Was ist der Sommer für Sie? Zeit der Musse oder des Müssens?

Pirmin Bischof: Sommerferien heisst Herunterfahren und Batterien laden. Statt Politik und Arbeit bestimmen die Kinder den Tagesablauf. Darauf freue ich mich vor jeder Sommerpause immer wieder.

Gönnen Sie sich in diesen Wochen bewusste Nachlässigkeit?

Am Strand in der Badehose, wenn es wirklich ganz heiss ist, lege ich die Krawatte zuweilen ab . . .

Was geht trotz etwas lockerer Sitten gar nicht?

Kalter Kaffee (in jeder Beziehung). Darauf bin ich wirklich allergisch.

Für die einen ist der Sommer Traumzeit, für die anderen Übergangszeit zwischen Frühling und Herbst. Für Sie?

Ich liebe alle fünf Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst, Winter und Fasnacht. . . Wobei ich keine Rangliste führe.

Bleiben Sie überzeugt daheim? Oder gehen Sie unverdrossen in den Süden?

Mein politischer Kompromiss geht in dieser Frage so: Die Solothurner Badi und der Strand am Meer.

Haben Sie eine Erklärung dafür, weshalb sich die Affenhitze im Ausland besser aushalten lässt als zu Hause?

Das Meer kühlt. Immer noch. Der Schweizer Meeresanstoss ist aber tatsächlich (noch) bescheiden.

Wohin führt Sie der Sommer?

In die Badi, ans Meer (siehe oben) und nach Olten (siehe unten) Das reicht mir vollkommen.

Und Ihr Sommersehnsuchtsort?

Der Schatten unter dem Sonnenschirm.

Und wohin wollten Sie schon immer einmal?

Ins Wasser.

Wenn Sie wählen können: Eistee oder Cüpli? Oder etwas ganz anderes?

Ein kühles Bier (ich heisse ja Biermin . . .). Aber welches? Am Montag ein «Öufi», am Dienstag ein «Guldenthaler», am Mittwoch ein «BuechiBärger, am Donnerstag ein «Granicum», am Freitag ein «Drei Tannen», am Samstag ein «Schwarzbuebe» und am Sonntag ein «Ola» (im gleichen Haus gebraut wie das Oltner Tagblatt, nur süffiger). Für nächste Woche nehme ich noch Tipps entgegen.

Und für zwischen die Zähne? Vitello tonnato, T-Bone-Steak oder Couscous-Salat?

Pouletflügeli, Pommes frites und Bier. Denn das serviere ich heute an der Oltner Chilbi im Zelt des Vereins für Volksgesundheit . . .

Sind Sie der Sonnen- oder der Schattentyp?

Schatten brauche ich nur, wenn die Sonne scheint.

Sagen Sie uns: Gilt das auch im übertragenen Sinn?

Ich sei ein sonniges Gemüt, sagen meine Ständeratskolleginnen und -kollegen. Ich vertraue ihnen voll und ganz.

Und wie ist es mit dem Wasser? Lieber drinnen oder draussen?

Ich trinke Wasser. Drinnen und auch draussen.

Sind Sie der Pool- oder der Wildwassertyp?

Ich bevorzuge es, wenn das Wasser im Burgäschisee nicht zu wild ist.

«An einem Sommermorgen, da nimm den Wanderstab, es fallen deine Sorgen wie Nebel von dir ab», schrieb Theodor Fontane. Ein gutes Motto?

Im Sommer macht mir der Nebel eigentlich keine Sorgen, und im November gibt es ja – was Fontane noch nicht wusste – die Gondelbahn auf den Weissenstein.

Was ist Ihr Sommermotto?

Nimm’s, wie’s chunnt. Darin ist alles enthalten, was diese Jahreszeit so schön macht.

Apropos Lektüre: Haben Sie Thriller, Sommerschnulze oder ernsthafte Gegenwartsliteratur in der Badetasche?

Derzeit ernsthafte Gegenwartsliteratur: «Babyjahre» von Remo H. Largo. Ich brauche dieses Buch je nach Lebenssituation wie ein Rezeptbuch.

