Über den Namen der Veranstaltung könne man mit ihr diskutieren, so die Präsidentin der CVP Kanton Solothurn Sandra Kolly. Die Veranstaltung – das war Nominationsversammlung für die bevorstehenden National- und Ständeratswahlen am Mittwochabend in Oensingen. So steht es zumindest auf der Einladung. Man könne aber auch von «Wahl-Kickoff» sprechen, so Kolly. Denn: Die Nationalratskandidaten wurden nicht mehr nominiert, da die Kantonalpartei ihre Listen schon eingereicht hat. Zu rütteln war an der Kandidaten-Aufstellung nicht mehr. Kolly sprach den Punkt gleich zu Beginn der Versammlung an und wollte wissen, ob es denn Wortmeldungen zum Thema gab. Es blieb still im Saal, wo sich rund 160 Delegierte eingefunden hatten.

Die Präsidentin betonte, wie schon zuvor, es sei Knochenarbeit, Kandidaten zu finden – und es sei der Partei wichtig, mit möglichst tiefen Listennummern zu starten. Aufgrund der frühen Abgabe tut die Partei das nun – mit den Listennummern 2 bis 5. Vier Listen reichen CVP und Junge CVP ein. «Wir wollen mit möglichst vielen Köpfen starten», so Kolly. So wolle die CVP ihren Sitz im Nationalrat halten und das gewinnen, was sie über die letzten Jahrzehnte verloren hat: Wähleranteil.

Bischof tritt nochmal an

Dafür treten nun 24 Kandidaten an. Darunter der bisherige Nationalrat Stefan Müller-Altermatt, der den Sitz der Kantonalpartei in Bern verteidigen soll. Passend zur Familienpartei ist übrigens auch eines seiner Kinder auf der Liste der Jungen CVP.

Spürbar freute sich Kolly zudem über den Frauenanteil auf den Listen. «Erstmals in unserer Parteigeschichte schicken wir mehr Frauen als Männer ins Rennen», so die Präsidentin. Auf den beiden Listen der CVP stehen sechs Frauen, sechs Männer. Auf den beiden Listen der Jungpartei gar sieben Frauen, fünf Männer.

Eine Tatsache, die auch den Präsidenten der CVP Schweiz, Gerhard Pfister, beeindruckte, welcher der Versammlung beiwohnte. «7 Frauen – und das ohne Quote», kommentierte er die Listen der Jungpartei. Grundsätzlich bezeichnete er die Jungpartei als eine der organisiertesten der Schweiz. Zur ganzen Kantonalpartei meinte er: «Eure Sitze könnt ihr locker verteidigen», so Pfister. Nebst dem bisherigen Nationalrat Müller-Altermatt tritt nämlich auch der bisherige Ständerat Pirmin Bischof wieder an. Noch seien aber keine Stimmen gemacht, mahnte Pfister. Man werde kämpfen müssen.

Das führte auch Wahlkampfleiter Glenn Steiger aus. In den letzten 40 Jahren habe man jede Wahl verloren, stellte er fest. Die CVP kämpft derzeit aber auch mit ihrer Identität als Mittepartei. Man müsse wieder klarer Position beziehen, so Steiger. «Vielleicht sind wir in der Vergangenheit auch einen oder zwei Kompromisse zu viel eingegangen.» Dabei sei man etwa die Stimme der konstruktiven EU-Kritik.

Man müsse sich wieder klarer darüber werden, wofür man stehe – und diese Werte auch so vertreten. Und schliesslich habe man bei den Wahlen 2017 zum ersten Mal seit 36 Jahren wieder zulegen können – zumindest was den Wähleranteil angeht. «Diese Trendwende können wir 2019 nun fortsetzen.»