Auf dem Bankenplatz Solothurn ereignete sich vor 150 Jahren Ungewöhnliches. Als «Ergänzung» zur bereits 1819 gegründeten Ersparniskasse der Stadt Solothurn – das älteste Geldinstitut im Kanton – wurde am 11. April 1865 die Solothurnische Leihkasse gegründet. Das Besondere: Verwaltung und Direktion, Geschäftslokal und Personal waren identisch. Zwei juristisch getrennte Banken bildeten also organisatorisch und wirtschaftlich ein Ganzes – eine einmalige Ausgangslage im schweizerischen Bankwesen.

Interessant war die Begründung für das Unikum. Statt den engen Geschäftskreis der Ersparniskasse auszuweiten, wurde eben die neue Solothurnische Leihkasse AG gegründet, um ihr die risikoreicheren Geschäfte – sprich insbesondere das Geschäft mit Wohnbauhypotheken – zu übertragen. Und diese Risiken sollten von Privaten mitgetragen werden. Deshalb übernahm die Ersparniskasse – im vollen Besitz der Einwohnergemeinde der Stadt Solothurn – nur 50 Prozent der Aktien, die andere Hälfte wurde von Privatpersonen übernommen.

Noch erstaunlicher ist, dass sich diese Doppelkonstruktion mit Personalunion bis zum Zusammenschluss der beiden Banken zur Regiobank Solothurn AG im Jahre 1990 hielt. So kommt es, dass die Regiobank nicht zum Feiern herauskommt. So kann sie an der Generalversammlung am 11. Juni 2015 offiziell 150 Jahre Aktiengesellschaft feiern. Bereits in vier Jahren folgt das 200-jährige Bestehen der Bank, bezogen auf die Ersparniskasse Solothurn.

Der Gemeinderat wählte die Hälfte des Verwaltungsrates

Markus Boss, der seit Anfang 2002 die heutige Regiobank führt, kommt beim Erzählen ins Schmunzeln. «Eine solche nicht unproblematische Struktur wäre heute unmöglich.» Als «historisch» bezeichnet er denn auch den erwähnten Zusammenschluss zur heutigen Regiobank im Jahre 1990. Einige Besonderheiten blieben aber vorerst erhalten, wie Boss weiter ausführt. An der neuen Bank hielt die Einwohnergemeinde der Stadt Solothurn 50 Prozent der Aktien. «Fünf Mitglieder des zehnköpfigen Verwaltungsrates wurden durch den Gemeinderat und fünf von den Aktionären gewählt.» Und die Bank besass eine teilweise Garantie der Stadt Solothurn. «Die Stadt garantierte für die mit dem Ausdruck ‹Sparen› gekennzeichneten Einlagen der Bank», berichtet er. 

Nur ein Jahr später erschütterte die Schliessung der Spar- und Leihkasse Thun die schweizerische Bankenlandschaft. Auslöser war ein in diesen Dimensionen zuvor noch nie erlebter Immobiliencrash. Die Banken hatten leichtfertig Wohnbaukredite vergeben, der Bauboom liess die Immobilienpreise explodieren und gleichzeitig stiegen die Hypozinsen bis auf acht bis neun Prozent. Viele Schuldner konnten die Kredite nicht mehr bedienen, die Immobilienpreise sackten ab und die Objekte waren viel zu hoch belehnt. Insbesondere der Kanton Solothurn wurde hart getroffen. D

ie Solothurner Kantonalbank war nicht mehr überlebensfähig und hinterliess ein gewaltiges Schuldenloch, zuletzt wurde sie vom Versicherungskonzern Baloise übernommen. Vor dem Erdbeben existierten im Kanton (ohne Schwarzbubenland) neben den Raiffeiseninstituten elf unabhängige Regionalbanken. Heute sind es noch deren drei, die Spar- und Leihkasse Bucheggberg, die Bank im Thal sowie eben die Regiobank. Warum ausgerechnet die Regiobank überlebte, gibt der damalige Geschäftsbericht Auskunft. Darin steht unter anderem, dass die Bank dank ihrer Geschäftsphilosophie nur über wenige risikobehaftete Engagements verfügte. Zudem habe sich die Fusion mit der Ersparniskasse im Jahr zuvor rasch positiv auf die Ertragslage ausgewirkt.

Zehn Jahre später, im Jahre 2001, kam es zu einer weiteren Zäsur auf dem Weg zur unabhängigen Regionalbank. Die Stadt konnte ihre Regiobank-Aktien bis auf einen Mindestanteil verkaufen, die Garantie auf Spareinlagen wurde aufgehoben. Sämtliche Verwaltungsräte wurden fortan von der Generalversammlung gewählt. An der im Jahre 2010 erfolgten Kapitalerhöhung um 3 Millionen auf 15 Millionen Franken verzichtete die Stadt auf ihr Bezugsrecht. Heute besitzt Solothurn einen Anteil von 20 Prozent und ist damit grösste Einzelaktionärin. Der Rest ist sehr breit gestreut. Die Zahl der Aktionäre erhöhte sich innert zehn Jahren von 3860 auf 5718 Personen Ende 2014.

Heute ist die Regiobank neben dem Hauptsitz in Solothurn in Zuchwil, Biberist, Grenchen und Egerkingen vertreten und beschäftigt – umgerechnet auf Vollzeitstellen und inklusive Lernende – 120 Angestellte. Ein weiterer Ausbau sei derzeit kein Thema, sagt Markus Boss. «Das kostet enorm viel Geld.» Die Verbundenheit mit der Region habe die Bank 2010 mit dem Kauf der Kurhaus Weissenstein AG untermauert, betont Boss. Es sei darum gegangen, den Betrieb nach der Schliessung der Sesselbahn bis zur Neueröffnung der Gondelbahn Ende 2014 am Leben zu erhalten. «Das ist uns gelungen.» Inzwischen hat sich die Bank vom «Weissenstein» wieder getrennt und den Betrieb «an bestens qualifizierte Fachleute verkauft».

Diversifikation soll Abhängigkeit vom Zinsgeschäft reduzieren

Seit der Finanzkrise 2007 und der seit damals anhaltenden Tiefstzinsphase liege das Augenmerk auf der Reduzierung der Abhängigkeit vom klassischen Zinsdifferenzgeschäft. «Denn die Zinsmarge ist massiv unter Druck geraten.» So wagte die Bank 2012 den Einstieg ins Industriegüterleasing. Sie ist heute am Joint Venture mit der WIR-Bank mit 50 Prozent an der IG Leasing AG beteiligt.

Zudem sollen das Wertschriftengeschäft und das Private Banking weiter ausgebaut werden. «Ziel ist es, dass das Zinsdifferenzgeschäft künftig zwei Drittel und die übrigen Bereiche einen Drittel an den Gesamtertrag beisteuern werden.»