Urteil
16 Monate bedingt: Familienvater hatte Frau zum Oralverkehr gezwungen

Das Amtsgericht Solothurn-Lebern verurteilt einen 51-jährigen Familienvater und Gastrobetreiber wegen sexueller Nötigung und sexueller Belästigung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten, mit einer Bewährungsfrist von zwei Jahren.

Hans Peter Schläfli
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Wegen sexueller Nötigung und sexueller Belästigung wurde ein 51-jähriger Familienvater zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt.

Wegen sexueller Nötigung und sexueller Belästigung wurde ein 51-jähriger Familienvater zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt.

Keystone

Der Türke Baykal S.* hat im Sommer 2008 eine regelmässige Besucherin seines Gastronomiebetriebs in der Toilette zu oralem Geschlechtsverkehr gezwungen. Zu dieser Ansicht kam gestern Montag das Amtsgericht Solothurn-Lebern und verurteilte den 51-jährigen Familienvater zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten mit einer Bewährungsfrist von zwei Jahren. Wegen sexueller Belästigung kam noch eine Busse von 300 Franken dazu. Zudem muss Baykal S. dem Opfer eine Genugtuung von 3000 Franken bezahlen und die Prozesskosten übernehmen.

Erste Verhandlung abgebrochen

Vor ziemlich genau einem Jahr musste der erste Anlauf zur Verhandlung abgebrochen werden. Baykal S. legte kurzfristig ein ärztliches Attest vor, wonach er körperlich gar nicht imstande wäre, den Oralverkehr bis zum Orgasmus zu vollziehen. Dummer Zufall: Der attestierende Arzt war ausgerechnet der Bruder des Rechtsanwalts des Opfers. Aus verständlichen Gründen legte daraufhin der Rechtsanwalt das Mandat nieder und die Verhandlung musste vertagt werden.

Rausch des Opfers ausgenützt

Der kokain- und alkoholsüchtigen Astrid D.* und ihren Freunden gefiel es im Restaurant des Angeklagten bestens, aber Baykal S. hatte weniger Freude an diesen Stammgästen, die sich immer wieder schlecht aufführten und Drogen handelten. Nachdem er Astrid D. beim Kokainkosum erwischt hatte, sprach Baykal S. gegen sie ein Hausverbot aus. Trotzdem tauchte diese immer wieder zusammen mit ihren Freunden auf.

Eines Nachts, als Astrid D. nach eigenen Angaben viel zu viel Kokain und Alkohol konsumiert hatte, wurde sie von Baykal S. in die Toilette gezerrt. Dort zwang er sie in die Knie und steckte ihr den Penis in den Mund. Bei der Polizei gab sie später zu Protokoll, sie habe das Ejakulat schlucken müssen, der Ekel sei riesig gewesen.

Beat A.* belastete den Angeklagten schwer: «Als sie an den Tisch zurückkehrte, sagte sie: Gopferdami, jetzt habe ich dem Baykal eins blasen müssen», sagte dieser Zeuge. Als Verteidiger versuchte Rechtsanwalt Reto Gasser diese Aussage mit dem Argument zu entkräften, dass der Zeuge ein guter Freund von Astrid D. sei, und dass dieser sich am Angeklagten ebenfalls wegen eines Hausverbots rächen wolle.

Zudem habe sich Astrid D. überhaupt nicht wie ein Opfer verhalten: «Nach einem derart ekelhaften Erlebnis hat sie die Bar nicht verlassen, sie hat sich wieder an den Tisch gesetzt und weiter Wein getrunken. Dieses Verhalten passt nicht zu einer Person, die derart massiv sexuell genötigt wurde», argumentierte Gasser in seinem Plädoyer. Er bezweifelte die Glaubwürdigkeit der Nebenklägerin. Astrid D. sei nicht sofort zur Polizei gegangen. «Ganz im Gegenteil, sie besuchte weiterhin ab und zu das Restaurant, wo sie derart erniedrigt worden war.»

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

So ging Astrid D. auch rund ein Jahr nach der sexuellen Nötigung wieder einmal ins Restaurant. Dabei sei sie von Baykal S. mit eindeutigen Gesten und Manipulationen am Geschlechtsteil aufgefordert worden, ihm wieder einen zu blasen. Erst auf diese sexuelle Belästigung hin erstattete Astrid D. Anzeige bei der Polizei.

Den Schuldspruch begründete der Gerichtspräsident mit der Glaubwürdigkeit des Opfers. «So, wie die Geschichte ablief, kann sie nicht erfunden sein. Astrid D. ging nach der sexuellen Belästigung spontan zur Polizei, obwohl sie derart unter Drogen und Alkohol stand, so dass sie von der Polizei zunächst weg gewiesen werden musste.» Dies zeige, dass sie keinen Plan hatte und dass kein Komplott gegen Baykal S. bestanden hatte.

«Warum sollte sich das Opfer eine solche Geschichte ausdenken und sich damit selber einer Strafverfolgung aussetzen?», stellte François Scheidegger eine rhetorische Frage. «Ein Racheakt, weil gegen sie und ihre Bekannten ein mündliches Hausverbot ausgesprochen wurde, ist kein stichhaltiges Motiv.»

Das Amtsgericht analysierte auch das medizinische Attest nicht im Sinne der Verteidigung: «Nach dem vorliegenden Gutachten kann die Tat nicht ausgeschlossen werden», sagte der Gerichtspräsident. Das Tatverschulden wiege schwer, und er zitierte das Bundesgericht: «Das Nötigen zu Oralverkehr ist einer Vergewaltigung ähnlich.»

*Namen von der Redaktion geändert.