2012 hatte Von Roll beschlossen, in Breitenbach in die Modernisierung der Fabrikanlagen und in eine neue Fabrik zu investieren. Rund 25 Millionen Franken flossen seither in neue Gebäude, Anlagen und weitere Projekte. Der Traditionsstandort sei jetzt top ausgerüstet – «State of the Art», wie Stefan Finckh, Standortleiter der Von Roll Schweiz AG, sagt. Der Masterplan Phase I sei zu 98 Prozent abgeschlossen. Ende Jahr wird das alte 16 800 Quadratmeter grosse Gelände, das Nordareal, verkauft. Das ganze Areal misst 180 000 Quadratmeter.

Was Von Roll hier macht, ist buchstäblich hoch spannend: Es sind Isoliermaterialien, die in Stromgeneratoren, Hochspannungsmaschinen und in der Kabelindustrie Verwendung finden. Die Wicklungen, in deren Kupferdrähten sehr hohe Ströme fliessen, müssen sehr gut isoliert sein. Noch immer ist das wichtigste Material der Glimmer – ein Gesteinsmineral, welches auch im Granit vorkommt. Hier wird der Glimmer so bearbeitet, dass eine Pulpe entsteht, die zu Glimmerpapier verarbeitet wird. Danach wird das Glimmerpapier mit einem Trägermaterial, meist Glasfaser, zu Folien laminiert. Anschliessend werden die Folien in Bänder geschnitten, womit Kupferdrähte umwickelt werden können. Gemäss Finckh entsprechen die neuen Anlagen höchsten Anforderungen, auch bezüglich Prozesssicherheit und Umweltstandards.

Viel Fachwissen in Breitenbach

In Breitenbach zählt Von Roll aktuell 355 Vollzeitstellen, etwas weniger als im Vorjahr. Der Grund, warum in Breitenbach investiert worden sei, liege beim vorhandenen Know-how. «Es geht um sehr komplizierte Prozesse, und wir haben hier die Fachkräfte, die das beherrschen.» In Breitenbach ist auch die globale Entwicklung von Isolationsprodukten angesiedelt; es sind dies das Hochspannungslabor, das Chemieanalyselabor, das Pilotlabor für neue Produkte und das Applikationslabor, in welchem kleinmassstäbliche Modellanlagen für Isolationssysteme nachgebildet werden.

Das Material müsse aus mehreren Gründen sehr gut sein. Erstens kommt es in sehr grossen, teuren Anlagen zur Anwendung. Da wird eine sehr hohe Zuverlässigkeit verlangt. Dank Von-Roll-Isoliermaterialien wiesen die Generatoren eine lange Lebensdauer auf. «Und sie laufen 7 mal 24 Stunden», sagt Finckh. «Wir sind zwar nur ein Mosaikbaustein in diesen Anlagen, aber ein wichtiger.»

Grosse Sorgen bereitet Finckh der starke Franken. Ein grosser Teil der Produktion geht in die EU. «Dort hatten wir mit einem Schlag 10 bis 15 Prozent weniger Einnahmen.» «Und die Schweizer Kunden verlangten sofort einen Euro-Rabatt, weil sie doch in den Euroraum exportierten . . .» Von Roll ist auch in Indien präsent. Produziert wird Lackdraht, glasumsponnener Draht sowie Spulen. Aus Effizienzgründen wurden dort drei Betriebe zu einem zusammengelegt (wir berichteten). In Deutschland und Frankreich werden Verbundwerkstoffe hergestellt, etwa für Turbogeneratoren, die Flugzeugindustrie (Airbus) und Maschinenbauer.

Weltweit 2200 Beschäftigte

Von Roll ist Marktführerin für elektrische Isolationsprodukte. Der Konzern erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 419 Millionen und erlitt einen Verlust von 90 Millionen Franken. Weltweit beschäftig die Gruppe, auf Vollzeitstellen umgerechnet, rund 2200 Mitarbeitende. Das defizitäre Transformatorengeschäft wurde 2014 veräussert. Die Familie von Finck verfügt mit einem Aktienanteil von 67,4 Prozent über die Stimmenmehrheit.