Rudolf Hafner lacht. Ihn amüsiert die Vorstellung, bereits dem dritten Parlament anzugehören. Denn 1986/87 war er Mitglied des bernischen Grossen Rates, danach bis 1994 des Nationalrates – beides auf der Freien Liste. «Das war eine bunte Truppe», erinnert er sich. Ihr Erfolg gründete auf dem Finanzskandal. Und diesen hatte Rudolf Hafner aufgedeckt: Als Finanzrevisor hatte er 1984 heimliche und illegale Zahlungen der Berner Regierung unter anderem an probernische Kreise im Laufental öffentlich gemacht. Es geschehe immer wieder, dass er noch heute auf diese turbulenten Zeiten angesprochen werde, schmunzelt Rudolf Hafner.

Gartenarbeit zum Ausgleich

In Dornach selber dürften, wie der hagere 62-Jährige sagt, die «Menschen unter fünfzig» ihn weniger wegen seiner früheren Tätigkeit kennen. Hier kennt man ihn vor allem als versierten Finanzfachmann, der sich an den Gemeindeversammlungen engagiert zu Wort meldet. Denn Rudolf Hafner ist Mitglied der Dornacher Finanzplanungskommission.

In Dornach lebt Rudolf Hafner mit seiner Ehefrau seit gut zehn Jahren in einem Haus im typischen anthroposophischen Baustil. Ihm gefalle die Anthroposophie: «Sie hat interessante Ideen und Ansätze.» Allerdings sei er kein dogmatischer Anthroposoph. In seiner Freizeit wandert Rudolf Hafner gern. Auch liest er viel. Und er liebt die klassische Musik. Als willkommenen Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit liebt er die Gartenarbeit.

Nach der Finanzaffäre hat Rudolf Hafner turbulente Zeiten erlebt. Er war zur Fahndung ausgeschrieben, musste untertauchen. Aber die Besondere Untersuchungskommission des Grossen Rates hat gezeigt, «dass alle meine Vorwürfe gestimmt haben», hält er fest. Damals wusste er nicht, was auf ihn zukommen würde: «Aber ich würde es natürlich nochmals gleich machen.» Ein Anwalt, dem er seine Feststellungen geschildert hatte, habe damals zu ihm gesagt: «Wenn Sie nichts unternehmen, werden Sie sich das ganze Leben lang Vorwürfe machen.» Etwas nachdenklich sagt Hafner: «Vielleicht würde ich heute karrieremässig mehr daraus machen.» Was man ihm nicht so recht glauben mag, macht er doch einen zufriedenen Eindruck. Nach der Berner Zeit half er mit, ein medizinisch-therapeutisches Zentrum aufzubauen. Heute ist Hafner Geschäftsführer einer sozialpädagogischen Einrichtung.

In «bunter» Fraktionsgemeinschaft

Nun also sitzt Rudolf Hafner als Vertreter der Grünliberalen (GLP) im Solothurner Kantonsrat. Gestern hatte er dort seinen ersten Sessionstag. Die GLP, die zusammen mit BDP, EVP und CVP eine gemeinsame Fraktion bildet, sei «eine bunte Fraktionsgemeinschaft, wie es seinerzeit die Freie Liste gewesen war», stellt er dazu schmunzelnd fest.

Hafner freut sich auf seine Arbeit im Kantonsrat. Hier will er sich vor allem in sozialen und Gesundheitsfragen engagieren. Und natürlich in der Finanzpolitik. Ein anderes Fraktionsmitglied habe seinetwegen den Sitz in der Finanzkommission zur Verfügung gestellt. – der Kollege habe zu ihm gesagt: «Wegen deiner Fachkompetenz bist du der richtige Mann dafür.»