Seine Kunden waren auf seinem Handy mit Alias-Namen wie «Eminem, Gimi Alba, Short M und Tupac», gespeichert. Die Umschlagplätze des Nigerianers waren hauptsächlich in der Region Solothurn (Westbahnhof, Segetzstrasse, Landhausquai und Postplatz). Insgesamt soll Nwabuike C.* zwischen Mai 2010 und Mai 2012 zirka 70 Gramm Kokain verkauft haben.

Aber nicht nur mit Kokain soll Nwabuike C. gedealt haben, auch Cannabis brachte er an den Mann - mindestens 100 Gramm allein an «Eminem», so die Anklage. Selbst griff der 39-Jährige offenbar auch gerne Mal zum Joint und an den Wochenenden soll er auch Kokain konsumiert haben. Für diese Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz und zusätzlich verschiedene Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz musste sich Nwabuike C. gestern vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern in insgesamt neun Punkten verantworten.

Wortkarger Angeklagter

Zehn Minuten vor Beginn der Gerichtsverhandlung erschienen zwei Polizisten mit Nwabuike C. im Schlepptau im Amtshaus. Der Angeklagte sitzt bereits seit dem 19. November 2012 im vorzeitigen Strafvollzug und hatte darum Handschellen um. Vornehm gekleidet - in weissem Hemd, blauen Jeans und braunen Lederschuhen - nahm er anschliessend vor den Richtern platz. Da der Nigerianer nur Englisch sprach, wohnte ein Übersetzer der Verhandlung bei.

Gerichtspräsident François Scheidegger wollte vom Angeklagten wissen, ob er sich an die Namen oder Alias-Namen der Kokain-Käufer, die in der Anklageschrift erwähnt sind, erinnern mag. Nwabuike C. mochte sich nur an einen Namen leicht erinnern. Ansonsten waren die Antworten, die die Richter zu hören bekamen: «Ich kann mich nicht erinnern» oder «Ich bin seit einem Jahr im Gefängnis und dort habe ich nur eine Stunde Zeit für einen Spaziergang, das hat mein Gedächtnis beeinträchtigt».

Die ganze Verhandlung hindurch gab sich der Angeklagte sehr wortkarg. Er gab zwar an, «Freunden geholfen zu haben, Drogen zu beschaffen», aber benutzte nie das Wort «Verkauf». Mit ausweichenden Antworten und Gegenfragen strapazierte er die Nerven von Gerichtspräsident François Scheidegger zusehends.

Für seine Geschäfte in der Schweiz

Bei Anklagepunkt Nummer sieben erfuhr das Gericht mehr über den Aufenthaltsgrund des Nigerianers. Die Anklage lautete: Ausübung einer selbstständigen Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung. Er soll nämlich Autos und weitere Waren gekauft und so mindestens zwei entsprechend beladene Fahrzeuge nach Nigeria exportiert haben.

Gerichtspräsident Scheidegger wollte vom Angeklagten mehr über sein Geschäft wissen. «Ich bin nur gekommen, um Autos zu kaufen. Ich wusste nicht, dass ich eine Bewilligung für das brauche», erklärte dieser.

Staatsanwalt forderte 27 Monate

«Der Angeklagte war lange Zeit in Solothurn aktiv und hat mit dem Kokain-Verkauf die Gesundheit einer Vielzahl Menschen in Gefahr gebracht», sagte Staatsanwalt Marc Finger in seinem Plädoyer. Er forderte in der Folge eine Gesamtstrafe von 27 Monaten unbedingt, eine Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 30 Franken und eine Busse von 500 Franken. Die Anklageschrift sei künstlich aufgeblasen, warf der Verteidiger dem Staatsanwalt vor.

Er versuchte Anklagepunkt um Anklagepunkt zu widerlegen und forderte schliesslich für seinen Mandanten Freispruch in allen Punkten und eine Entschädigung. Das Amtsgericht ging nicht auf diese Forderung ein und folgte in seinem Urteil der Staatsanwaltschaft, erhöhte aber die Haftstrafe noch auf 30 Monate unbedingt.