Music was my first love.

Ein Samstagabend im Herbst: Ich höre die Liveübertragung eines Fussballmatches meines belgischen Lieblingsteams im Radio. Plötzlich sagt meine Frau: Es läuft schöne Livemusik im Fernsehen. Zwei Stimmen in mir fangen an, miteinander zu streiten: Die eine Stimme meint, dass ich mein Lieblingsteam nicht einfach im Stich lassen kann, während die andere Stimme fragt: War nicht Musik deine erste Liebe?

Weil meine Seele nicht ohne Musik sein kann, gehe ich neugierig vor den Fernseher sitzen. Der Künstler Westernhagen sagt mir als Schweizer mit belgischen Wurzeln nichts, aber sofort höre und sehe ich gespannt zu. Das MTV-Unplugged-Konzert gefällt mir. Ein Lied fesselt mich und geht mir tief unter die Haut. Das Zusammenspiel von Text, Rhythmus und Melodie hat es in sich. Noch am gleichen Abend lade ich das Lied herunter.
Ja, der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche hat recht: «Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.»

Liebe (um der Freiheit willen)

So heisst das Lied von Westernhagen. Es beginnt ruhig, aber in der Mitte des Liedes explodieren die Melodie und der Rhythmus und unterstützen damit den fulminanten Text:

«Steht zusammen und Gott wird
mit uns sein
Wir sind bereit zu sterben für
dieses grosse Ziel
Um der Freiheit willen –
was zuviel ist, ist zuviel
Und die Despoten, die geblendet
Von Macht, Selbstherrlichkeit und Geld
Sie sollen spüren, dass es nicht lohnt
nur zu denken an sich selbst
Demokratie, Demokratie für
alle Menschen dieser Welt
Brüder, Schwestern verbrennt
das ewige Gestern
Freiheit, Freiheit für alle Rassen,
für alle Kulturen
Für die Medien, für die Kunst
Für die Junkies, für die Huren
Freiheit, Freiheit
Für die Lesben, für die Schwulen
Freiheit, Freiheit
Für die Frauen
Für unsere Kinder
Liebe, Liebe, Liebe, Liebe …»

Der französische Schriftsteller Victor Hugo brachte die Kraft der Musik schon vor 200 Jahren auf den Punkt: «Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.»

An der Schwelle zum neuen Jahr ist es unmöglich, über Freiheit zu schweigen. Die Freiheit ist im Jahr 2016 unter Druck geraten. Die Angst vor dem Terror und den Folgen des Flüchtlingsstroms bedrohen die errungene Freiheit der westlichen Kultur.

Für viele Menschen auf anderen Kontinenten ist und bleibt Freiheit leider nur eine Sehnsucht, weil ein Diktator in ihrem Land wie in Syrien herrscht. Auch die innere Freiheit steckt in einer Krise: Leistungsdruck, Schönheitsideale und Perfektionismus diktieren den Alltag. 2017 verspricht auf den ersten Blick leider keine Verbesserung.

Let the music play

Und so begleitet mich das Lied «Liebe, um der Freiheit willen» seit diesem Herbst. Es erinnert mich an die zutiefst menschliche Sehnsucht nach Freiheit, es befreit mich von inneren Fesseln, es setzt Kräfte frei und ermutigt mich, 2017 für die Freiheit einzustehen.
Ja, ich bin mir sicher. Mein Vorsatz für 2017 lautet: Let the music play.