Amtsgericht
67-Jähriger wegen angeblich illegal entsorgter Pneus vor Gericht

Ein Rentner war beschuldigt worden, Pneus illegal entsorgt zu haben. Das sei widersinnig, fand der 67-Jährige. Nun hat ihn das Gericht freigesprochen.

Rahel Nicolet
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Entsorgte Pneus waren Gegenstand einer Anklage vor dem Amtsgericht.

Entsorgte Pneus waren Gegenstand einer Anklage vor dem Amtsgericht.

Franz Schreier

«Mich hat die Polizei eines Tages angerufen und gesagt, ich hätte meine Pneus illegal entsorgt», so Paul D.* gestern vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt. Besagte Pneus sowie mehrere Felgen lagerte der 67-Jährige in einem Anhänger auf einem gemieteten Abstellplatz in Derendingen. Sie waren das Überbleibsel eines Autos, das D. zuvor verkauft hatte. Der Rentner wohnt auf einem Campingplatz im Kanton Bern. «Dort hatte ich schlicht keinen Platz für die Reifen.»

Im vergangenen Juli tauchten die Pneus auf einem Gewerbeareal in Subingen auf. Ein Mitarbeiter der Firma verständigte die Polizei und erstattete Anzeige.

Entsorgung sowieso umsonst

«Wie sind die Reifen nach Subingen gekommen?», wollte Amtsgerichtspräsident Ueli Kölliker wissen. «Das ist nicht mein Problem. Das hätte die Polizei herausfinden sollen», antwortete Paul D. Er habe damit auf jeden Fall nichts zu tun. «Ich habe es nicht nötig, Pneus illegal zu entsorgen. Das ist widersinnig.» Auf dem Campingplatz, wo er wohne, hätte er die Reifen ohnehin gratis abgeben können. «Da die Reifen aber in einem sehr guten Zustand waren, dachte ich, es könnte sie noch jemand gebrauchen.»

Laut Luca Z.*, dem Mieter des angrenzenden Abstellplatzes in Derendingen, habe sich tatsächlich jemand für die Pneus interessiert. «Luca heftete einen Zettel mit seiner Telefonnummer an den Anhänger, damit sich der Interessent melden könnte.»

Am Tag nachdem sich die Polizei bei Paul D. gemeldet hatte, habe dieser den Abstellplatz aufgesucht. «Als ich den Anhänger leer vorgefunden habe, ging ich davon aus, dass Luca die Reifen an jemanden weitergegeben hat», so D. Später stellte sich jedoch heraus, dass Luca nichts vom Verbleiben der Reifen wusste.

Kritik an der Polizei

«Komisch erscheint mir, dass die Reifen ausgerechnet auf dem Areal des Arbeitgebers des ursprünglichen Interessenten der Reifen auftauchen», stellte D. fest. Aus dem Polizeirapport sei nämlich hervorgegangen, dass der Interessent, von welchem Luca sprach, und der Kläger dieselbe Person seien. D. beanstandete, dass seitens der Polizei auf diesen Aspekt nicht eingegangen worden sei. «Man hat es sich etwas einfach gemacht.»

Amtsgerichtspräsident Kölliker befand, dass Paul D. glaubwürdig und ohne Widersprüche seine Unschuld dargelegt habe. Da D. zum Tatzeitpunkt nichts vom Pneu-Interessenten wusste, sei es fraglich, weshalb er die Reifen ausgerechnet dort hätte deponieren sollen. Eine Entschädigung erhielt D. nicht – er hatte auch keine gefordert. Gegenüber den Richtern erklärte er: «Sie könnten höchstens etwas spenden für gemeinnützige Zwecke – aber das geht vermutlich nicht.»

* Namen von der Redaktion geändert.