Kanton
50 Jahre Frauenstimmrecht – diese Solothurner Gemeinden kennen es noch nicht so lange

2021 feiert die Schweiz 50 Jahre Frauenstimmrecht. Im Kanton Solothurn können aber nicht alle Frauen in allen Gemeinden so lange mitentscheiden. Bis es das Frauenstimmrecht auf allen Ebenen und überall im Kanton gab, dauerte es nämlich noch einmal 10 Jahre länger.

Noëlle Karpf
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Vor 50 Jahren sassen für gewöhnlich nur Männer im Kantonsratssaal: 1967 nahm der Schweizerische Verband für das Frauenstimmrecht diesen für seine Delegiertenversammlung in Beschlag.

Vor 50 Jahren sassen für gewöhnlich nur Männer im Kantonsratssaal: 1967 nahm der Schweizerische Verband für das Frauenstimmrecht diesen für seine Delegiertenversammlung in Beschlag.

Keystone

Per Post und an der Urne: Etwas weniger als die Hälfte aller Stimmberechtigten im Kanton hat am vergangenen Abstimmungssonntag teilgenommen. Welchen Einfluss die Frauen auf die Ergebnisse hatten – wie viele abgestimmt haben –, wird im Kanton nicht erfasst. In zwei Gemeinden, in denen die Stimmbeteiligung regelmässig überdurchschnittlich hoch ist – Feldbrunnen und Balm bei Günsberg –, haben die Verantwortlichen der Wahlbüros die Stimmzettel nach Geschlecht sortiert.

Das Ergebnis: Nicht ganz 50 Prozent der eingetroffenen Stimmzettel kamen von Frauen. Und: Über 60 Prozent der stimmberechtigten Frauen nutzten ihr Stimmrecht. Dass Frauen mitbestimmen, ist im Kanton selbstverständlich. Das ist aber noch nicht lange so.

Seit 1971 dürfen Frauen in der Schweiz an eidgenössischen Wahlen und Abstimmungen teilnehmen. Im selben Jahr wurde im Kanton das obligatorische Frauenstimmrecht in Kantonsangelegenheiten eingeführt. Bis alle Frauen im Kanton bei allen Vorlagen mitentscheiden durften, ging es nochmals 10 Jahre.

Das männliche Stimmvolk sagte wiederholt «Nein»

Erst seit rund 40 Jahren dürfen Frauen in allen Solothurner Gemeinden auch Mitglieder des Gemeinderats wählen oder über den Kredit für die Sanierung des Kindergartens mitbestimmen. Die Gemeinden Steinhof (Einwohner- und Bürgergemeinde) und Eppenberg-Wöschnau (Bürgergemeinde) führten das kommunale Frauenstimmrecht erst 1981 ein – besser gesagt, der Kanton tat das, von Amtes wegen. 1980 nahm das Stimmvolk im Kanton eine Wahlgesetz- und Verfassungsänderung an, welche das Frauenstimmrecht auf allen Ebenen – Bund, Kanton, Gemeinde – beinhaltete und 1981 in Kraft trat.

Interessanterweise beschloss im Fall von Eppenberg-Wöschnau die Einwohnergemeinde bereits an einer Gemeindeversammlung Ende 1970, das Frauenstimmrecht auf Gemeindeebene einzuführen – um, so steht es im Protokoll, «sich nicht rückständig zu zeigen». Bei der Bürgergemeinde dauerte es länger.

Dabei hätte der Kanton Solothurn der erste sein können, der das Frauenstimmrecht – zumindest freiwillig – einführte. So schreibt es Jonas Heeb in seiner Arbeit «Das Frauenstimmrecht im Kanton Solothurn in der institutionellen Politik». Der Grüne Luzerner Kantonsrat hat diese im Rahmen seines Studiums verfasst.

Heeb zeigt den jahrelangen Weg des Frauenstimmrechts im Kanton auf, der schon 1946 begann. Damals hiess der Kantonsrat eine Motion gut, die das freiwillige Frauenstimmrecht auf Gemeindeebene forderte. Bis das Frauenstimmrecht auch beim Stimmvolk durchkam – das damals nur aus Männern bestand – dauerte es. Die erwähnte Motion wurde 1948 ganz knapp abgelehnt – mit 49,5 Prozent Ja-Stimmen. In den darauffolgenden 20 Jahren wehrten sich die Männer im Kanton auch gegen das Frauenstimmrecht auf eidgenössischer und kantonaler Ebene. Erst 1970 hiessen sie das freiwillige Frauenstimmrecht auf Gemeindeebene gut. Und dann dauerte es nochmals 10 Jahre, bis alle Frauen im Kanton in allen Angelegenheiten mitbestimmen durften; alle Gemeinden ihre Gemeindeordnungen entsprechend anpassten. Wobei Gemeinden wie Steinhof, heute fusioniert zur Gemeinde Aeschi, laut Heeb Ausnahmen waren. So etwa Holderbank, das das Frauenstimmrecht 1974 einführte.

Das Frauenstimmrecht wurde schon früher gefordert Zum Beispiel hier, an der Solothurner Fasnacht 1939, schrieben Männer auf ein Plakat: "Mir wei Verträtige i Gmein und Staat und wei ä wibliche Bundesrat."

Das Frauenstimmrecht wurde schon früher gefordert Zum Beispiel hier, an der Solothurner Fasnacht 1939, schrieben Männer auf ein Plakat: "Mir wei Verträtige i Gmein und Staat und wei ä wibliche Bundesrat."

Keystone

Drei Jahre zuvor hatten dieses ansonsten – abgesehen von acht Ausnahmen – alle Gemeinden im Kanton übernommen. Und: Zwei Gemeinden liessen ihre Frauen abstimmen, bevor das Frauenstimmrecht auf Bundesebene kam. Trimbach und Däniken. Auch in Trimbach haben die Verantwortlichen vergangenen Sonntag Stimmrechtsausweise gezählt und sortiert. Das Ergebnis: Etwas über die Hälfte der Stimmzettel kam von Frauen. Dafür machte in dieser Gemeinde, in der die Stimmbeteiligung auch insgesamt eher tief ist, nur ein guter Drittel aller stimmberechtigten Frauen von ihrem Recht Gebrauch, das vor nicht allzulanger Zeit noch keine Selbstverständlichkeit war.