Amtsgericht Thal-Gäu

21-Jähriger nach Frontalkollision gestorben: Lieferwagen-Lenker wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Im Januar 2016 kam es auf der Hauptstrasse zwischen Oberbuchsiten und Egerkingern zu einer Frontalkollision. Der 21-jährige PKW-Lenker erlag seinen Verletzungen. Der Unfallverursacher wollte das Strafmass nicht akzeptieren und ging vor Gericht.

Fast vier Jahre sind vergangen, seit ein damals knapp 22-jähriger Mann auf dem Weg zur Arbeit bei einem tragischen Autounfall auf der T5 zwischen Egerkingen und Oberbuchsiten sein Leben verlor. Es war fahrlässige Tötung, bestätigte am Dienstag das Amtsgericht Thal-Gäu den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft gegen den Fahrer des Lieferwagens, der die Frontalkollision verschuldet hatte. Dieser sei auf der vereisten Strasse zu schnell gefahren und habe deshalb die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren.

Jahr für Jahr, Nacht für Nacht und bei jedem Wetter lieferte der heute 55-jährige Chauffeur Waren am Jurasüdfuss und im Thal aus. Nie hatte er sich dabei etwas zu Schulden kommen lassen. Bis an jenem verhängnisvollen 18. Januar 2016. Mindestens zehn Grad unter null war es damals und die Strassenverhältnisse mehr als nur prekär. Kurz nach sechs Uhr beschleunigte der Chauffeur bei der Ortsausfahrt in Oberbuchsiten leicht – nach eigenen Angaben auf etwa 65 Stundenkilometer. Dabei brach das Heck des mit mehr als einer Tonne überladenen Lieferwagens aus. Die Frontalkollision mit dem korrekt aus Egerkingen entgegenkommenden Kleinwagen war unvermeidlich.

Fahrlässige Tötung: Bei Glatteis tödlichen Unfall verursacht

Fahrlässige Tötung: Bei Glatteis tödlichen Unfall verursacht

Vor vier Jahren verlor der Lenker eines Lieferwagens auf der eisigen Strasse in Oberbuchsiten die Kontrolle über sein Fahrzeug. Der Wagen prallte frontal in ein Auto. Der 21-jährige Insasse kam dabei ums Leben. Der Unfallverursacher stand am Dienstag erneut vor Gericht. Dieses bestätigte den bestehenden Strafbefehl.

Langsamer fahren als einzige Option

Der Unfallexperte liess bei seinen Schilderungen vor Gericht keine Zweifel offen: «Die Rekonstruktion hat ergeben, dass der Kollisionsbereich eindeutig auf der Fahrspur des Ford Fiesta lag.»

Auf der vereisten Fahrbahn sei der überladene Lieferwagen zu schnell unterwegs und nicht mehr kontrollierbar gewesen. Anhand der leichten Neigung der vereisten Strasse, so der Experte, lasse eine Radlastverlagerung, wenn man beschleunigt, das Heck sehr rasch ausbrechen.

«Wie wäre der Unfall zu vermeiden gewesen?», fragte Rechtsanwältin Franziska Ryser-Zwygart, die den Chauffeur verteidigte, den Experten. Dessen kurze Antwort machte klar, dass ihr Mandant den Strafbefehl besser akzeptiert hätte, statt vor Gericht zu gehen: «Die einzige Möglichkeit, das Ausbrechen des Hecks zu verhindern, wäre gewesen, an dieser Stelle langsamer zu fahren.» Mit diesen Worten beseitigte der Experte jeden Zweifel daran, wer die Schuld am folgenschweren Unfall trug.

Trotzdem suchte die Verteidigerin in ihrem Plädoyer die Schuld an allen möglichen Orten: Der Winterdienst habe schlecht gearbeitet, der Kanton hätte die vereiste Strasse sperren müssen, das Opfer sei statistisch betrachtet an seinem Tod zu 50 Prozent selbst schuld, weil es den Gurt nicht trug. Ein Eisblock auf der Fahrbahn habe vielleicht das Ausbrechen des Hecks verursacht und sogar die ausserorts fehlende Strassenbeleuchtung musste herhalten, weil man deshalb den Zustand der Strasse nicht einschätzen konnte, so die Verteidigerin.

Chauffeur hatte die Lage erkannt

Amtsgerichtsstatthalterin Barbara Steiner konnte diesen Argumenten nicht folgen und sie zitierte in der mündlichen Urteilsverkündung aus den Einvernahmen des angeklagten Chauffeurs. Der hatte nämlich ausgesagt, dass er um vier Uhr morgens von der Autobahn aus durch Egerkingen zum Gäupark gefahren war.

Weil der Zustand der vereisten Strassen in dieser Region so schlecht gewesen sei, habe er sich entschieden, zwei Kunden in Egerkingen später zu beliefern. «Er stellte seine Tour um und fuhr zunächst ins Thal. Der Beschuldigte hatte somit die aussergewöhnlichen Strassenverhältnisse erkannt», sagte die Amtsgerichtspräsidentin. Es sei unerklärlich, warum er nur zwei Stunden später in derselben Region so schnell fuhr.

Verfahrenskosten zu Lasten des Unfallverursachers

Das Gericht verurteilte den Beschuldigten wegen fahrlässiger Tötung zu einer bedingt ausgesprochenen Strafe von 90 Tagessätzen à 70 Franken und wegen des überladenen Lieferwagens zu einer Busse von 2200 Franken.

Zudem muss er die Verfahrenskosten von über 20000 Franken bezahlen. Die einzige Änderung gegenüber dem Strafbefehl ist eine auf zwei Jahre verkürzte Bewährungsfrist. Diese begründete die Richterin mit der Verfahrensdauer von weit über drei Jahren, die sie angesichts des wenig komplizierten Sachverhalts als «unerklärlich» bezeichnete.  

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