Eine fast ausschliessliche Herrenrunde begrüsste Verwaltungsratspräsident Ulrich Bucher am Dienstag anlässlich der Generalversammlung des Busbetriebs Solothurn und Umgebung (BSU) im «Uferbau». «Dabei ist doch die Mehrheit der öV-Benutzer weiblich», ergänzte er schmunzelnd.

Ungeachtet der Geschlechterfrage zählten im Rückblick aufs Geschäftsjahr 2015 aber vor allem die kumulierten Kennzahlen: So wurden mit 6'523'000 Passagieren rund 71'000 Personen oder 1,1 Prozent mehr befördert als noch im Vorjahr. Nebeneffekt: Mit Zähneknirschen wurde die Zunahme der Schwarzfahrer von 2,9 auf 3,2 Prozent zur Kenntnis genommen.

Bei Ausgaben von 18,82 Mio. und Einnahmen von 18,98 Mio. liegt der Betriebsgewinn bei rund 158 000 Franken. Der positive Rechnungsabschluss ist laut Angaben des Geschäftsberichts nicht zuletzt auf die tiefen Dieselpreise zurückzuführen. «Der BSU erzielt damit ein solides Ergebnis», so Bucher. Zwar sei der Betriebsgewinn nicht berauschend hoch. «Es ist aber auch nicht Aufgabe eines öffentlichen Betriebs, ein solches Ergebnis anzustreben.»

Positiv auf die Rechnung wirken sich auch wirtschaftliche Entwicklungen in der Region aus: «Die Wirtschaft soll Arbeitsplätze in der Peripherie schaffen – so wie Biogen.» Dass in der Debatte um den Verkehr Grabenkämpfe zwischen dem öffentlichen Verkehr und dem motorisierten Individualverkehr geführt werden, beurteilte Bucher als wenig sinnvoll. «Auch wenn der öV schlechtere Karten zu haben scheint: Zu Stosszeiten sind beide Systeme überlastet. Deshalb gibt es nur ein ‹Zusammen›.»

Wandel in einer steten Branche

BSU-Direktor Fabian Schmid stimmte in den Grundtenor ein. «Stabil und zuverlässig» sei die Situation, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich der Busbetrieb in einer risikoarmen Branche bewege. «Das heisst auch, dass Richtungsänderungen langsamer vonstatten gehen.» Dem Wandel entzieht sich der BSU aber keinesfalls: Der Personalbestand wuchs 2015 um 5 auf 115 Angestellte. Und im vergangenen Jahr wurde das Streckennetz um 3,3 Kilometer länger, umfasst nun gesamthaft 133,3 Kilometer.

Neu ist die Erweiterung der Linie 2 ab Gerlafingen bis Wiler Bahnhof. Und auch fürs aktuelle Jahr gibts einen Netz- und Fahrplanausbau zu vermelden. Der BSU hat für die RBS den Betrieb auf den Linien Bätterkinden–Koppigen sowie Bätterkinden–Lohn übernommen. Verdichtet wurde der Abendkurs der Linie 8 zwischen Solothurn und Arch. Auf der Linie 16 (Subingen–Steinhof) fährt ein zusätzlicher Schülerkurs. Unumgänglich werde künftig aber auch eine Verteuerung der Tarife innerhalb des «Libero»-Verbundes. Schmid kündigte eine voraussichtliche Preissteigerung von drei Prozent an.

Weitere mittelfristig anstehende Massnahmen gehen aus einer Kundenzufriedenheitsstudie hervor, die der BSU 2015 lanciert hat und die mit 73 von 100 möglichen Punkten auf hohem Niveau, aber leicht im Sinken begriffen ist: So wird für 2017 die Ersatzbeschaffung von Fahrzeugen in Erwägung gezogen. Ebenfalls soll das Kursangebot des BSU einer Gesamtüberprüfung unterzogen werden: Handlungsbedarf besteht ausserdem punkto Kundeninformation bei Verspätungen.

Ein Plädoyer für die Bahn

Als Gastredner für die Generalversammlung kam alt Regierungsrat Walter Straumann zu Wort, dies aber im Namen des Komitees «Weissensteintunnel erhalten». Dabei stünde ein Busersatz als Variante nach der Schliessung zur Debatte. Straumann relativierte die Konkurrenzsituation zwischen Bus und Bahn: «Beide haben kompensatorische Aufgaben.» Doch laut Straumann würde mit einer wie vom Bund diskutierten Schliessung der Solothurn-Moutier-Bahn «Regionen benachteiligt, Lebensbedingungen verschlechtert und Entwicklungen verunmöglicht.»

Als Gastreferent plädierte alt Regierungsrat Walter Straumann für den Erhalt des Weissensteintunnels.

Als Gastreferent plädierte alt Regierungsrat Walter Straumann für den Erhalt des Weissensteintunnels.

Straumann regte an, dass die bei aktuell 170 Mio. Franken veranschlagte Sanierung einer vertieften Kostenschätzung unterzogen werden soll. «Es spricht einiges dafür, dass der Weissensteintunnel Zukunft hat», so der alt Regierungsrat.