Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt
52-Jähriger wollte beim Geldeintreiben mehr Eindruck machen

Mit einer Fantasieuniform versuchte ein 52-jähriger Geldeintreiber, sein Opfer einzuschüchtern. Nun musste er sich vor Gericht verantworten. Hinzu kam: Er hatte auch seine Ex-Frau ausspioniert.

Hans Peter Schläfli
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Um Eindruck zu schinden, zog sich der Schuldeneintreiber eine Uniform an. (Symbolbild)

Um Eindruck zu schinden, zog sich der Schuldeneintreiber eine Uniform an. (Symbolbild)

Oliver Menge

Es war nicht der «Samichlaus», der im Dezember 2012 an der Tür klingelte, sondern ein anderer «Chlaus» in seltsamen Kleidern: Klaus S.* wollte bei Judith H.* im Auftrag eines Garagisten das Geld eintreiben, das H.s Lebenspartner für eine Reparatur nicht zahlen wollte. Dazu zog sich der 52-jährige Schweizer die Fantasieuniform einer Sicherheitsfirma und ein paar Kampfstiefel an.

Vor Gericht gab er zu, dass er mit der Verkleidung Eindruck machen wollte. «Ich habe aber nie behauptet, dass ich ein Weibel oder ein Polizist sei», verteidigte sich der geschiedene Familienvater. «Ich habe mir nie bewusst ein Amt angemasst.»

«Er behauptete, er sei Detektiv»

Das Opfer Judith H. hatte den Vorgang anders erlebt: «Er hat behauptet er sei Detektiv und zeigte mir einen Ausweis. Er sagte, er arbeite mit der Polizei und dem Betreibungsamt zusammen. Sogar mit der Mafia pflege er Kontakte», sagte die junge Frau. «Ich habe Angst vor ihm und will einfach in Ruhe gelassen werden. Ich möchte wieder schlafen können, ohne Medikamente zu nehmen.»

Klaus S. bat um Entschuldigung. «Es tut mir leid, Sie müssen keine Angst vor mir haben. Ich werde so etwas nie mehr machen.» Das Opfer nahm die Entschuldigung an, verlangte keine Entschädigung und zog die Anklagepunkte der Drohung und der üblen Nachrede zurück.

Die Ex-Frau belästigt

Die weiteren Anklagepunkte hiessen mehrfacher Hausfriedensbruch und Missbrauch einer Fernmeldeanlage. Klaus S. hatte seine Ex-Frau ausspioniert und war bei ihr immer wieder unangemeldet aufgetaucht, obwohl bereits ein Hausverbot gegen ihn bestand. Klaus S. akzeptierte das von der Rechtsanwältin vorgeschlagene Rayonverbot rund um das Haus seiner Ex-Frau und verpflichtete sich, sie nicht mehr anzurufen und keine SMS mehr zu schicken.

Den Kontakt zu seinen Kindern darf er nur noch über den amtlichen Beistand suchen. Zudem muss er eine Genugtuung von 1000 Franken und die Anwaltskosten von 2400 Franken bezahlen. Mit der Unterschrift unter diesen Vergleich zog die Ex-Frau die Anzeigen zurück.

Weil Amtsanmassung aber ein Offizialdelikt ist, war Klaus S. noch lange nicht aus dem Schneider. Das Gericht sah sich die Fotos an, die die Polizei bei der Einvernahme gemacht hatte und kam zum Schluss, dass der Auftritt in Uniform, das Vorzeigen eines falschen Ausweises und die Behauptung, er arbeite mit Polizei und Betreibungsamt zusammen, sehr wohl eine Amtsanmassung war.

So wurde Klaus S. zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 80 Franken verurteilt und er muss sämtliche Verfahrenskosten bezahlen. «Wir gehen davon aus, dass Sie nie mehr so etwas machen werden», begründete der Gerichtspräsident das milde Urteil. «Trotzdem habe ich jetzt Angst, dass ich wegen der Vorstrafe meine Stelle verlieren werde», sagte Klaus S. zum Abschluss.