Wenn Sie wählen müssten: «Der Fall Deltschev» von Eric Ambler, «Das kleine Inselhotel» von Sandra Lüpkes oder «Der Stotterer» von Charles Lewinsky?

Das kann ich leider nicht sagen. Mit zwei kleinen Töchtern in den Sommerferien komme ich nie über Seite 2 hinaus. Aber daran habe ich mich in der Zwischenzeit gewöhnt. Und es ist auch gar nicht so schlimm.

Was lesen Sie gerade?

Wie gesagt: «Babyjahre». Und zudem die Sitzungsunterlagen für den ersten Montag nach den Ferien. Auch wenn das keine Literatur ist.

Sommer – Zeit des Glücks. Des eigenen? Oder jenes der andern? Die meisten Ehen werden nach den Sommerferien geschieden.

Keine Sorge: Wir sind eben zurück aus den Sommerferien und immer noch glücklich verheiratet. Und keine Angst: Die Heiratsstrafe bekämpfe ich auch nach den Sommerferien weiter – versprochen!

Umgekehrt: Was braucht es für Sie, damit die Sommerfrische nicht ein Phantom bleibt, das in der schwülen Nacht verdampft?

Ganz simpel: Eine kalte Dusche.

Apropos Illusion am Sommernachthimmel: Möchten Sie im Open-Air-Kino «Wolkenbruch» sehen oder doch lieber wieder einmal «Pretty Woman»?

«Wolkenbruch» würde ich nach den letzten Solothurner Filmtagen sofort wieder mit Genuss ansehen.

Hand aufs Herz: Ist die Vorfreude auf den Sommer nicht regelmässig grösser als die Befriedigung darüber, was er am Ende gebracht hat?

Hauptsache ist für den Sommer wie für mich selber: Dä bringt’s!

Vielen geht es so: Sie kommen anscheinend erfrischt aus den Ferien. Sie wollen so viel wie möglich in den Alltag retten. Und eine Woche später erinnern sie sich kaum daran, wo sie gewesen sind.

Also, ich erinnere mich an die Ferien (siehe oben). Der Parlamentariergesundheitstest hat soeben meine (auch mentale) Fitness bestätigt. Deshalb kann ich den Sommer weiter in vollen Zügen geniessen und getrost dem Herbst entgegenblicken.

Können Sie in den Sommerferien abschalten von der Arbeit? Oder bleibt es beim Vorsatz?

Ich schalte wirklich ab. Diese Fragen beispielsweise habe ich erst nach meinen Ferien beantwortet. Ich hoffe, das sei Beweis genug.

Beunruhigt Sie die Abwesenheit der Arbeit, des Alltags manchmal?

Nein, warum? Beide kommen ja wieder. Und das so richtig. Jedenfalls habe ich diesen Eindruck, wenn ich meine Agenda der kommenden Wochen anschaue.

Was ist mit der Politik und dem Wahlkampf?

Politik und Wahlkampf gehören für mich zur Arbeit. Deshalb lasse ich sie in den Sommerferien schön ruhen.

Besorgt Sie der Klimawandel in den Ferien mehr als im Alltag?

Am Strand fühle ich, was es heissen würde, wenn der Meeresspiegel einen oder zwei Meter ansteigen würde. Ein wirklich beruhigendes Gefühl ist das tatsächlich nicht.

Verschicken Sie noch Postkarten? Oder haben Sie einen Ferienchat?

Postkarten machen Freude, vor allem wenn sie erst Wochen nach der Rückkehr ankommen.

Frank und frei: Was schreiben Sie Donald Trump auf die Postkarte, die Sie nie abschicken werden?

Ich würde ihn dabei sicher fragen: Wenn dr Wältuntergang chunnt, weles Land breicht’s äch zerscht? – Und er würde mir sicher antworten: «America first!» Aber erstens werde ich die Karte kaum schreiben. Und zweitens würde Trump kaum darauf antworten.

An welches Sommerferienerlebnis erinnern Sie sich besonders gern?

Ich weiss, dass schon etwas viel von Sonne und Badi die Rede war. Aber es ist halt wirklich so: Ich erinnere mich besonders gern an. . . Sonne und Badi.

Und an welches mit Schaudern?

Logischerweise an Unwetter und Schauer.