Blick in die Statistik

42'000 leben allein, 84'000 pendeln im Auto zur Arbeit: Der Solothurner Alltag in Zahlen

Jede Menge aufbereitete Zahlen über das Leben im Kanton bietet die Publikation «Kanton Solothurtn in Zahlen».

Jede Menge aufbereitete Zahlen über das Leben im Kanton bietet die Publikation «Kanton Solothurtn in Zahlen».

Die jährlich neu erscheinende Broschüre «Kanton Solothurn in Zahlen» liefert einen Überblick über eine ganze Reihe von statisztischen Themengebieten und erlaubt so auch einen Einblick in verschiedene Lebensbereiche.

Klar, der höchste Punkt im Kanton Solothurn befindet sich seit je auf der Hasenmatt bei Selzach (1445 m ü.M.), der tiefste an der Birs bei Dornach (277 m ü.M.). Und die Strecke vom nördlichsten Punkt in Bättwil zum südlichsten in Messen wird immer 48 Kilometer betragen, die vom westlichsten Punkt in Grenchen zum östlichsten in Eppenberg-Wöschnau immer 55 Kilometer.

Die jährlich erscheinende Broschüre «Kanton Solothurn in Zahlen» liefert aber immer auch neues statistisches Material, das interessante Einblicke in das Leben im Kanton mit «vill Haag» (380 Kilometer Kantonsgrenze) und «weeni Garte» (79046 Hektaren Gesamtfläche) gibt. Nachfolgend einige Eckdaten.

Im Kanton Solothurn leben beinahe exakt gleich viele Frauen wie Männer.

Der Kanton zählt aktuell (das heisst per 31. Dezember 2019) 276469 Einwohnerinnen und Einwohner. Das Bevölkerungswachstum ist eher moderat, es lag im letzten Jahr bei 0,63 Prozent und damit leicht unter dem gesamtschweizerischen Wert. Sehr ausgewogen ist das Verhältnis der Geschlechter, der Kanton zählt 138361 männliche Einwohner und 138'108 weibliche Einwohnerinnen. Die Männer haben also mit einem Anteil von 50,05 Prozent nur ganz hauchdünn die Oberhand. Der Ausländeranteil liegt bei 23,3 Prozent und hat sich damit gegenüber dem Vorjahr um etwas mehr als ein halbes Prozent erhöht – ein vielleicht nicht unwesentlicher Fakt im Hinblick auf das Abstimmungswochenende Ende September. Den höchsten Anteil an der ausländischen Wohnbevölkerung haben nach wie vor die Italiener, gefolgt von den Deutschen und den Kosovaren.

Die Gretchenfrage: Wie haben es die Solothurnerinnen und Solothurner mit der Religion?

1533 war es, als Schultheiss Niklaus Wengi beim letzten Aufstand der Reformierten ein Blutvergiessen verhinderte – Solothurn blieb katholisch. Tatsächlich leben bis heute klar mehr Katholiken (84374) als Reformierte (55'829) im Kanton, aber vom katholischen Solothurn zu sprechen, wird den effektiven Verhältnissen längst nicht mehr gerecht. Gemessen an der gesamten Wohnbevölkerung machen die Katholiken noch gut 30 Prozent, die Reformierten etwas mehr als 20 Prozent aus.

Von einem grossen Teil der Solothurner Bevölkerung (über 135'000 Personen oder 49 Prozent) ist schlicht keine Konfessions- beziehungsweise Religionszugehörigkeit bekannt, die islamische Gemeinschaft ist mit über 16'000 Personen inzwischen fast 14 Mal so gross wie die der Christkatholiken mit knapp 1200 Personen.

Sehr viele Einpersonenhaushalte, und geheizt wird nach wie vor bevorzugt mit Öl oder Gas.

Die verfügbaren Statistiken erlauben auch einen gewissen Einblick, wie die Solothurnerinnen und Solothurner ihren Alltag so leben. In gut einem Drittel der Haushalte zum Beispiel leben Alleinstehende beziehungsweise zumindest Personen, die sich ihren Haushalt nicht mit einem Partner oder einer Partnerin teilen. Dabei beanspruchen Herr und Frau Solothurner aber recht viel Platz für sich: Gut 62 Prozent der über 137'000 Wohnungen im Kanton haben vier und mehr Zimmer.

Über 73'000 oder 53 Prozent der Wohnungen werden nach wie vor mit Öl, fast 30'000 oder knapp 22 Prozent mit Gas geheizt, macht drei Viertel fossil. In Sachen Energiewende besteht also noch Luft nach oben. Der «Durchschnittssolothurner» verbraucht 351 Liter Wasser – täglich – und «produziert» 435 Kilogramm Abfall pro Jahr. Davon sind 221 Kilogramm Kehricht und Sperrgut, 119 Kilogramm Grüngut, 51 Kilogramm Papier und Karton und nur gut ein halbes Kilogramm Sonderabfälle.

Das erwirtschaftete Bruttoinlandprodukt pro Kopf der Bevölkerung ist klar unterdurchschnittlich.

