Aare
50 000 Fahrgäste weniger auf den Schiffen – in nur zwei Monaten

Das Hochwasser auf der Aare führte bei der Bielersee Schifffahrtsgesellschaft (BSG) zum Ausfall von 160 Kursen – trotzdem gab es keine Ferien für das Personal.

Franz Schaible
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Dank schönem Wetter fährt aktuell das Aareschiff «Rousseau» nach Biel.

Dank schönem Wetter fährt aktuell das Aareschiff «Rousseau» nach Biel.

Hansjörg Sahli

Neben dem Juli sei der August ein ebenso wichtiger Monat für die Schifffahrt, sagte Thomas Erne, Geschäftsführer der Bielersee Schifffahrtsgesellschaft (BSG) noch Ende Juli. Er hoffe deshalb auf höhere Frequenzen im zweiten Sommermonat. Die Realität sieht indes anders aus; auch der August war für das Schifffahrtsunternehmen, insbesondere der Betrieb auf der Aare, katastrophal.

Schuld allein war das Wetter, respektive das Hochwasser, welches einen Betrieb auf der Aare verunmöglichte. Vom 11. Juli bis und mit 11. August war der Betrieb zwischen Solothurn und Biel unterbrochen. Das entspricht einem Ausfall von genau 27 Betriebstagen. Insgesamt sind auf der Aare 160 Kurse ausgefallen. «Das war in den letzten Jahren der längste Unterbruch», meldet Erne heute. Er hat die Zahlen bis 1999 zurückverfolgt. In den Jahren zuvor habe es allerdings auch längere Unterbrüche gegeben, weil die Brücken – etwa die Archbrücke – tiefer gelegen waren als heute.

Allein im Juli minus 45 Prozent

Das ist ein schwacher Trost. Denn die Ausfälle sind massiv und fielen – erschwerend – eben ausgerechnet in den beiden wichtigsten Saison-Monaten der BSG an. Die von Thomas Erne auf Anfrage vorgelegten Zahlen sind deutlich: Insgesamt, also inklusive Betrieb auf den drei Seen, registrierte die BSG im vergangenen Juli 40 553 Passagiere. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahresmonat einem Rückgang von satten 45 Prozent. Und im August sank die Zahl der beförderten Gäste nochmals um 23 Prozent auf 55 273. Kumuliert resultierte für die beiden «Hochsommermonate» ein Rückgang um 35 Prozent auf knapp 96 000 Fahrgäste.

Oder anders gesagt: Insgesamt waren in den beiden Sommermonaten gegen 50 000 Ausflügler weniger auf den Schiffen der BSG unterwegs als m Vorjahr. Die Frequenzen der einzelnen Strecken (Bielersee, Drei-Seen-Fahrt und Aare-Schifffahrt) kann Erne noch nicht liefern. Aber klar ist, dass die Bilanz allein für den Betrieb auf der Aare noch viel schlimmer ausfällt. Im Durchschnitt entfielen jeweils rund 25 Prozent der Gesamtfrequenzen auf den Aareverkehr. In dieser Saison dürfte dieser Anteil aber bedeutend tiefer sein, gesteht Erne ein.

Ertragsausfall ungewiss

Über den daraus resultierenden Ausfall bei den Einnahmen könne er noch keine Angaben machen. «Die finanzielle Bilanz können wir erst Ende Geschäftsjahr ziehen.» Nebst den direkten Erträgen aus dem eigenen Ticketverkauf und dem Erlös aus dem Gastrobereich erhalte man auch einen grossen Teil der Einnahmen aus Abonnenten wie GAs und Tageskarten sowie über externe Verkaufsstellen. Die Ausfälle seien nur teilweise versichert, und die Endabrechnung mit dem Versicherer sei noch nicht abgeschlossen.

Personal muss sehr flexibel sein

Direkt betroffen vom langen Betriebsausfall war logischerweise auch das Personal. Insgesamt beschäftigt die BSG 20 Mitarbeitende im Fahrdienst, davon sind jeweils rotierend deren fünf der Aare-Schifffahrt zugeteilt. Es sei sicherlich eine aussergewöhnliche Situation, dass wir in der Hochsaison das Angebot reduzieren mussten. «Wir haben aber keine Kurzarbeit eingeführt», sagt Erne.

Und der Betriebsausfall habe keine finanziellen Auswirkungen auf das Einkommen der Mitarbeitenden. Das betroffene Personal sei weiterbeschäftigt worden, entweder auf den anderen Schiffen auf den Seen oder in anderen Funktionen, zum Beispiel im Technikbereich. Zudem hätten sie weniger als üblich Mehrarbeit im Sommer geleistet oder bestehende Überzeiten abgebaut. Sind da die Betroffenen diesen Sommer nicht in eine erhebliche Minuszeit gefallen? Nein, sagt Erne. Dank den erwähnten Massnahmen sei dies nicht der Fall gewesen.

Feriensperre im Sommer

Für die Betroffenen bedeutete der Abbau der Überzeiten übrigens nicht etwa Ferien. Denn für das Fahrpersonal gilt eine Feriensperre, die auch bei dieser Hochwassersituation nicht aufgehoben wurde. «Die Wasserstandssituation auf der Aare änderte sich laufend und täglich wurde analysiert, ob gefahren werden konnte oder nicht», erklärt Erne. So sei es nicht möglich gewesen, Urlaub oder mehrere Freitage zu gewähren.