Amtsgericht Thal-Gäu
237 km/h und ohne Billett: Deutscher Raser erscheint nicht vor Gericht und wird zur Verhaftung ausgeschrieben

Ein deutscher Autofahrer raste im April 2014 ohne gültigen Ausweis und mit einer Geschwindigkeit von 237 km/h über die Autobahn A1 bei Oberbuchsiten. Nun musste er sich vor Gericht verantworten. Doch der Angeklagte glänzte mit Abwesenheit.

Erwin von Arb
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Hubert M.* hatte es am 3. April 2014 wohl besonders eilig. Der damals 39-jährige Münchner war an diesem Datum mit seinem Porsche auf der Autobahn A1 in Richtung Bern unterwegs, als er um 23.40 Uhr von einem bei Oberbuchsiten installierten Radargerät geblitzt wurde.

Nach Abzug der Toleranz von 7 km/h zeigte sich, dass Hubert M. die auf Schweizer Autobahnen zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h um rund 110 km/h überschritten hatte. Aufgerechnet heisst das, dass der Tacho im Porsche des Deutschen etwa 237 km/h angezeigt haben dürfte, als der Blitzer ausgelöst wurde.

Ohne Fahrausweis unterwegs

Für einen Schweizer hätte eine solch massive Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit gemäss der geltenden Rasergesetzgebung die Beschlagnahmung des Fahrzeugs, den Ausweisentzug für mindestens zwei Jahre sowie eine Gefängnisstrafe von mindestens einem Jahr zur Folge.

Denn in der Schweiz gilt als Raser, wer in einer Tempo-30-Zone mit über 70 km/h fährt oder mit mehr als 200 km/h auf der Autobahn. Zu einer Beschlagnahmung des Autos von Hubert M. kam es aber nicht, weil der Mann nach dem Blitzer in Oberbuchsiten das Land unbehelligt wieder verlassen konnte.

Auf Nachfrage bei den zuständigen deutschen Behörden stellte sich zudem heraus, dass Hubert M. während seines Raserdelikts auf der A1 über keinen gültigen Fahrausweis verfügte. Dieser war ihm für den Zeitraum vom 23. Juli 2013 bis zum 12. Mai 2015 entzogen worden. Nicht zuletzt deshalb zog es Hubert B. wohl vor, nicht zum Gerichtstermin vor dem Amtsgericht Thal-Gäu in Balsthal zu erscheinen.

Dort hätte er sich wegen qualifizierter grober Verletzung der Verkehrsregeln durch Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn sowie wegen Führen eines Motorfahrzeuges ohne Führerausweis verantworten sollen. Anstelle von Hubert M. erschien der Zürcher Rechtsanwalt Friedrich Frank vor Gericht.

Auf Nachfrage von Amtsgerichtspräsident Guido Walser erklärte der als Korrespondenzanwalt für einen Münchner Anwalt auftretende Jurist, dass Hubert M. landesabwesend sei. Damit sei gemeint, dass sein Mandant sich nicht in der Schweiz, sondern in Deutschland befinde. Amtsgerichtspräsident Guido Walser folgerte daraus, dass der Angeklagte wohl auch einem neuen Gerichtstermin mit derselben Erklärung fernbleiben würde.

Verteidiger vermisst Beweise

Weil es gemäss geltender Gesetzgebung bei der ersten Gerichtsverhandlung noch unzulässig ist, den Beschuldigten in Abwesenheit zu verurteilen oder freizusprechen, stellte Staatsanwalt Claudio Ravicini den Antrag, die Verhandlung auszusetzen und einen neuen Termin zu veranschlagen.

Ravicini stellte fest, dass sich Hubert M. beharrlich der Justiz entziehe. «Es besteht Fluchtgefahr, deshalb muss er zur Verhaftung ausgeschrieben werden», so der Staatsanwalt. Zudem sei mit Blick auf den nächsten Gerichtstermin erforderlich, bei den deutschen Behörden einen Vorstrafenbericht aus Flensburg von Hubert M. anzufordern.

Rechtsanwalt Friedrich Frank nahm von den Anträgen des Staatsanwalts Kenntnis und erwähnte, dass es keine Beweise für die Anschuldigungen seines Mandanten gebe. Auf weitere Ausführungen zum Fall verzichtete Frank.

Genügt der Radar-Fotobeweis?

Nach kurzer Beratung gab Amtsgerichtspräsident Guido Walser bekannt, dass dem Antrag, Hubert W. zur Verhaftung auszuschreiben, stattgegeben werde. Bei der nächsten Verhandlung, welche auf Nachfrage beim Gericht etwa in zwei Monaten stattfinden wird, könnte der Deutsche übrigens für die erwähnten Delikte verurteilt werden, sofern er denn überführt werden kann.

Die besten Chancen, ungeschoren davonzukommen, hat der deutsche Raser wohl, wenn er wieder nicht zum Gerichtstermin erscheint. Dann könnte die Person, die auf dem Beweisfoto aus der Radarfalle zu sehen ist, nicht mit dem Angeklagten verglichen werden. Ausser die Staatsanwaltschaft hat noch weitere Asse im Ärmel, die sie bei Bedarf zücken kann.

*Name von der Redaktion geändert