«Es gilt, einen 96-jährigen Betrieb zu verteidigen», bekräftigte Unia-Gewerkschaftssekretär Jesus Fernandes vor den Toren des Bosch-Hauptsitzes. Vertreter anderer Bosch-Standorte sprachen ihre Solidarität aus. Die Proteste wurden von Sicherheitskräften überwacht.

«Keine nennenswerten Ergebnisse»

Hinter verschlossenen Türen traf sich eine sechsköpfige Delegation der Betriebs- und der Angestelltenkommission von Scintilla mit Uwe Raschke, Mitglied der Geschäftsführung von Bosch. Begleitet wurde die Delegation von Ständerat Roberto Zanetti (SP/SO).

Raschke sollte eine Petition mit über 13 000 Unterschriften übergeben werden. Ziel der Petition: Abkehr von den Schliessungsplänen in Zuchwil oder zumindest ein einjähriges Moratorium.

Scintilla-Mitarbeiter protestieren in Stuttgart gegen Schliessung

Scintilla-Mitarbeiter protestieren in Stuttgart gegen Schliessung

Nach den Verhandlungen trat der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Alfred Löckle, kurz nach Mittag vor die Medien. «Die Gespräche haben zu keinen nennenswerten Ergebnissen geführt», teilte Löckle mit. Einen kleinen Erfolg konnte er dennoch vermelden, wenn er beifügte: «Die Konsultationsfrist ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden, damit genügend Zeit bleibt, um Vorschläge auszuarbeiten.»

Zu den weiteren Zugeständnissen von Bosch zählt laut der Unia, dass die inhaltlichen Gespräche nun «unverzüglich aufgenommen und ergebnisoffen geführt» werden.  Solange diese Gespräche laufen, würden keine Abbau- und Auslagerungsschritte eingeleitet und umgesetzt.

Kahlschlag in Zuchwil

Im November gab Bosch bekannt, dass bis Mitte 2016 bei Scintilla in Zuchwil 330 von 625 Stellen verschwinden. Die Produktion von Elektrowerkzeugen für Holz- und Oberflächenbearbeitung soll nach Ungarn verlagert werden, die Entwicklungsabteilung nach Deutschland.

Es rechne sich wirtschaftlich nicht mehr, in der Schweiz zu produzieren. Bosch ist mit über 306 000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von 52 Milliarden Euro eines der grössten Industrieunternehmen Europas. Scintilla gehört seit 1954 zum deutschen Konzern.

Kampfmassnahmen werden zum Thema

Bereits morgen Dienstag findet in Zuchwil die zweite Betriebsversammlung der Scintilla-Belegschaft statt. Das Haupttraktandum werden allfällige Kampfmassnahmen sein, wie die Unia in einer Mitteilung schreibt.

Zur Diskussion und Beschlussfassung stehe «der Antrag der Angestellten- und Betriebskommission an die Unia, bis am 15. Januar 2014 die Ergreifung von Kampfmassnahmen gegen den Arbeitsplatzabbau und die Produktionsauslagerung vorzubereiten». (sva/fs/esf)