Jetzt wird der neue Gotthard-Basistunnel allseits bejubelt und gefeiert. Viele wollen zum Erfolg beigetragen haben. Kritische Stimmen sind verstummt.

Das war nicht immer so. Als das Schweizervolk am 27. September 1992 über den Alpentransit-Beschluss abstimmte, hatte die Neat mit den zwei Achsen Gotthard und Lötschberg–Simplon durchaus Gegner.

Das Referendum hatten drei Komitees ergriffen: ein grünes («Stopp der Transitlawine»), ein finanzpolitisch und autofreundlich argumentierendes und ein Urner Komitee. Bekanntlich lehnte der Kanton Uri die Neat mit 59,1 Prozent Nein ab.

Von den damals neun Solothurner National- und Ständeräten lehnten die zwei Extreme die Neat ab: Roland Borer von der Autopartei und Marguerite Misteli von den Grünen. Hauptgrund seien für ihn die Kosten gewesen, erinnert sich Borer. Zudem seien die Zubringer- und Abnehmerlinien zur Neat nicht garantiert gewesen. Mit Blick auf den Hafen Genua und die Strecke Karlsruhe–Basel sei das heute noch so. «Im Rückblick haben beide Seiten mit Horrorszenarien gearbeitet», gibt Borer zu. «Jetzt ist wichtig, dass man den alpenquerenden Güterverkehr auf die Schiene bringt.»

Den Grünen sei die Neat überdimensioniert erschienen, erinnert sich Marguerite Misteli. Sie hätten den Sinn von immer mehr Gütertransporten hinterfragt. Im Zeitpunkt der Neat-Abstimmung sei die Verlagerung auf die Schiene überhaupt nicht garantiert gewesen: «1992 war die Alpeninitiative noch nicht angenommen, und es gab noch keine LSVA.»

Im Oltner Tagblatt von 1992 zeigen sich die beiden Argumentationslinien der Gegner. Die rechte Seite malte den finanzpolitischen Teufel an die Wand, ihr Komitee nannte sich «Nein zu diesem 50 000-Millionen-Neat-Loch». Die Schweiz müsse Europa zur Kasse bitten. Für die Gegner schrieb der Geschäftsleiter des WWF Schweiz, Ueli Halder, im OT unter dem Titel: «Bahn und Umwelt ja – Neat nein». Gegen die Neat waren die Autopartei, die Grüne Partei, der WWF und Greenpeace (nicht aber der VCS). Dafür waren alle grossen Parteien, auch die SVP von Bundesrat Ogi.

Drei Tunnelgemeinden sagten Nein

In der Abstimmung lieferte der Kanton Solothurn ein leicht unterdurchschnittliches Ja von 61,4 Prozent, weit weniger Neat-freundlich als die ganze Westschweiz und die beiden Basel. In Olten-Gösgen und Thal-Gäu sagten drei Gemeinden knapp Nein zur Neat: Mümliswil-Ramiswil, Rohr und Eppenberg-Wöschnau. Pikant: In den zwei Ersteren waren im 19. Jahrhundert Projekte für Bahntunnels durch den Jura gescheitert (Wasserfallentunnel, Schafmatttunnel). In Eppenberg-Wöschnau ist heute der Eppenbergtunnel im Bau.