Corona

1000er-Regel: Kanton Solothurn kritisiert Bund und fordert «griffige» Regeln

Unter welchen Umständen sind Grossveranstaltungen ab 1000 Personen durchführbar? Im Januar stehen die Solothurner Filmtage an. (Archiv)

Unter welchen Umständen sind Grossveranstaltungen ab 1000 Personen durchführbar? Im Januar stehen die Solothurner Filmtage an. (Archiv)

Das Gesundheitsamt des Kantons Solothurn hätte mit der Lockerung des Verbots für Grossveranstaltungen gerne zugewartet. Vom Bund fordert der Kanton nun «griffige Bewilligungskriterien auf nationaler Ebene».

Der Kanton Solothurn ist nicht begeistert: Am Mittwoch gab der Bundesrat bekannt, dass per Oktober in der Schweiz auch Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen erlaubt sind. Eine Entscheidung, welche die hiesige Behörde im Vorfeld nicht unterstützt hat. «In seiner Stellungnahme hat der Kanton Solothurn die Einführung eines Bewilligungsverfahrens für Grossveranstaltungen von über 1000 Personen entschieden abgelehnt. Massgebend ist dabei die aktuell sehr labile epidemiologische Lage», so der Kanton auf Anfrage.

Was mit der «sehr labilen epidemiologischen Lage» gemeint ist, zeigt ein Blick in die Zahlen des Bundesamts für Statistik: Der wöchentliche Durchschnitt der Neuinfektionen mit Covid-19 in der Schweiz ist in den letzten Wochen gestiegen, und auch im Kanton Solothurn scheint ein ähnlicher Trend erkennbar: Am Donnerstag wurden 16 Neuansteckungen gemeldet, zweimal wurden in der vergangenen Woche ausserdem 10 neue Ansteckungen registriert. In den beiden Woche davor stiegen die Ansteckungszahlen im Kanton nie in den zweistelligen Bereich.

Einen Covid-19-Fall gab es diese Woche unter anderem an der Kantonsschule in Olten. Dort ist laut Angaben des Gesundheitsamts eine Lehrperson erkrankt. Weil die Schutzmassnahmen allerdings stets eingehalten worden seien, musste für die Schüler keine Quarantäne angeordnet werden.

Je mehr Menschen, desto komplizierter der Schutz

Diesen Trend könnten Grossveranstaltungen, an denen über 1000 Personen zusammenkommen, noch verstärken. Der Grund dafür ist, dass an einem Konzert mit über 1000 Personen die Chance gross ist, dass eine infizierte Person gleich mit mehreren anderen Personen in Kontakt kommt und sie anstecken könnte. Solche Fälle gab es etwa in Zürich und in Genf, als sich in einem Club gleich mehrere Gäste bei einer infizierten Person ansteckten. 

Daran ändern auch Schutzkonzepte nichts, so die Befürchtung des Kantons: «Schutzkonzepte nützen nur dann, wenn sie konsequent umgesetzt werden. Und eine konsequente Umsetzung von Schutzkonzepten ist umso schwieriger, je mehr Leute an einem Anlass teilnehmen», so das Gesundheitsamt. «Das Übertragungsrisiko steigt mit zunehmender Anzahl Personen und engen Platzverhältnissen, weshalb Grossveranstaltungen grundsätzlich ein erhöhtes Risiko bergen».

Störend ist laut dem Gesundheitsamt ausserdem, dass gemäss den aktuellen Plänen des Bundes die Kantone dafür verantwortlich sind, Richtlinien für die Bewilligung von Grossveranstaltungen zu erarbeiten: «Ohne klare, einheitliche Angaben des Bundes wird sich der Vollzug der Schutzkonzepte aufgrund des überregionalen und teilweise gar nationalen Charakters solcher Veranstaltungen als überaus schwierig gestalten.» Vom Bund erwarte man deshalb «griffige Bewilligungskriterien auf nationaler Ebene», so der Kanton.

Er will sich hier laut eigenen Angaben mit konkreten Ideen einbringen: Unter anderem solle die «100er» Regel, die im Kanton seit dem 8. Juli gilt, in der Verordnung des Bundes verankert werden. Diese besagt, dass bei Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmenden, an denen Schutzmassnahmen wie der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden können, einzelne Sektoren mit maximal 100 Personen abgetrennt werden müssen. Ausserhalb dieser Sektoren muss der Sicherheitsabstand eingehalten werden, ansonsten gilt eine Maskenpflicht.

Der Kanton Solothurn verlängert die entsprechende kantonale Allgemeinverfügung vom 8. Juli 2020 (vgl. Kasten) vorläufig bis Ende September.

Autor

Rebekka Balzarini

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