Das Amtsgericht folgte beim Schuldspruch für den bis zu seiner Verhaftung in einem Berner Kinderheim tätigen Sozialpädagogen im Wesentlichen den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Diese hatte für Martin H. * wegen mehrfacher Schändung, mehrfacher sexueller Handlung mit einem Kind sowie mehrfacher Pornografie eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und vier Monaten gefordert. Verübt hatte der Mann die Taten zwischen Februar 2011 und November 2013 im Emmental und im Thal (wir berichteten).

Angeklagter zeigt keine Einsicht

Das Strafmass fiel geringer aus, weil einige auf Computer und Festplatten gefundene Abbildungen mit kinderpornografischem Inhalt nicht dem Angeklagten zugeordnet werden konnten. Bei der am schwersten wiegenden Tat des Angeklagten, der Einführung seines Penis in den After des Jungen, gelangte das Gericht aber zum Schluss, dass auf dem gefundenen Bild die erwähnten Körperteile des Angeklagten und des Jungen zu sehen sind.

Martin H. hatte dies in der Hauptverhandlung bestritten. Andere weniger schwerwiegende beischlafähnliche Handlungen mit dem Kind hatte der in Sicherheitshaft sitzende Mann aber zugegeben.

Amtsgerichtpräsident Guido Walser erklärte denn auch bei der Urteilsbegründung, dass der Angeklagte stets nur das zugegeben habe, was ihm nachgewiesen werden konnte. In einer ersten Vernehmung habe er das erwähnte Bild aber erkannt und identifiziert. Das Gericht gehe deshalb davon aus, dass Martin H. versuche, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Dieses Verhalten gehe einher mit der Einschätzung eines Gutachtens, welches dem Angeklagten den Willen abspreche, sich mit seiner pädophilen Neigung auseinanderzusetzen. Davon zeugten auch die Abbrüche zweier Therapien.

Als besonders schwerwiegend beurteilt das Gericht den Vertrauensmissbrauch gegenüber dem Jungen und dessen Mutter, der sich Martin H. als Taufpate anerboten hatte. Dass er mit der Mutter des von ihm gepeinigten Jungen ein kürzlich zur Welt gekommenes Kind gezeugt habe, sprenge jede Vorstellungskraft. «Das ist nicht nur uneinsichtig, sondern auch pervers», so Walser.

Berufs- und Kontaktverbot

Wegen mehrfacher Schändung, mehrfacher sexueller Handlung mit einem Kind sowie dem Besitz von Pornografie wurde Martin H. zu einer Freiheitsstrafe von 7 1/2 Jahren verurteilt. Die Strafe wird zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben. Dem Mann wurde ein fünfjähriges Berufsverbot in kinderspezifischen Institutionen auferlegt. Zudem wurde ein Kontaktverbot mit seinem Patenkind sowie seinem Sohn ausgesprochen. (eva)

* Name von der Redaktion geändert