Steuerstruktur

65 Einkommens- und 2770 Vermögensmillionäre zahlen im Kanton Solothurn Steuern

Ein reuiger Solothurner Steuersünder hat ein Vermögen von 11 Mio. Franken nachdeklariert.

Ein reuiger Solothurner Steuersünder hat ein Vermögen von 11 Mio. Franken nachdeklariert.

Fast nichts ist geheimer als die finanziellen Verhältnisse der Schweizer Haushalte. Wie mehrheitlich in den anderen Kantonen auch sind in Solothurn die Steuerdaten der Einwohner unter Verschluss. Ein Blick in die Statistik zeigt aber interessantes.

Interessante Einblicke in die Einkommens- und Vermögensverhältnisse liefert immerhin die Steuerverwaltung, respektive die Statistikabteilung des Amtes für Finanzen, wenn auch nur in anonymisierter Form. Basis sind die Zahlen über die Steuerstruktur, basierend auf dem Steuerjahr 2010. Eine Aussage vorneweg: Der Kanton Solothurn ist keine Oase für Reiche, weder für absolute Topverdiener noch für Vermögende. Aber die Wenigen leisten einen weit überdurchschnittlichen Anteil an die gesamten Steuereinnahmen.

Über 80 Prozent haben ein Einkommen bis 100'000 Franken

Kantonsweit kamen 65 Steuerpflichtige (entspricht in etwa der Anzahl Eröffnungen) auf ein steuerbares Einkommen von über 1 Million Franken, die allein an Staatssteuer 11,5 Millionen Franken ablieferten. Das heisst: 0,04 Prozent der Steuerpflichtigen zahlen 2,1 Prozent der gesamten Staatssteuer aus Einkommen.

Über 80 Prozent der Steuerzahler wiesen ein Einkommen bis 100 000 Franken aus. Sie leisteten rund 62 Prozent ans Total der Steuereinnahmen. Bei rund sieben Prozent der Eröffnungen resultierte ein Einkommen von Null; diese zahlen logischerweise auch keine Steuern.

Zwei Drittel mehr in sieben Jahren

«Die anteilsmässige Verteilung der Einkommen wechselt nicht stark von Jahr zu Jahr», sagt Peter Rytz von der Abteilung Controllerdienst und Statistik im Amt für Finanzen. Die Statistiken aus früheren Jahren bestätigen seine Aussage. Was sich aber verändert hat, ist die absolute Anzahl der Einkommensmillionäre. Sie stieg nach Angaben von Rytz seit 2003 von 40 auf 65 oder um fast zwei Drittel.

Ein Vergleich mit anderen Kantonen ist schwierig, weil im Einkommensbereich nur wenige Zahlen vorliegen. Für das Steuerjahr 2006 liegt eine Auswertung der Eidgenössischen Steuerverwaltung vor. Demnach haben damals schweizweit rund 4000 Steuerpflichtige ein Einkommen von über 1 Million Franken versteuert.

Gemessen an der Bevölkerung ist der solothurnische Anteil an den Spitzenverdienern also unterdurchschnittlich. Rund 3,3 Prozent der Steuerpflichtigen wohnen im Kanton Solothurn, aber nur 1,6 Prozent der Einkommensmillionäre. Solothurn liegt mit einem durchschnittlich versteuerten Einkommen von 53 000 Franken deutlich unter dem Landesdurchschnitt von knapp 70 000 Franken. An der Spitze steht der Kanton Zug mit einem durchschnittlich versteuerten Einkommen von 100 000 Franken.

Ungleiche Vermögensverteilung

Noch weit ungleicher als die Einkommen sind die Vermögen verteilt. Im Kanton Solothurn wurden im Steuerjahr 2010 genau 2770 Steuerpflichtige mit einem steuerpflichtigen Vermögen von je über einer Million Franken gezählt. Das heisst, 1,7 Prozent aller Steuerpflichtigen besassen rund 10 Milliarden Franken oder 60 Prozent des gesamten versteuerten Vermögens im Kanton.

Sie zahlten aber auch 61 Prozent der gesamten Staatssteuer aus Vermögen. Oder noch krasser. 121 «Superreiche» mit einem Vermögen von über 10 Millionen Franken oder 0,1 Prozent aller Steuerpflichtigen besassen einen Viertel des insgesamt steuerbaren Vermögens von 17,4 Milliarden Franken. Seit 2003 stieg die Zahl der Vermögensmillionäre von 2092 auf eben 2770 an.

Auch hier nimmt Solothurn landesweit einen hinteren Rang ein. Schweizweit ist mit 4,5 Prozent immerhin fast jeder zwanzigste Steuerpflichtige ein Vermögensmillionär. Im Kanton Schwyz ist es jeder Zehnte. Andererseits ist der Anteil jener, die kein steuerbares Einkommen ausweisen, in keinem anderen Kanton so hoch wie im Solothurnischen: Der Anteil beträgt fast 76 Prozent.

Nicht alles deklariert

Die vom Amt für Finanzen gelieferten Zahlen über die steuerbaren Einkommen und Vermögen zeigen einiges, aber nicht alles. Einerseits sind die Abzugsmöglichkeiten mannigfaltig, andererseits entspricht etwa die Bewertung der Liegenschaften in der Steuererklärung oft nicht dem Verkehrswert oder die Guthaben in der dritten Säule sind bis zur Auszahlung nicht steuerpflichtig. Hinzu kommt, dass offenbar längst nicht alle Steuerpflichtigen sämtliche Vermögenswerte deklarieren. Das zeigt auch der «Erfolg» der laufenden Mini-Steueramnestie.

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