Beim zweiten Verhandlungstag um den Solothurner Millionenbetrugsfall kam es noch nicht zu den Plädoyers des Staatsanwalts und der Verteidiger. Stattdessen nahmen die weiteren Befragungen des angeklagten Treuhänders den ganzen Tag in Anspruch.

Wie bereits am ersten Verhandlungstag wies auch Angeklagte jegliche Vorwürfe von sich, sich bereichert zu haben. Er habe nie jemanden zu einem Anlagevertrag bewegt. Die Gespräche mit den Anlegern seien nur durch seine Geschäftspartnerin geführt worden. Er sei lediglich Verwaltungsrat der Finanzgesellschaft gewesen.

Hohe Renditen versprochen

In seiner Eigenschaft als Verwaltungsrat hatte der Treuhänder der Finanzgesellschaft in vier Jahren rund 2200 Stunden für seine Arbeiten verrechnet, den Stundenansatz zu 180 Franken. Auf die Frage von Amtsrichter Christoph Mathys, warum er so viele Stunden verrechnet habe, sagte der Treuhänder: «Meine Geschäftspartnerin hat die Verhandlungen in meinem Büro geführt, in dieser Zeit konnte ich nicht arbeiten.» Dem Treuhänder und seiner Geschäftspartnerin wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, zwischen 2002 und 2006 rund 31 Mio. Franken veruntreut zu haben.

Laut der Staatsanwaltschaft gaukelten sie den Anlegern sichere und professionelle Vermögensanlagen vor. Renditen auf den Anlagen hätten anhand von «Trading-Programmen» erzielt werden sollen. Gemäss der Staatsanwaltschaft ist das Geld aber nie investiert worden. Stattdessen habe das Duo Geschäftskosten gedeckt, seinen Lebensunterhalt bestritten und aus neuen Einzahlungen Rückzahlungen an frühere Kunden finanziert.

95 Anleger geschädigt

Zu Schaden kamen laut Staatsanwaltschaft 95 Anleger, die rund 20 Mio. Franken verloren haben. Die meisten Anleger hatten mindestens 100 000 Franken angelegt. Den Rekord mit 5 Mio. Euro hielten zwei Personen aus Holland, die am 10. Februar 2005 diesen Betrag auf ein Konto einer Finanzgesellschaft des Duos überwiesen. Bereits am Tag drauf hob der Treuhänder bei der Post 4,6 Mio. Franken in bar ab.

Das Geld sei für einen Edelsteinkauf im Vatikan gebraucht worden, sagte der Treuhänder. «Meine Geschäftspartnerin erklärte mir, dass solche Käufe dort in bar abgewickelt würden.» Er habe keinen Grund gehabt, ihr dies nicht zu glauben. Schliesslich habe sie mehrmals erzählt, dass sie im Besitz eines Diplomatenpasses des Vatikans sei. «Ich ging davon aus, dass sie dadurch Beziehungen im Vatikan hat.»

Geld ist spurlos verschwunden

Das Geld für den Edelstein sei in Rom an eine Person namens «Luciano» bezahlt worden. Das Geld ist seither spurlos verschwunden. Der angeblich in Rom gekaufte Edelstein wurde später von den Untersuchungsbehörden sichergestellt. Es handelt sich um einen Topas im Wert von rund 500 Franken. «Meine Geschäftspartnerin und ich sind von diesen Papstleuten betrogen worden», folgerte der Treuhänder. Die Verhandlung wird heute fortgeführt.