Insekten
2016 ist ein schlechtes Jahr für Wespen

Diesen Sommer gibt es deutlich weniger Wespen als 2015. Grund dafür sind der milde Winter und der kühle Frühling.

Manuela von Arx
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Sie lieben Süsses: Wespen bedienen sich gerne an unserem Esstisch. (Archiv)

Sie lieben Süsses: Wespen bedienen sich gerne an unserem Esstisch. (Archiv)

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Sie schwirren penetrant um den Kopf, setzen sich beim Essen auf den Teller und ihr Stich schmerzt unangenehm: Mit den warmen Temperaturen kommen uns auch die Wespen wieder vermehrt in die Quere. Im Vergleich zum Vorjahr ist der aktuelle Sommer allerdings ein «guter» Wespensommer, zumindest aus der Sicht des Menschen. Während 2015 ein Rekordjahr war, gibt es diesen Sommer deutlich weniger Wespen.

Das lässt sich mit dem milden Winter und dem kühlen Frühling begründen. «Bei wärmerem Wetter im Winter kommen die Wespenköniginnen früher als üblich aus ihrem Versteck, um ein neues Wespenvolk zu gründen», erklärt Manuel Wegmann, Geschäftsführer des Schädlingsbekämpfers Anticimex.

Viele Wespenköniginnen seien deshalb erfroren oder Bakterien und Pilzen zum Opfer gefallen. Der Frühling tat sein Übriges: «Im nassen und kühlen Frühling war weniger Nahrung vorhanden – zudem förderte die Nässe wiederum Krankheiten», sagt Wegmann.

Nur halb so viele Einsätze

Im letzten Jahr habe man rund 1000 Einsätze wegen Wespennestern gehabt, sagt er. Dieses Jahr sieht es anders aus: «Wir hatten bisher nur etwa halb so viele Wespen-Einsätze wie zur gleichen Zeit im Vorjahr.»

Grundsätzlich sollte ein Nest aber nur entfernt werden, wenn es unbedingt notwendig ist. Denn obwohl unbeliebt im Garten und auf dem Balkon: Wespen sind ein wichtiger Teil des ökologischen Gleichgewichts. Sie vernichten Insekten, die uns ebenso lästig sind: Fliegen, Mücken und Schädlinge im Garten. «Besonders Schmetterlingsraupen, wie der Weissling und die Eulenraupe, sind eine beliebte Beute der Wespen», erklärt der Insektologe Christoph Germann vom Naturmuseum Solothurn. «Da der Wespenstaat vom Frühjahr bis im August wächst, muss für den Nachwuchs viel Nahrung besorgt werden», führt er weiter aus. «Da werden im grossen Stil Raupen vertilgt, das ist dem Menschen natürlich dienlich.»

Nicht alle Wespen sind gefährlich

Germann weist darauf hin, dass ohnehin nur zwei Wespenarten dem Menschen gefährlich werden können: «Die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe sind die zwei Arten, mit denen der Mensch in Konflikt kommt.» Andere dagegen seien völlig harmlos und nicht aggressiv. «Hornissen beispielsweise sind sehr friedliebend. Ihr Stich ist nicht gefährlicher als derjenige einer Wespe.»

Doch wie hält man sich die Wespen der lästigen Sorte vom Leib? Von Hausmitteln wie Fünfräppler auf den Tisch legen oder ätherischen Ölen hält Germann nicht besonders viel: «Bei Wespen ist das nicht effektiv.» Laut ihm gibt es zwei wirksame Methoden. Die erste ist eine spezielle Falle, bei der die Wespen in einen Behälter mit Flüssigkeit gelockt werden. Dort drin ertrinken die Insekten. «Das ist die weniger nette Variante», sagt Germann dazu. Er bevorzugt die zweite Methode: Er stellt einfach einen kleinen Teller mit Essen etwas entfernt vom Gartentisch hin. «So hat man dann meistens seine Ruhe», sagt Germann.

Friedliches Zusammenleben

Ohnehin plädiert der Zoologe für ein friedliches Nebeneinander, sofern es möglich ist: «Wenn man beispielsweise im Rasen ein Nest im Boden entdeckt, kann man ja eine Markierung anbringen, wie beispielsweise mit einem Fähnchen oder Absperrband, und den Bereich meiden» Das mache es für beide Seiten einfacher. Wenn im Herbst die tiefen Aussentemperaturen kommen, stirbt der Wespenstaat ohnehin ab. Nur die Königinnen überleben. «Die Wespen kehren im nächsten Frühling nicht wieder in das alte Nest zurück», so Germann.

Persönlich hat er keine Abneigung gegen die stechfreudigen Insekten: «Die Wespe ist ein soziales Insekt, das einen Staat gründet. Das ist doch bemerkenswert und etwas Positives.»