Auf einen Kaffee mit...

42 Jahre gemeinsam auf dem Wallierhof: Sie sind Gastgeber durch und durch

Beat und Beatrice Graf laden zu Kaffee und Tee im Speisesaal des Wallierhofs.

Beat und Beatrice Graf laden zu Kaffee und Tee im Speisesaal des Wallierhofs.

Auf einen Kaffee mit... Beat und Beatrice Graf, die das Tagungszentrum des Wallierhof leiten. Ende 2020 wird das Ehepaar nach 42 Jahren in Pension gehen.

Beatrice und Beat Graf merkt man an, dass sie schon lange ein Team sind: Beim Erzählen ergänzen sich die Leiter des Tagungszentrum Wallierhof so fliessend, dass man meinen könnte, man spräche nur mit einer Person.

Dies ist jedoch keine Überraschung, denn die beiden haben auch fast ihr ganzes Leben gemeinsam verbracht: Als sie sich kennen lernten, gingen die beiden noch zur Schule. «Wir sind da bestimmt ein Ausnahmefall», sagt Beatrice Graf mit einem stolzen Lächeln. 15 Jahre alt waren sie und ihr Mann, als sie sich ineinander verliebten. Seitdem ist vieles passiert. Der Beruf als Leiter-Eherpaar erfüllte die Jahre mit vielen Ereignissen. Und davon erzählen sie sichtlich gerne.

Die beiden sagen, Beatrice sei die Kommunikative und Aufgedrehte, während Beat die Dinge eher ruhig angehe. Und es bestätigt sich: Bevor seine Frau beginnt, einzelne Geschichten in kleinstem Detail zu erzählen, erklärt er, wie alles überhaupt begann. Beat Graf arbeitete in den 70ern als Koch im Wallierhof, damals noch Internat und Schule für landwirtschaftliche Ausbildung. Als der damalige Direktor dann seinen Posten aufgab, wurde Beat gefragt, ob er nicht übernehmen wolle. Gemeinsam mit seiner Frau natürlich, denn so habe man es damals gemacht.

So zogen die beiden mit 30 in die Dienstwohnung ein. Damals kümmerten sie sich um Schüler und Schülerinnen, von denen die meisten auch dort übernachteten. Die Zimmer hätten bis zu acht Betten gehabt, erzählt Beatrice Graf. «Aber damals waren die Standards ja auch noch nicht so hoch wie heute.» Und die Schüler hätten sich auch alle gut verstanden, was dann auch dazu führte, dass sie ab und zu gewisse Nachtaktionen unternahmen.

«Sie wollten natürlich in den Ausgang», erzählt Beat Graf. Und zwar lieber die ganze Nacht als nur bis 22 Uhr, was die Sperrstunde gewesen wäre. Einmal hörte er Geräusche im Gang und ging nachschauen. Als er ankam, hatte sich eine Gruppe Jungs auf der Toilette versteckt. Sie kamen nach ein paar Minuten in Unterhosen heraus und gaben vor, sie hätten bloss auf die Toilette gemusst. Ihre Kleider fand Beat Graf dann später auf der Fensterbank des Badezimmers.

«Das gehört für uns einfach dazu»

Über die Jahre habe sich zwar vieles verändert, was aber immer gleich blieb, war, dass sich das Ehepaar um seine Gäste kümmerte. «Je nachdem, was los war, arbeiteten wir auch sieben Tage und Nächte die Woche», erzählt Beatrice Graf. Zum Beispiel habe ihr Gärtner einmal eine Gruppe Floristen aus Japan eingeladen, die bei ihm die Arbeit mit Trockenblumen erlernten. Damit diese sich im fremden Land wohlfühlen würden, assen die Grafs immer mit ihnen zu Abend und erklärten ihnen alles, was sie wissen mussten. «Das gehört für uns einfach dazu», sagt Beat Graf.

Den beiden sieht man an, dass sie die Dinge immer locker genommen haben. Wegen allem Möglichen nachts geweckt zu werden, wurde mit der Zeit aber dennoch anstrengend. Dazu kam, dass das Ehepaar mittlerweile selbst zwei Kinder hatte. Sie zogen deshalb nach zehn Jahren von der Dienstwohnung runter ins Dorf. «Zu weit weg wollten wir doch nicht sein, falls mal etwas ist», sagt Beatrice Graf. «Die Privatsphäre genossen wir aber sehr.»

Zufrieden und bereit für den Ruhestand

Auch als der Betrieb irgendwann als Schule und Internat nicht mehr so lief wie zuvor, liessen sich die Grafs nicht aus der Ruhe bringen. «Die Zeiten ändern sich, und da muss man sich eben anpassen», sagt Beatrice Graf ganz pragmatisch. So wandelte sich der Betrieb zu einem Bildungs- und Tagungszentrum.

Ende 2020 werden die Grafs nach 42 Jahren in Pension gehen. Auch wenn sie sich den Tumult gewöhnt sind, freuen sie sich, bald in ihrem Haus am See zu leben und mehr Zeit für ihre Enkel zu haben. «Es wird schön, einfach mal das zu machen, was man gerade will», sagt Beatrice Graf. Einzig schade fänden die beiden, dass viele Anlässe dieses Jahr aufgrund von Corona nicht mehr stattfinden konnten. Es wäre schliesslich das letzte Mal gewesen. «Aber nach allem ist das Meckern auf sehr hohem Niveau», sagen sie lächelnd.

Meistgesehen

Artboard 1