Eheschliessungen
2015 wurde im Kanton Solothurn leicht weniger geheiratet als im Vorjahr

Im vergangenen Jahr gaben sich 1087 Paare im Kanton Solothurn das Jawort. Vergleicht man das mit dem Vorjahr, sind es rund 100 Ehepaare weniger. Mittelfristig ist die Zahl jedoch konstant

Lucien Rahm
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Wie sie traten 2015 1087 Paare vor den Altar, um sich das Jawort zu geben.

Wie sie traten 2015 1087 Paare vor den Altar, um sich das Jawort zu geben.

Oliver Menge

Im vergangenen Jahr gaben sich 1087 Paare im Kanton Solothurn das Jawort. Somit wurden 2015 leicht weniger Ehen geschlossen, als noch 2014, als 1145-mal geheiratet wurde.

Alles in allem ist die Anzahl jährlicher Heiraten im Kanton jedoch relativ konstant: 2013 kam es zu 1063 Eheschliessungen, 2012 zu 1166, im Jahr davor wurde 1135-mal «Ja» gesagt, 2010 ganze 1201-mal.

Ebenso ist das Durchschnittsalter der erstmals Heiratenden über diesen Zeitraum hinweg stabil: Solothurner sind im Schnitt rund 32 Jahre alt, Solothurnerinnen etwas über 29.

Auch im Zivilstandskreis Oberaargau hat die Anzahl neu geschlossener Ehen etwas abgenommen: Waren es 2014 noch 372 standesamtliche Trauungen, konnten im vergangenen Jahr noch 292 gezählt werden.

Das sind immer noch mehr als 2013, als es zu 286 Eheschliessungen kam. In den drei Jahren davor schwankte die Zahl zwischen 322 und 356. Rund 70 Prozent davon sind Eheschliessungen zwischen Schweizer Staatsangehörigen, bei 25 Prozent der Trauungen ist ein Teil des Paares ausländischer Herkunft. Fünf Prozent der Heiraten werden somit zwischen ausländischen Mitbürgern geschlossen (Referenzjahr 2014).

Die Solothurner und Oberaargauer Zahlen entsprechen der schweizweiten Entwicklung. Seit 1995 heiraten laut dem Bundesamt für Statistik jährlich konstant um die 40 000 Paare.

Im Verhältnis zur Bevölkerung, die stetig gewachsen ist, ist die Zahl verheirateter Schweizerinnen und Schweizer jedoch seit 1970 deutlich, diejenige der Ausländerinnen und Ausländer leicht zurückgegangen. Auch die Anzahl Scheidungen nimmt jedoch seit 2010 ab, was zu einer längeren Ehedauer führt.

Seit 2007 ist es in der Schweiz zudem gleichgeschlechtlichen Paaren möglich, eine behördlich registrierte, offizielle Verbindung einzugehen. Von dieser Möglichkeit der «eingetragenen Partnerschaft» wird sowohl im Kanton Solothurn (seit 2010 jährlich 9 bis 16 eingetragene Partnerschaften) als auch im Oberaargau (seit 2010 eine bis 6 pro Jahr) Gebrauch gemacht.

Schweizweit kommen jährlich rund 700 eingetragene Partnerschaften zustande. Trotz gewisser Nutzung sei das Modell aber nicht gänzlich zufriedenstellend, sagt Bastian Baumann, Geschäftsleiter der schweizerischen Schwulenorganisation Pink Cross: «Im Vergleich zur Ehe weist die eingetragene Partnerschaft über 20 Unterschiede auf.»

So ist es beispielsweise eingetragenen Partnern nicht möglich, einen gemeinsamen Nachnamen zu führen oder ein Kind zu adoptieren, was hingegen als alleinstehende homosexuelle Person möglich ist.

Dass Homopaare dereinst auch Ehen eingehen können, ist Ziel einer parlamentarischen Initiative der Grünliberalen, die derzeit im Bundesparlament hängig ist. Diese Bestrebungen seien jedoch derzeit durch die CVP-Initiative «Heiratsstrafe abschaffen» bedroht, welche im Februar vors Volk kommt.

«Für uns ist das eine grosse Gefahr», so Baumann. Die Initiative sieht vor, Ehe- und Konkubinatspaare steuerlich gleichzusetzen, was bislang nicht der Fall ist. Umstritten ist dabei die gewählte Formulierung zur Definition der Ehe im vorgesehenen Verfassungsartikel: Diese wird explizit als Verbindung zwischen Mann und Frau festgelegt.

«Das stellt viele Leute vor die Wahl, ob sie auf eine Steuerreduzierung zugunsten der homosexuellen Menschen verzichten wollen, oder nicht», kritisiert Baumann die Vermischung des steuerpolitischen Anliegens mit der Frage der Eheöffnung. Das sei diskriminierend.

Dem sei nicht so , sagt Stefan Müller-Altermatt, Solothurner CVP-Nationalrat und Mitglied des überparteilichen Pro-Komitees: «Wir haben uns beim Ehebegriff an der Definition der Europäischen Menschenrechtskonvention orientiert.»

Die Initiative habe nicht zum Ziel, eine bestimmte Form des Zusammenlebens festzuschreiben. Doch sei es auch nicht Aufgabe einer Steuerinitiative, im Bereich der Ehe Änderungen vorzunehmen.

«Die Ehe für alle muss auf anderem Weg erreicht werden.» Für die entsprechende Diskussion zeige er sich offen, so Müller-Altermatt. Zudem würden bei Annahme der Initiative auch eingetragene Partnerschaften steuerlich bessergestellt.