Amtsgericht
29 Monate Haft: Rumäne musterte sich vom Bettler zum Kupferdieb

Ein Rumäne wurde vor dem Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von 29 Monaten verurteilt. Mit einer Bande hatte der 28-jährige Osteuropäer in grossem Stil Kupfer gestohlen.

Beatrice Kaufmann
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Fünf Einbrüche in Firmen konnten einer immer wieder in anderer Zusammenstellung agierenden rumänischen Täterbande nachgewiesen werden. (Symbolbild)

Fünf Einbrüche in Firmen konnten einer immer wieder in anderer Zusammenstellung agierenden rumänischen Täterbande nachgewiesen werden. (Symbolbild)

Keystone

Rumänische Zigeuner, die als Räuberbanden durchs Land ziehen und alles mitlaufen lassen, was nicht niet- und nagelfest ist. Das Klischee des osteuropäischen Langfingers hat mitunter einen wahren Kern, wie die Verhandlung vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt zeigte.

Fünf Einbrüche in Firmen konnten einer immer wieder in anderer Zusammenstellung agierenden rumänischen Täterbande nachgewiesen werden. Einer ereignete sich im Juni 2013 in in Luterbach: Bei der Menz AG wurde Kupfer im Wert von 100 000 Franken entwendet.

Bei den vier anderen Einbrüchen, die in den Kantonen Aargau und Zürich verübt wurden, blieb es bei versuchten Diebstählen. Endstation war in Würenlos (AG), wo vier der Diebe in flagranti erwischt wurden. Gegen drei von ihnen laufen eigene Verfahren im Aargau und in Zürich.

Radu P.*, der am Einbruch in Luterbach beteiligt gewesen war, musste sich in Solothurn unter anderem wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls verantworten. «Ich bin in die Schweiz gekommen, um zu betteln», sagt Radu P. vor Gericht aus. Die Haltung des 28-Jährigen ist geduckt, seine Gesten entschuldigend, seine Worte rechtfertigend.

In der Schweiz besser zum Betteln

Mit leiser Stimme antwortet er auf die Fragen von Amtsgerichtspräsident Ueli Kölliker. Er sei kein Gewohnheitsdieb, er sei nur ein Bettler, lässt der Rumäne die Dolmetscherin übersetzen.

Er müsse Frau und Kinder ernähren, zudem sei seine Mutter schwer krank. Eine Weile habe er mit seiner Familie in Frankreich gewohnt und seinen Lebensunterhalt erbettelt. Dort habe er auch seine Mittäter kennen gelernt. «Sie haben gesagt, in der Schweiz ist es besser zum Betteln.» Also sei er mit ihnen über die Grenze gereist.

Es folgte die Serie von Einbruchdiebstählen; den Anfang machte jener in Luterbach. Wie der Angeklagte berichtet, fuhren die Täter stets mit einem Privatfahrzeug zum Firmengelände, verschafften sich gewaltsam Zutritt zum Gelände und beluden Firmenfahrzeuge mit dem Diebesgut.

Sie seien spontan auf die Idee gekommen, bei der Menz AG einzubrechen, sagt Radu P. Mindestens seine Mittäter jedoch verfolgten anscheinend ein klares Ziel. Denn nach dem Diebstahl in Luterbach fuhren sie nach Süddeutschland, wo sie die Ware einem Hehler verkauften.

Seine Beteiligung an den weiteren Einbrüchen hatte P. nur zum Teil gestanden und auch erst, so Richter Ueli Kölliker, nachdem er erfahren hatte, dass seine DNA-Spuren an den Tatorten gefunden worden waren.

Wie gross der Schaden ist, den die Rumänen angerichtet haben, zeigten die Zivilklagen der fünf betroffenen Firmen, die sich insgesamt auf über 360’000 Franken beliefen. Eine immense Summe im Vergleich zu den 1000 Euro, die Radu P. nach eigenen Aussagen beim Diebstahl in Luterbach «verdient» hat.

Quittung: Unbedingte Haftstrafe

Welche Rolle P. in der Bande eingenommen hat, bleibt unklar. «Ich habe gemacht, was die anderen mir gesagt haben.» Was bleibt, ist eine lange Liste an Tatbeständen, ergänzt durch ein ansehnliches Vorstrafenregister.

Auch der Verteidigerin bleibt nichts anderes, als im Plädoyer aufzuzählen, wofür ihr Mandant angemessen zu bestrafen sei. Lediglich die Banden- und Gewerbsmässigkeit der (teils versuchten) Diebstähle bestreitet sie und versucht so, die von Staatsanwalt Toni Blaser geforderten 30 Monate Haft auf deren 12 zu reduzieren.

Jedoch erfolglos, das Amtsgericht verurteilt P. zu einer unbedingten Haftstrafe von 29 Monaten. Die Strafmilderung um einen Monat ergab sich aus einem Freispruch. Der Beschuldigte hatte bestritten, einen Einbruch in Dietikon begangen zu haben.

Das Gegenteil hatte ein Mittäter behauptet. Wie Staatsanwalt Toni Blaser bemerkte, fand aufgrund eines formalen Fehlers der Aargauer Staatsanwaltschaft nie eine Konfrontation zwischen den Tätern statt, womit die belastenden Aussagen nicht verwertet werden durften.

* Namen der Redaktion bekannt