Es gibt Gebäude, Landschaften, Dinge, die den Fotografen Hansjörg Sahli mit seiner Kamera fast magisch anziehen. «Immer wieder schiesse ich von bestimmten Objekten über Jahre hinweg Bilder. Ich kann eigentlich gar nicht erklären, warum. Es ist wie eine Passion», sagt er darüber.
Und genau so eine Passion befiehl Sahli auch im Jahr 2014, als er zum ersten Mal beim Aufstieg zur Rhonegletschergrotte die grossen Vliestücher sah, die dort zum Schutz gegen das Abschmelzen des Eises angebracht worden sind.

Er fotografierte sie dann vier Jahre lang jedes Mal, wenn er wieder auf dem Gletscher stand. Und jedes Mal sahen sie etwas anders aus: Zunächst noch gespannt und weiss, später verwittert und dunkel gefärbt. «Von weitem sieht man die Tücher gar nicht so gut», hat Sahli erfahren. «Erst wenn man näher kommt, werden sie gut sichtbar.»

Sahli ging es bei diesen Fotografien nicht in erster Linie darum, das Abschmelzen des Gletschers chronologisch zu dokumentieren. Ihm ging es vor allem um die fotografische Herausforderung, Weisses auf weissem Grund sichtbar zu machen. «Die Fotos sind jeweils unterbelichtet», erklärt er deshalb. «So werden sie farbiger, die Kontraste verstärken sich.» Und trotzdem ist mit diesen rund hundert Aufnahmen ein eindrückliches Dokument des Klimawandels entstanden.

Hansjörg Sahli: «Rhonegletscher». Zürich, Edition Patrick Frey.

Am Donnerstag, 20. Dezember, findet um 18 Uhr eine Buchvernissage im Künstlerhaus S11 statt.