Immer wieder ein Thema in den politischen Diskussionen: Solothurn gehört zu den ressourcenschwächsten Kantonen – Tendenz in den letzten Jahren leider weiter sinkend – und ist deshalb stark vom Finanzausgleich abhängig. Die Solothurner Wirtschaft gehört nicht zu den ertragsstärksten und die Kantonseinwohner nicht zu den Spitzenverdienern im Land. Das Bruttoinlandprodukt liegt bei gut 65'000 Franken pro Einwohner, während es im gesamtschweizerischen Durchschnitt über 79'000 Franken beträgt.

Das steuerbare Einkommen aller Solothurnerinnen und Solothurner kumuliert sich aber doch auf eine stolze Summe: Es sind 9,3 Milliarden Franken. Gut 142'000 Kantonseinwohner sind erwerbstätig, also knapp 52 Prozent der Bevölkerung. Die Solothurner sprechen gern vom Industriekanton im Grünen. Die Grossindustrie hat aber nicht mehr die Bedeutung wie einst, wie auch die Unternehmensstatistik zeigt: Sie zählt 18'274 Arbeitsstätten im Kanton, die 110'727 Vollzeitstellen anbieten, was im Durchschnitt lediglich 6 Arbeitsplätze pro Betrieb ergibt. Es bewahrheitet sich also die viel verwendete Redensart vom Gewerbe als Rückgrat der Volkswirtschaft.

Die meisten Pendler sind mit dem Auto unterwegs.

A propos Arbeitsstätten: Sehr viele Solothurnerinnen und Solothurner wohnen nur hier und verdienen ihr Geld in einem anderen Kanton. Bei der letzten Erhebung 2017 wurden über 55'400 Wegpendler gezählt, denen knapp 41'000 Zupendler aus einem anderen Kanton gegenüberstanden. Das ergibt einen negativen Pendlersaldo von rund 14500.

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Inzwischen geradezu die Ausnahme sind die Werktätigen, die ihren Arbeitsplatz am Wohnort haben: Zu den Wegpendlern in einen anderen Kanton kommen noch über 80000 sogenannte Binnenpendler. Das wirkt sich auch auf das Verkehrsaufkommen, vor allem auf der Strasse aus, fast 84000 Werktätige oder über 63 Prozent der Pendler fahren nämlich täglich mit dem Auto zur Arbeit, mit dem öffentlichen Verkehr nur knapp 29000 oder gut 6 Prozent. Im Kanton sind über 175000 Personenwagen eingelöst, das ergibt für fast jeden Erwachsenen unter 80 ein Auto.

Die Kantonspolizei kann eine hohe Aufklärungsquote vorweisen.

Sicher auch ein Kriterium für die Lebensqualität ist die öffentliche Sicherheit. Letztes Jahr wurden im Kanton Solothurn 14700 Straftaten nach Strafgesetzbuch registriert. Das klingt nach einer ganzen Menge, schliesslich sind das im Durchschnitt 40 jeden Tag. Die Zahl ist in den letzten Jahren aber immerhin trotz wachsender Bevölkerung tendenziell gesunken. 2019 war zwar wieder ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen, wobei hier aber anzumerken ist, dass dies zu einem grossen Teil auf einen einzigen Vorfall zurückgeht: Die Besetzung des Schlachthofes der Grossmetzgerei Bell in Oensingen. Den Tierrechtsaktivisten, die Ende 2018 den Schlachthof gestürmt hatten, wurden insgesamt 400 Straftaten wie Hausfriedensbruch und Nötigung zur Last gelegt. Das Gros waren Delikte gegen das Vermögen, hauptsächlich Einbrüche (911) und Ladendiebstähle (665). Die Kantonspolizei kann sich einer hohen Aufklärungsquote von 46 Prozent der Straftaten rühmen. Im letzten Jahr gab es sechs versuchte, aber kein vollendetes Tötungsdelikt.

Wofür der Staat das Geld ausgibt? Am meisten für die soziale Wohlfahrt, die Bildung und das Gesundheitswesen.

Auf rund 2,2 Milliarden Franken beläuft sich der Aufwand im Solothurner Staatshaushalt. Den grössten Anteil hat mit 24,9 Prozent die soziale Wohlfahrt, gefolgt von der Bildung mit 21,2 Prozent und der Gesundheit mit 16,4 Prozent. Dagegen ist zum Beispiel die öffentliche Sicherheit mit einem Anteil von 9,9 Prozent an den Gesamtausgaben ein bescheidener Budgetposten. Ebenso die allgemeine Verwaltung, die 7,2 Prozent der Ausgaben beansprucht. Die 109 Gemeinden weisen zusammen einen Aufwand von 1,5 Milliarden Franken aus, hier fliesst das meiste Geld (34,5 Prozent) in die Bildung, gefolgt von der sozialen Wohlfahrt (22,6 Prozent). Bei den Gemeinden ist übrigens der Verwaltungsaufwand mit einem Anteil von 12 Prozent an den Gesamtausgaben höher als beim Kanton.

Die Broschüre «Kanton Solothurn in Zahlen» kann online bestellt werden unter statistik.so.ch oder per Mail an statistik@fd.so.ch (solange Vorrat).

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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