In der Küche der Regiomech in Zuchwil geht es zu und her wie in einem Bienenhaus. 400 Mittagessen müssen vorbereitet und 300 davon pünktlich an verschiedene Orte ausliefern werden.

Der Gastrobereich ist nur einer von vielen Ausbildungs- und Integrationsbereichen der Regiomech. «Im hinteren Gebäude ist die Logistik untergebracht», sagt der Geschäftsführer Ignaz Moser. Zudem befinde sich dort eine Holzwerkstatt für Menschen, welche bei der IV in Abklärung seien und für Migranten, welche unter Traumata leiden.

Auch im vorderen Gebäude sind verschiedene Ausbildungsangebote untergebracht: Im zweiten Stock befindet sich der lebhafte Gastrobereich – im ersten Stock ist es dagegen sehr still. Drei Klassenzimmer sind mit 42 Schülern bis auf den letzten Platz besetzt. «Hier absolvieren junge Erwachsene aus dem Migrationsbereich das Jugendprogramm», erklärt Moser. Während eines Jahres bereite man Schüler auf eine Berufslehre vor. Dabei gehe es nicht nur um Wissen, sondern auch um die Sprache. «Zudem unterstützen wir sie im Berufsfindungsprozess.» Im Erdgeschoss sind die manuelle Fertigung und die Mechanik untergebracht.

Bei der Regiomech werden zurzeit 250 Teilnehmer ausgebildet. Etwa 70 Prozent seien von den Sozialen Diensten zugewiesen und je etwa 15 Prozent vom RAV und der IV. «Mindestens drei Viertel aller Teilnehmer haben einen Migrationshintergrund», sagt Moser. Nur wenige von ihnen würden über eine abgeschlossene berufliche Ausbildung verfügen, etliche haben keine schulische Bildung. Wiederum andere haben Moser zufolge einen Hochschulabschluss. Sprich: Biografien und Bedürfnisse sind sehr unterschiedlich.

Integration als oberstes Ziel

Die Regiomech wird durch drei Hauptauftraggeber finanziert: die Sozialhilfe, die Arbeitslosenversicherung und die kantonale IV-Stelle. Mit allen drei dafür zuständigen Institutionen bestehen Leistungsvereinbarungen. Hauptziel des Auftrages sei immer, die zugewiesenen Personen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sie darauf vorzubereiten und dafür zu qualifizieren. «Wir wollen, dass diese Personen langfristig für ihren Lebensunterhalt sorgen können.» Laut Moser werden zurzeit 70 Prozent der Teilnehmenden vermittelt.

«Besonders erfolgreich ist das erwähnte Jugendprogramm, dass junge Erwachsene in eine Lehrstelle und damit nachhaltig in den Arbeitsmarkt vermittelt.» Von der Regiomech profitieren die Teilnehmenden Moser zufolge auf vielen Ebenen: «Sie werden auf eine Lehre vorbereitet, lernen Deutsch, sind beschäftigt und lernen die hiesige Arbeitskultur kennen».

Selbstverständlich klappe eine Integration trotz aller Anstrengungen nicht bei allen. Die Gründe dafür seien ganz unterschiedlich: fehlende Motivation, gesundheitliche Einschränkungen oder andere persönliche Umstände. Das Wichtigste für eine erfolgreiche Integration seien die Motivation, zu arbeiten, die Bereitschaft, sich den wachsenden Anforderungen des Arbeitsmarktes zu stellen und die Akzeptanz, dass nicht alle Erwartungen und Wünsche erfüllt werden können.

Die Regiomech damals und heute

1992 haben sich die Gemeinden für die Errichtung einer Qualifizierungswerkstatt für Arbeitslose in Solothurn ausgesprochen. Als Trägerschaft wurde die Regionalplanungsgruppe Solothurn und Umgebung, heute Repla Espace Solothurn gewählt. Im Juli 1997 erfolgte der Umzug nach Zuchwil. Die Regiomech begann, Menschen vor allem in den Bereichen Mechanik und Montage auszubilden. Zudem habe man die Teilnehmer für gemeinnützige Arbeit eingesetzt. «Sie haben Wanderwege oder öffentliche Plätze saniert», sagt Moser.

Mit dem Umzug nach Zuchwil wurde auch eine Kantine eröffnet. Ab 2006 sei der Gastrobereich stark gewachsen. Später wurde die Zusammenarbeit mit der kantonalen IV-Stelle intensiviert und das damalige «Migrationsprojekt» gestartet. Die Arbeit mit Personen aus dem Asylbereich, die seit rund vier Jahren auch das Jugendprogramm umfasst, mache inzwischen rund die Hälfte des Regiomech-Angebotes aus. Was sich in diesen Jahren bei der Regiomech am meisten verändert hat? «Ich würde sagen, es hat eine Diversifikation stattgefunden.»

Insbesondere der Bildungsbereich sei wichtiger geworden, und dieser Bedarf werde auch in Zukunft weiter zunehmen. Es sei der einzige Weg, um junge Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. «Bei älteren Personen hingegen wären Nachholbildungen direkt in den Betrieben das Richtige – wie das zum Beispiel die Fraisa SA in Bellach anbietet», so Moser. Zukünftig sieht er noch viel Potenzial im Pflegebereich. Moser möchte eine auf die Pflege zugeschnittene Vorlehre anbieten.

Aus seiner Sicht gehe die Regiomech noch zu wenig auf die individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen ein. «Wir haben zumindest teilweise ein ‹08/15-Angebot›», sagt er selbstkritisch. Einige Teilnehmer bräuchten ihm zufolge nur ein Jobcoaching, während für andere vorerst eine geregelte Tagesstruktur wichtig sei. Diese Herausforderungen seien aber erkannt, und man wolle sich diesen stellen.

Tag der offenen Tür: Freitag, 14. September, www.regiomech.ch