Es war eine von Simon Gomms ersten Sitzungen im Solothurner Kantonsrat. Juni 2017, Traktandum «Ermächtigung der Gemeinden zur Einführung des Stimm- und Wahlrechts für niedergelassene Ausländerinnen und Ausländer auf kommunaler Ebene». Von Stärkung der Demokratie war auf der einen, von linker Zwängerei auf der anderen Seite die Rede. Der Auftrag kam nicht durch, wurde mit 55 zu 38 Stimmen bei einer Enthaltung für nicht erheblich erklärt.

Das habe den Ausschlag gegeben für etwas, das der heute 29-jährige Oltner Gomm zusammen mit der jungen SP Olten, den Jungen Grünen, SP und Junge SP Kanton Solothurn aufgleiste. Eine Volksinitiative mit dem gleichen Anliegen: Künftig sollen Gemeinden im Kanton selbst entscheiden, ob sie das aktive und passive Stimm- und Wahlrecht oder Teile davon einführen. Es gehe also um mehr Autonomie für die Gemeinden, nicht um das Ausländerstimmrecht, betont der Jungpolitiker mehrfach.

Stand jetzt sieht es so aus, als ob das Vorhaben zustande kommen würde. Bei 3000 benötigten Unterschriften haben die Initianten bisher 3089 gesammelt. Im April letzten Jahres fiel der Startschuss, kurz vor dem 1. Mai. An diesem Anlass habe man «gut abstauben» und «ein Polster anlegen» können, erzählt Gomm. «Ich hatte nie das Gefühl, dass die Sache aussichtslos wäre» – auch nicht während der beiden vergangenen Sommerferien, in denen es etwas harziger gelaufen sei. Jetzt sind die Sammler im Schlussspurt, laut dem Jungpolitiker werden die letzten Unterschriften beglaubigt, zusätzliche zur Absicherung gesammelt, bevor Ende Oktober Sammelschluss ist.

Und dann? Dann sind die zuständige politische Kommission und der Regierungsrat dran. Beide hatten sich damals – 2017 beim eingangs erwähnten Volksauftrag – dafür ausgesprochen. Bevor der Kantonsrat das Ganze dann abschmetterte – nachdem übrigens 2005 auch das Solothurner Stimmvolk gegen einen entsprechenden Vorstoss gestimmt hatte.

Gomm überlegt kurz während des Telefongesprächs. Er gehe davon aus, dass man die Sache schnell aufgleisen könne und es nicht mehr zu grossen Diskussionen in Kommission und Regierungsrat komme. Und im Parlament? Erneutes kurzes Schweigen am anderen Ende der Leitung. Etwas verschmitzt fügt Gomm dann an, dass es sicher wieder Diskussionen geben werde. Aber: Vor 15 Jahren habe der Kantonsrat dem Anliegen zugestimmt – das Volk dafür nicht. Wie das bei Meinungen und beim Stimmvolk halt so sei, könne sich das Blatt immer noch wenden.