Obergericht
47-jähriger Mazedonier terrorisierte über Monate seine Ex-Geliebte

Nach der Trennung konnte der 47-jährige Mazedonier jedoch nicht loslassen. Er terrorisierte seine Ex-Geliebte. Das Amtsgericht hatte ihn zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Er legte Berufung ein.

Daniel Rohrbach
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Der Mazedonierhatte seiner Ex-Geliebten SMS mit beschimpfenden und in grober Weise sexuell belästigendem Inhalt geschickt. Zudem riss er sie an den Haaren.

Der Mazedonierhatte seiner Ex-Geliebten SMS mit beschimpfenden und in grober Weise sexuell belästigendem Inhalt geschickt. Zudem riss er sie an den Haaren.

key/az

Einst liebten sie sich, heute hat sie panische Angst, wenn sie ihrem ehemaligen Geliebten gegenübersteht. Bei der Befragung gestern vor Obergericht hatte denn auch der Beschuldigte, der 47-jährige, mehrfach vorbestrafte Mazedonier Branko. B.* in einem Nebenraum und von einem Polizisten bewacht zu warten, bis die ehemalige serbische Wirtin Slavica S.* ihre Aussage beendet und das Gerichtsgebäude wieder verlassen hatte.

Die beiden hatten sich 2007 im Restaurant der Serbin im Gäu kennen gelernt. Als die Wirtin in Geldnöten steckte, leistete ihr B. eine Bürgschaft für einen Bankkredit von 30 000 Franken. Als der Kredit gekündigt wurde, hatte B. als Bürge 21 000 Franken zu bezahlen. In dieser Zeit begannen sich die beiden auch zu entzweien und B. drängte auf Rückzahlung der Schulden - mit immer vehementeren Mitteln. Das Vorgehen des Beschuldigten komme einem «Stalking» gleich, so die Staatsanwältin in ihrer Anklage.

Konkret hatte der Mazedonier vom Herbst 2008 an während rund eines Jahres die Wirtin mehrfach verbal bedroht und ihr SMS mit beschimpfenden und in grober Weise sexuell belästigendem Inhalt geschickt. Im August 2009 packte B. seine Ex-Geliebte an den Haaren, riss ihren Kopf hin und her, sodass sie schliesslich zu Boden stürzte und Schürfungen und Prellung erlitt. B. soll zudem gemäss Aussagen zweier Zeugen auch mit dem Fuss gegen die am Boden liegende Frau getreten haben. Kurze Zeit darauf gab die Wirtin ihr Restaurant auf und zog, auf Anraten der Polizei, in die Ostschweiz. Dort wurden bei ihrem Auto innerhalb eines Monats zweimal alle vier Reifen zerstochen und einmal eine Fensterscheibe eingeschlagen - offenbar Bs Werk.

«Zeugen lügen»

Das Amtsgericht Thal-Gäu verurteilte Branko B. unter anderem wegen einfacher Körperverletzung, versuchter Nötigung, Drohung, Beschimpfung, Hausfriedensbruch, mehrfacher sexueller Belästigung und mehrfacher Sachbeschädigung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten sowie zur Bezahlung einer Genugtuung von 4000 Franken. Gegen das Strafmass wie auch gegen die Verurteilung wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Nötigung und sexueller Belästigung legte der Mazedonier Berufung ein.

«Ich habe ihr nie etwas gemacht. Die Zeugen lügen», erklärte B. vor Obergericht auf die Frage, ob er die Frau mit Fusstritten traktiert habe. Er bereue sogar, dass er ihr nicht mehr gemacht habe. In der Schweiz laufe es immer auf dasselbe hinaus. «Sobald die Frauen etwas jammern, muss man als Mann schon ins Gefängnis.» Und überhaupt, er wolle einfach nur sein Geld. Die Wirtin hat bis heute 15 500 Franken zurückbezahlt. Doch offenbar wird sie von B. immer noch nicht in Ruhe gelassen. Vor rund einem Monat habe er sie letztmals an ihrem Arbeitsplatz angerufen und bedroht, erklärte die Frau gestern.

Formale Mängel?

Bs. Verteidiger beantragte, das Verfahren wegen formeller Mängel zurückzuweisen. Dies, weil die Richterin, die als Amtsgerichtsstellvertreterin geamtet habe, bei der ganzen Angelegenheit zuvor als Haftrichterin gewirkt habe. Für den Fall, dass das Gericht diesen Antrag nicht gutheisse, beantragte der Verteidiger eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Denn: Beim Reissen an den Haaren handle es sich nicht um eine Körperverletzung, sondern um eine Tätlichkeit. B. habe die Wirtin zudem nicht genötigt, sondern ihr nur gedroht, der Nachweis der sexuellen Belästigung sei nicht erbracht und bei der Sachbeschädigung sei vom Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» auszugehen.
Das Urteil wird heute bekannt gegeben.