Negativ-Performance

200 Millionen Verlust: Schlechtes Jahr für die Solothurner Pensionskasse, aber sie holt wieder auf

Der Börsensturz im letzten Jahr hat die Pensionskasse Kanton Solothurn erschüttert, aktuell verzeichnet sie aber wieder eine satte Rendite auf ihren Anlagen.

Der Börsensturz im letzten Jahr hat die Pensionskasse Kanton Solothurn erschüttert, aktuell verzeichnet sie aber wieder eine satte Rendite auf ihren Anlagen.

Der «schwarze Dezember» riss auch in Solothurn Löcher. Die kantonale Pensionskasse erzielte im vergangenen Jahr keine Rendite, sondern erlitt auf ihrem Anlagevermögen einen Verlust von 200 Millionen. Der Deckungsgrad sank von 107,9 auf 101,5 Prozent.

Es ging anderen auch nicht besser, aber schönreden lässt es sich nicht: Die Pensionskasse Kanton Solothurn schliesst das Geschäftsjahr 2018 mit einem schlechten Ergebnis ab. Es sei ein «spezielles» Jahr, auf das man da zurückblickt, meinte Finanzdirektor Roland Heim, der die Zahlen als Präsident der Verwaltungskommission am Donnerstag zusammen mit Direktor Reto Bachmann und Alois Müller, dem Präsidenten des Anlageausschusses, präsentierte. Speziell deshalb, weil die Wirtschaft ja durchaus brummte. Aber dann kam der «schwarze Dezember», wie ihn Heim nennt, mit dem globalen Einbruch der Börsen. Folge für die kantonale Pensionskasse: Erzielte man im Vorjahr noch eine Rendite von satten 8,5 Prozent auf dem Anlagevermögen, resultierte 2018 ein Verlust von 3,9 Prozent. Nur bei den Schweizer Obligationen und den Immobilien-Anlagen im Inland schaute eine kleine Rendite heraus, bei allen anderen Anlage-Kategorien war die Performance negativ.

In Franken macht das einen Vermögensverlust von knapp 200 Millionen und einen Unterschied zum Vermögensertrag im Vorjahr von rund 600 Millionen aus. Der Deckungsgrad ist in nur einem Jahr von 107,9 auf 101,5 Prozent gesunken.

Die gute Nachricht ist: Die Gefahr, in eine Unterdeckung zu geraten, hält sich in Grenzen. In den ersten drei Monaten des neuen Jahres lag die Performance wieder bei fast 6 Prozent. Bleibt es bis Ende Jahr bei mehr als der langfristig notwendigen Soll-Rendite von 2 Prozent, sinkt auch der Deckungsgrad nicht unter 100 Prozent. Etwas beruhigter als im vergangenen schwarzen Dezember dürfe man feststellen, dass in den letzten Monaten der Verlust des Vorjahrs schon fast wieder wettgemacht wurde, so Roland Heim.

Immobilien immer wichtiger

In der Langzeitbetrachtung kann sich die Performance der Solothurner denn auch durchaus sehen lassen. Sie lag seit 2010 im Durchschnitt bei 3,9 Prozent und damit über dem Swisscanto-Pensionskassenmonitor der Kantonalbanken, an dem man sich misst, wie Anlagenchef Alois Müller nicht ganz ohne Stolz erwähnt. Allerdings besteht eine grosse Herausforderung eben darin, Schwankungen auszuhalten. Und hier hat der «schwarze Dezember» die Pensionskasse schon einen grossen Schritt zurückgeworfen. Während im Vorjahr die Wertschwankungsreserven um 212 auf 371 Millionen Franken aufgestockt werden konnten, sind sie nun wieder um 300 auf noch 71 Millionen geschrumpft.

Zur Anlagestrategie erklärt Alois Müller, dass man das Portfolio direkt gehaltener Immobilien in der nächsten Zeit weiter um etwa 150 Millionen ausbauen wolle. Aber man investiere nicht unbesehen in Liegenschaften, sondern nur an Standorten, wo auch langfristig eine Nachfrage nach Wohnraum vorhanden ist. Ein weiterer Punkt, der ihm wichtig ist: Man sei sich der Verantwortung bezüglich Nachhaltigkeit der Anlagepolitik bewusst. Alle Vermögensverwalter der Pensionskasse Kanton Solothurn würden die Ausschlussliste des Schweizer Vereins für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen umsetzen. Was man hingegen nicht macht: In spezielle Umweltfonds und dergleichen investieren. An diesen Vehikeln würden nur die Banken verdienen, sie seien «sündhaft teuer und bringen nichts», so der ehemalige CEO der Baloise Bank SoBa.

176 Millionen Rentenleistungen

Die Pensionskasse Kanton Solothurn zählt heute 12 010 aktive Versicherte und 5626 Rentner. Das Verhältnis von Aktiven zu Rentnern hat sich damit von 2.17 auf 2,13 Beitragszahler pro Rentner weiter etwas verschlechtert. Vor zehn Jahren waren es noch 2,7. Damals zahlte man Rentenleistungen von 143 Millionen aus, im vergangenen Jahr waren es 176 Millionen Franken. 2018 sind 275 Versicherte in den Ruhestand getreten, im Vorjahr waren es 223. Nicht nur die sogenannten Babyboomer-Jahrgänge, auch die bevorstehende Senkung des Umwandlungssatzes könnte ein Grund dafür sein, dass sich die Anzahl der Pensionierungen gegenüber dem Vorjahr wiederum erhöht hat, schreibt Direktor Reto Bachmann im Geschäftsbericht. Allerdings versuchte man hier, mit einer Aufstockung von Altersguthaben aus der Umwandlungssatzrückstellung Gegensteuer zu geben. Angestellte im Alter über 55 würden damit kaum Renteneinbussen erleiden, so Roland Heim. Die Senkung des Umwandlungssatzes abzufedern sei dem Kanton ein Anliegen, denn man habe nicht erfahrene Mitarbeiter verlieren wollen, die sich zur Frühpensionierung entschliessen, um einer Rentenkürzung zu entgehen.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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