Gerlafingen
66 Jugendliche besuchen Einführungstag der Swissmechanic

Remo Ankli lobte am Einführungstag im Ausbildungszentrum des Verbands Swissmechanic in Gerlafingen das duale System. «Unser Reichtum sind nicht die Banken, sondern das duale Ausbildungssystem», sagte der Bildungsdirektor.

Hans Peter Schläfli
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«Geht nicht – gibts nicht.» Der Urner Bauer Wisi Zgraggen beeindruckte Jugendliche und Ausbildner mit seinen Schilderungen, wie er sich trotz eines schweren Arbeitsunfalls ins Leben zurückkämpfte.

«Geht nicht – gibts nicht.» Der Urner Bauer Wisi Zgraggen beeindruckte Jugendliche und Ausbildner mit seinen Schilderungen, wie er sich trotz eines schweren Arbeitsunfalls ins Leben zurückkämpfte.

Hans Peter Schläfli

Vor dem eigentlichen Start ins erste Ausbildungsjahr lud die Solothurner Sektion des Verbands Swissmechanic 66 Lernende und 40 Ausbildungsverantwortliche zu einem Einführungstag ins Ausbildungszentrum in Gerlafingen ein. Seit mehr als 30 Jahren hat der Verband nun schon vom Kanton Solothurn den Auftrag, die überbetriebliche Ausbildung für die verschiedenen mechanisch-technischen Berufsbilder durchzuführen.

Eine Erfolgsgeschichte, wie Regierungsrat Remo Ankli in seiner Ansprache betonte: «Der Reichtum der Schweiz sind nicht die Banken und Versicherungen. Es ist unser duales Ausbildungssystem, das ausgezeichnete Berufsleute hervorbringt.» Die tiefe Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen sei ebenfalls auf dieses Erfolgsmodell zurückzuführen, sagte Ankli.

Vorbild an Willenskraft

«Geht nicht – gibts nicht» und «erst dann, wenn man seine Probleme nicht mehr lösen will, hat man wirklich verloren.» Mit solchen Sätzen beeindruckte der Urner Bauer Wisi Zgraggen die Zuhörer. Er muss es wissen, denn Wisi Zgraggen verlor bei einem Arbeitsunfall 2002 beide Arme.

Schmerzhaft detailgenau beschrieb er, wie er in die Strohballenmaschine fiel und wie er bei vollem Bewusstsein die schrecklichen Minuten erlebt hatte. Noch bevor der Rettungshelikopter gelandet war, habe er seinem Vater gesagt, dass er nun die Milchkühe verkaufen müsse, weil es mit dem Melken nicht mehr gehen werde. Er hat nie aufgegeben und dank der grossartigen Unterstützung seiner Familie lebt der heute vierfache Vater sein Wunschleben als Bauer unbeirrt weiter.

«Ich habe schon vor dem Unfall mit dem Gedanken gespielt, auf Mutterkuhhaltung umzustellen. Das Schicksal hat dies dann beschleunigt», sagte Zgraggen. Berührungsängste kennt er keine. Am Ende seines Vortrags zog er seine Hakenprothese aus und liess diese unter den Zuhörern zirkulieren.

Zum Referat eingeladen habe er Wisi Zgraggen, weil am diesjährigen Einführungstag im Gerlafinger Ausbildungszentrum die Sicherheit am Arbeitsplatz ein wichtiges Thema war und weil dieser mit seiner positiven Ausstrahlung und seinem Willen ein Vorbild sei, erklärte Mesut Can, Leiter des Ausbildungszentrums.

Berufsbild im Wandel

Hier im Gerlafinger Ausbildungszentrum stehen Werkbänke mit den «mechanikergrünen» Schraubstöcken, dahinter verschiedene Bohrmaschinen, die traditionell nach Kühlmittel riechen, und dann kommen die einfachen Drehbänke. «Aber die Ausbildung hat sich schon sehr stark verändert», relativiert Can den ersten Eindruck.

«Wir beginnen immer noch mit dem Feilen. Aber früher dauerte diese Ausbildung ein halbes Jahr, heute genügen ein paar Tage. Die CNC-Technologie ist viel wichtiger geworden als die manuelle Fertigkeit und wir bilden genau die Berufsleute aus, die die Wirtschaft braucht. So sind ganz neue Schulungen dazugekommen, wie die speicherprogrammierbare Steuerung SPS.»

Frauenanteil bei zehn Prozent

Unter die 61 jungen Männer aus der Region Solothurn, die in diesen Tagen ihre Ausbildung zum Polymechaniker, Produktionsmechaniker, Mechanikpraktiker, Automatiker oder Automatikkonstrukteur beginnen, mischten sich auch 5 junge Frauen.«Unsere Branche ist weiterhin eine Männerdomäne, aber mit einem Anteil von etwa zehn Prozent haben sich die Frauen in den Mechaniker-Berufen etabliert und sie sind bestens akzeptiert.».

Das Ausbildungszentrum stellt im Auftrag des Kantons die überbetriebliche Ausbildung sicher. «Unsere KMU könnten alleine nicht alle Kurse anbieten», sagt Mesut Can. «Der Einführungstag dient dazu, dass die Lernenden Swissmechanic kennen lernen können. Wir erleichtern ihnen so den Einstieg.»

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