Stolz zeigt Rolf Dreier auf die Wand des kleinen Bistros in seinem Tierpark. «Weltbester Mini-Zoo-Direktor» heisst es da in fetten Lettern in einer Urkunde. Der Titel wurde dem 67-Jährigen vor einiger Zeit von seinen Nachbarn verliehen.

Der Garten von Dreier im Weiler Huggerwald oberhalb von Kleinlützel im Solothurner Schwarzbubenland sieht aus wie ein Zoo. Es ist einfach alles ein wenig beschaulicher als in einem grossen Park mit jährlich Hunderttausenden Besuchern und vielen Mitarbeitern. Trotz einiger ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer macht der Schwarzbube fast alles selbst. Heisst: Jeden Morgen zwei Stunden Futter vorbereiten, zwei Stunden füttern und danach die Gehege säubern.

Vor einem Jahrzehnt hat Rolf Dreier entschieden, seinen Mini-Zoo der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. «Ich liebte schon immer Tiere», erinnert er sich an seine Kindheit in Kleinlützel. Als Erwachsener züchtete er zuerst Hunde und begann dann, Hühner und Kaninchen zu halten.

«Eigentlich bin ich Schreiner und arbeitete einige Zeit in diesem Beruf», sagt er. Über Umwege liess er sich zum Tierpfleger ausbilden und war während 26 Jahren im Basler Zoo tätig. Dort betreute er die grossen Säugetiere, sprich: Elefanten, Nashörner, Nilpferde und Bisons. Seine Frau Daniela verkauft noch heute Tickets an der Kasse des Zolli.

Ein Hobby, das nicht rentieren muss

Während seiner Zeit als Mitarbeiter des Zoologischen Gartens fing er an, neben seinem Haus in Huggerwald erste Gehege zu errichten. Ausserdem legte er einen grossen Ententeich an. Mit den Jahren wurden die Tiere, die nahe der französischen Grenze eine Heimat fanden, immer exotischer.

In den grosszügigen Anlagen leben kolumbianische Lisztäffchen, asiatische Streifenhörnchen und afrikanische Pantherschildkröten. Im Tierpark begegnen einem freilaufende Zwerggeissen, zwei Katzen und die taube Hundedame Tina. In Terrarien sorgen eine Kornnatter, eine Regenbogenboa und Bartagamen bei den Besuchern für ein wohliges Schaudern. Zwischen 5 und 25 Personen finden an einem Wochenende den Weg in den Mini-Zoo.

Dessen heimliche Stars sind jedoch die beiden Muntjaks. «Die kleinen asiatischen Hirschen sind in der Schweiz sehr selten zu sehen», erklärt Dreier. Mehrmals ist es ihm schon gelungen, die scheuen Tiere zu züchten und an Zoos zu verkaufen. Das Geld, das er für die Hirsche jeweils erhält, sei aber zu wenig, um die Unkosten seines Tierparks decken zu können.

«Obwohl ich von Gönnern unterstützt werde, rentiert mein Mini-Zoo eigentlich nicht», gibt er zu. Der Park sei aber schliesslich sein Hobby, und das dürfe auch etwas kosten. In die Ferien gefahren ist der Idealist letztmals vor zehn Jahren. Wie viel ihm sein Privatzoo wert ist, verdeutlicht die Menge Futter, die er im Jahr 2017 zubereitet hat: 5599 Kilogramm.

Bewilligung für zehn Jahre

Dass Rolf Dreier jedes seiner Tiere am Herzen liegt, zeigt ein Rundgang durch den liebevoll gestalteten Park. An den Gehegen finden sich jeweils Informationen zu den einzelnen Arten. Die Mitarbeiterin des Solothurner Veterinäramts, die kürzlich den Mini-Zoo inspizierte, war von der Muntjak-Anlage auf jeden Fall begeistert und hat eine Bewilligung für weitere zehn Jahre ausgesprochen.

Mini-Zoo Dreier, Huggerwald 566. Öffnungszeiten: Samstag von 14 bis 17 Uhr, Sonntag von 10 bis 17 Uhr.