55. Solothurner Filmtage

18'000 Filmminuten zu einem Festivalprogramm verdichtet

Die Visionierung war für die Jury laut Anita Hugi ebenso «aufwendig wie effizient».

Die Visionierung war für die Jury laut Anita Hugi ebenso «aufwendig wie effizient».

Die neue Direktorin der Solothurner Filmtage gewährte Partnern und Sponsoren einen ersten Einblick in die 55. Austragung des Anlasses.

«Das Programm steht!», konnte Felix Gutzwiller, Präsident des Trägervereins der Solothurner Filmtage, im Uferbau stolz verkünden. Wobei Gutzwiller so bescheiden war, sich nicht mit Lorbeeren zu schmücken, die ihm nicht gebührten. Was er vielmehr sagen wollte, war dies: Anita Hugi, die seit exakt 104 Tagen in Amt und Würden stehende Direktorin der Filmtage, ist mit Blick auf die 55. Austragung vom 22. bis 29. Januar auf Kurs.

Doch nicht nur deshalb sprach Gutzwiller, an die Adresse von Hugi gewandt, von einem «Glücksgriff» für die Filmtage. Nein, er lobte die Nachfolgerin von Seraina Rohrer als eine, die sich sowohl intern als auch extern rasch als ebenso kompetente wie zugängliche Chefin etabliert habe. Gutzwiller ist denn auch nicht bange, dass die Filmtage neuerlich zu einem Erfolg werden – publikumsmässig ebenso wie kulturell.

Dass Rohrer zumindest noch die Hälfte der nächsten Ausgabe verantwortet, liess Gutzwiller nicht unerwähnt. Dennoch war es Stadtpräsident Kurt Fluri vorbehalten, der Hugi-Vorgängerin für ihr erfolgreiches Engagement zu danken. In der Tat haben die Filmtage unter ihrer Ägide zu neuem Profil gefunden.

Es gehe für sie vor diesem Hintergrund denn auch nicht um eine Revolution, sondern vielmehr um eine Evolution dessen, was sie vorgefunden habe, sagte Anita Hugi. Jüngeres Publikum, jüngere Filmschaffende, jünger anmutende Locations – das sind Ziele, welche die Direktorin verfolgt und bereits bei ihrer Solothurn-Premiere anvisiert. Wohlwissend, dass das Programm das A und O ist und bleiben wird.

Auch wenn der Schleier darüber erst am 12. Dezember gelüftet wird: Es wird ein starker Jahrgang erwartet. Aus den nicht weniger als 624 eingereichten Beiträgen hat sich die Jury seit Anfang Oktober Tage und Nächte um die Ohren geschlagen und 18 000 Filmminuten visioniert, um ein attraktives Programm aus Clips, Kurz- und Langfilmen zusammenzustellen. Zur Illustration: Die Auswahl war nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ anspruchsvoll. 196 Clips, 298 Kurz- und 130 Langfilme buhlten um die Aufmerksamkeit der Jury. «Der Prozess war aufwendig, aber effizient», meinte Hugi im Uferbau.

Übrigens: Das nächste Jahr wird für die Solothurner Filmtage nicht nur aufgrund der neuen Direktion wegweisend, sondern auch politisch. In Bundesbern wird die neue Kulturbotschaft behandelt, welche nicht zuletzt für den Film und seine Plattformen entscheidend sein wird. Konkret geht es um die Aufstockung der Mittel, von der auch die Filmtage erfolgsabhängig profitieren könnten. Und dies schon ab dem Jahr 2021. Das wäre ein Meilenstein für die einzige Werkschau des Schweizer Filmschaffens. Und wie es scheint, gibt es hinter den Kulissen die nötige politische Bewegung, damit die Taube auf dem Dach kein unerreichbarer Vogel bleibt. 

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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