 2016. Um fast 15 Prozent stieg dafür die Anzahl zugedröhnter Fahrer, die unter Drogen- oder Medikamenteneinfluss hinter dem Steuer sassen von 272 auf 312.

Unter dem Strich sei die Verkehrssicherheit im Kanton aber gestiegen, hält Kommandant Zuber fest. Nicht nur weil es weniger Unfälle, sondern auch weil es weniger Unfälle trotz immer mehr Verkehr gibt. «Das ist erfreulich», so Zuber. «Zielgerichtete und flexible Verkehrskontrollen» sollen weiter dafür sorgen, dass sich weniger «Personen in fahrunfähigem Zustand im Strassenverkehr aufhalten.» Unvorhersehbaren Kontrollen sollen zudem verhindern, dass Verkehrsteilnehmer die Gefahr, erwischt zu werden, kalkulieren können. Und dadurch weniger risikofreudig und dafür rücksichtsvoller fahren – für sicherere Strassen.