Nachwuchstalent
11-jähriger Biberister fährt am liebsten Kart

Alessio Fagone zählt zu den besten Schweizer Jungtalenten. Er nimmt regelmässig an Meisterschaften teil – die in der Schweiz weitgehend noch unbekannt sind.

Gizem Meric
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Auf der Gokart-Bahn im bernischen Lyss: Trotz seines noch jugendlichen Alters ist Alessio Fagone ein leidenschaftlicher Rennfahrer.

Auf der Gokart-Bahn im bernischen Lyss: Trotz seines noch jugendlichen Alters ist Alessio Fagone ein leidenschaftlicher Rennfahrer.

Thomas Ulrich

Unerschrocken und mit Vollgas sieht man den elfjährigen Alessio Fagone über die Kartbahn rasen. Während sich seine Altersgenossen auf dem Spielplatz austobten, sass der Primarschüler aus Biberist schon mit vier Jahren das erste Mal in einem Gokart-Wagen. Ein kleiner Unfall liess ihn dann für einige Jahre etwas ängstlich werden.

Schon bald aber hatte er seine Unsicherheit wieder überwunden. Und ab seinem achten Lebensjahr wurde das Gokart-Fahren für Alessio Fagone immer wichtiger. Seit drei Jahren nun nimmt das Jungtalent regelmässig an Meisterschaften teil, die unter anderem in Italien stattfinden. Und er war schon Spitzenreiter in der Schweizerischen Kategorie «Super Mini».

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Der 11-jaehrige Alessio Fagone fährt Go Kart in der Kategorie Super Mini und ist aktueller Leader in der Kart Schweizer Meisterschaft.

Thomas Ulrich

Die Familie fiebert mit

Das Treffen mit der Familie Fagone kommt auf der Gokart-Bahn in Lyss zustande. Sowohl die Eltern als auch die zwei Geschwister des jungen Sportlers sind als Unterstützung mit dabei. «Dieser Ort lässt uns immer in alten Erinnerungen schweigen», sagt Kathy Fagone, die Mutter des Elfjährigen. Seine ersten Strecken sei er nämlich hier gefahren. «Zu Beginn verspürte ich bei jedem Rennen unglaubliche Angst», erinnert sich die Mutter.

Der Mut ihres Sohnes hätte sie schon immer begeistert. Allerdings hätte er in seinem ersten Wettkampfjahr einen Rückschlag erlitten, der sich über mehrere Monate erstreckt hat. Die temporäre Pause wurde durch einen Unfall auf der Rennstrecke verursacht. «Obwohl Alessio nach diesem Vorfall erstmals verängstigt war, wurde er danach stärker», sagt der Vater. Insbesondere nach seinem zweiten Wettkampfjahr habe sich seine Leistung gesteigert und nun sei er während der Rennen nur noch an vorderster Front anzutreffen.

Sein grosses Interesse an diesem Sport ist denn auch während der Vorbereitungen nicht zu übersehen. Vor der Fahrt schraubt der Fünftklässler am Wagen und kontrolliert, ob alles in Ordnung ist. Für den Vater, Rosario Fagone, sei es bereits von Anfang an wichtig gewesen, dass Alessio technisch informiert und selbstständig ist. «Ich habe grossen Wert darauf gelegt, den Wagen immer gemeinsam mit meinem Sohn einzustellen», sagt er. Das technische Wissen sei ein Vorteil, wodurch sich Alessio, so der Vater, oftmals von seinen Mitbewerbern abhebt.

Umfeld zeigt kein Interesse

Der Vater des Jungtalents war schon immer ein grosser Formel-1-Fan, wodurch auch sein Sohn auf den Geschmack gekommen ist. Auf die Frage, wieso er sich denn für diese, in der Schweiz eher ungewohnte, Sportart interessiert, hat der Fünftklässler keine konkrete Antwort parat. «Weil es mir Spass macht», sagt er schüchtern. Wenn man bedenkt, dass er bereits mit acht Jahren rasante Rennfahrten durchführte, während Gleichaltrige «nur» Velo fahren konnten, müsste dies doch beeindruckend auf sein Umfeld wirken. Doch diese Vermutung verneint Alessio, indem er sagt, dass sich seine Freunde nicht wirklich für dieses Hobby interessieren.

Seine Eltern sind derselben Meinung. «Die Resonanz ist nicht immer positiv», so die Mutter. «Das Umfeld unterstützt uns grösstenteils nicht, da viele nicht der Meinung sind, dass Alessio gross herauskommt.» Das Ziel des ehrgeizigen Elfjährigen sei nämlich, zu einem späteren Zeitpunkt professioneller Rennfahrer zu werden.

Wenig populäre Sportart

Obwohl die Leidenschaft des jungen Gokart-Fahrers dem Familienbudget momentan eine grössere Last ist, steht die Familie hinter ihrem Sohn und ist stolz auf die Leistung, die er in einem so jungen Alter erbringt. Rosario Fagone erwähnt aber, dass es dieser Sportart in der Schweiz an Anerkennung fehlt. «In anderen Ländern, wie Italien, werden die Piloten durch zahlreiche Sponsoren und verschiedenen Rennbahnen unterstützt», so der Familienvater.

Die Schweizer Gokart-Gemeinschaft sei kaum bekannt und das fehlende Interesse stelle ein beträchtliches Problem dar. Fagone: «Obwohl es sehr viel Zeit braucht, um ein professioneller Rennfahrer zu werden, sollte man schon die Kinder unterstützen.» Wer weiss, vielleicht sitzt der elfjährige Alessio in einigen Jahren schon in seinem Lieblingsrennwagen – einem Ferrari – und zählt zu den Stars der Formel 1.