Im Rathaus Solothurn ist ein Getümmel und Gemurmel. Rund 125 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 20 Jahren haben sich am Mittwoch zusammen mit rund 35 Kantonsräten zum 7. Jugendpolittag versammelt.

Plötzlich kehrt Ruhe ein und Kantonsratspräsident Peter Brotschi heisst das junge Volk willkommen. Alles sei Politik und jeder sollte mal im Leben ein paar Jahre lang Politik gemacht haben, sagt der Grenchner. Deshalb gratuliere er den jungen Leuten, dass sie hier und heute dazu anwesend seien.

Nachdem Brotschi seine Rede beendet hat, verteilen sich die Jugendlichen in Gruppen. Dort diskutieren sie mit Kantonsräten aus ihrer eigenen Region Anliegen, die sie bereits am Morgen zusammengetragen haben – ganz nach dem Sinn des Jugendpolittages: Junge Leute sollen hier nämlich angehört werden. Sie präsentieren den Kantonsräten Themen, die sie beschäftigen und bei denen ihrer Meinung nach Verbesserungsbedarf besteht. Heiss diskutiert wird, dass nicht im Bildungswesen gespart werden darf.

FDP-Kantonsrat Urs Unterlerchner und Teilnehmerin Sarah Zimmermann

SP-Kantonsrätin Luzia Stocker und Helen Wyss

FDP-Kantonsrätin Karin Büttler und Stefanie Meer

Bessere öV-Verbindungen

«Der Religionsunterricht sollte breiter gestaltet werden. Bei uns wurde in der Primarschule nur das Christentum behandelt», sagt ein Jugendlicher. «Dadurch ist eine diskriminierende Haltung von früh auf wahrscheinlich. Andere Religionen sollten in den Unterrichtsstoff integriert werden.»

«Die Kosten des öffentlichen Verkehrs sind im Besonderen für Jugendliche zu hoch!» Dies war ein Statement, das fast in allen Diskussionsgruppen besprochen wurde. Zudem war es den Jugendlichen ein Anliegen, die Verbindungen zu optimieren.

Obwohl nicht aus allen Ideen etwas herauszuholen war und es schwierig ist, gewisse Anliegen umzusetzen, haben einige Vorschläge durchaus Realisierungschancen. – Beispielsweise in Olten am Ländiweg: Dort fühlen sich vor allem die jungen Frauen unwohl und haben Angst vor Belästigungen, verbal oder körperlich. Wie genau dieses Problem aus der Welt geschafft werden kann und was dazu geändert werden müsste, dem wollen die jungen Damen aus Olten noch nachgehen. Doch sie sind sich einig, dass sie etwas tun wollen: Eine von ihnen trat im Plenum vor die Leute und kündigte eine Petition an. Sie wollen möglichst viele Unterschriften sammeln, um Druck aufzusetzen, um Politiker und Bevölkerung auf das Problem aufmerksam zu machen.

«Wir werden ernst genommen»

Nicht für jedes Anliegen wurde eine Lösung gefunden. Gleichwohl wird jedes Jahr am Jugendpolittag ein wichtiges Gefühl an die Jugendlichen übermittelt: «Wir werden ernst genommen und von den Kantonsräten angehört und beraten, welche Möglichkeiten uns offen stehen, um etwas zu verbessern», sagt ein Teilnehmer. Der Tag soll die Jugendlichen animieren, sich weiterhin politisch zu engagieren. Die Kantonsräte auf der anderen Seite sehen die Sicht der Jugendlichen und können ihre Anliegen im grossen Kantonsratssaal mit allen Mitgliedern debattieren.

Zum Schluss des Tages erhält Landammann Peter Gomm das Wort: «Damit eine Demokratie funktioniert, ist es wichtig, dass alle Generationen zu Wort kommen.» Er hoffe, dass dies in Solothurn gelinge und die Politik nicht «unter einer Glasglocke stattfindet».