Amani Hemid

15-Jährige will Cybermobbing-Selbsthilfegruppe gründen

Eine junge Frau, die weiss, was sie will: Das Schulprojekt von Amani Hemid – eine Selbsthilfegruppe für Cybermobbing-Opfer – soll in die Zukunft wirken.

Eine junge Frau, die weiss, was sie will: Das Schulprojekt von Amani Hemid – eine Selbsthilfegruppe für Cybermobbing-Opfer – soll in die Zukunft wirken.

Amani Hemid aus Biberist arbeitet an der ersten Selbsthilfegruppe für junge Opfer von Cybermobbing in der Schweiz. Die 15-jährige Schülerin war vor einigen Jahren selbst Opfer einer Attacke geworden.

Amani gibt es unumwunden zu: sie sei total nervös gewesen vor dem Interviewtermin. Verständlich, hat die Schülerin doch gerade mal 15 Jahre auf dem Buckel. Im Gespräch aber taut sie auf und bald wird klar: Hier sitzt eine selbstbewusste junge Frau, die beweist, dass Jugend kein Hindernis für ambitionierte Projekte sein muss.

Amani Hemid arbeitet zurzeit an der Gründung einer Selbsthilfegruppe für junge Opfer von Cybermobbing. «In der Schweiz gibt es noch keine solche Gruppe für Kinder und Jugendliche.»

Zeigen, was man kann

Begonnen habe alles mit einem Schulprojekt. Die 9.-Klässler der Sek E in Biberist sind derzeit mit dem relativ offenen Thema «Ich zeige, was ich kann» beschäftigt. Ziel sei es, ein Produkt zu erstellen, das zum Schluss präsentiert werden könne. «Ich wusste lange nicht, was ich machen will. Die anderen arbeiten etwa an Kochbüchern oder Seifenkisten. Ich wusste aber: Das ist nichts für mich.» Ihr sei wichtig gewesen, dass ihr Projekt nicht mit dem Abschlussvortrag ende, sondern danach weiterlaufe. 

Bei ihrer Internetrecherche sei sie schliesslich auf die Homepage der Selbsthilfe Solothurn gestossen. «Ich habe mir dann überlegt, was mich und auch andere Jugendliche derzeit betrifft.» So sei sie auf das Thema Cybermobbing gekommen – einer Form von Mobbing, die via Internet passiert, noch verhältnismässig jung, aber brandaktuell ist (Kasten).

Eigene Erfahrungen prägen

Die junge Frau war vor einigen Jahren, als sie noch in Solothurn zur Schule ging, selbst Opfer einer Attacke geworden, die an Cybermobbing grenzt: «Ein Mädchen aus meiner Schule hat mir beleidigende Nachrichten via Facebook geschickt. Ich hatte ihr aber nie etwas getan.» Sie habe das während einiger Tage für sich behalten. «Es hat mich aber bedrückt», weshalb sie bald ihrer Mutter von den Nachrichten erzählte.

Diese habe dem Mädchen geschrieben, worauf die Beleidigungen aufgehört hätten. Zumindest im Internet. «Sie hat danach noch in der Schule weitergemacht, ich habe das dann aber ignoriert.» Heute habe sie keinen Kontakt mehr zur Täterin und die Geschichte abgeschlossen. An ihrer jetzigen Schule wisse sie von niemandem, der aktuell betroffen sei, nur von einem vergangenen Fall, in dem diverse Mädchen via SMS belästigt worden seien.

Erstes Infotreffen im Juni

Wer im Internet zum Thema Cybermobbing recherchiert, findet viele Informationsangebote, die von Flyern über Broschüren bis zu ganzen Unterrichtseinheiten reichen. Bei Amani hat ein solches Informationsangebot gefruchtet. «In Solothurn wurden wir über das Thema aufgeklärt und haben einen Film dazu geschaut.» Den Schülern sei erklärt worden, was Cybermobbing ist, wie darauf reagiert werden kann und bei wem man sich als Opfer melden soll. Diese Aufklärung sei erfolgt, bevor sie selbst Opfer einer Attacke geworden ist. «Das finde ich gut, ansonsten wäre ich wohl ziemlich hilflos gewesen», sagt sie rückblickend.

Amanis eigene Geschichte ist mittlerweile durchgestanden. Nun möchte sie mit der Gründung einer Selbsthilfegruppe anderen jungen Opfern helfen. Dabei erhält sie Unterstützung von Regina Schmid, Stellenleiterin der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen Solothurn. Für den Anfang planen die beiden ein Informationstreffen. Dieses soll Anfang Juni stattfinden, wobei die Abklärungen bezüglich des Veranstaltungsortes noch laufen, so Amani. Das Treffen richte sich vor allem an betroffene Kinder und Jugendliche, wobei aber auch Eltern eingeladen seien. Die Selbsthilfegruppe selbst sei dann ausschliesslich für junge Betroffene gedacht.

Am 3. Juni findet von 18.30 bis 20.30 Uhr ein Infotreffen der Gruppe statt. Wer an einer Teilnahme interessiert ist, kann sich melden bei der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen: 062 296 93 91 oder info@selbsthilfesolothurn.ch

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