Amtsgericht Solothurn-Lebern
1 Million ergaunert – wegen Geldmangel ist Betrüger aber nun aus Miami zurück

Als seine Betrügereien aufgeflogen waren, setzte sich Kurt N.* nach Miami ab, weil er nicht ins Gefängnis wollte. Nachdem das letzte Geld aufgebraucht war, kehrte er zurück.

Hans Peter Schläfli
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Kurt N. setzte sich nach Miami ab, um einer Verhaftung zu entkommen (Archivbild).

Kurt N. setzte sich nach Miami ab, um einer Verhaftung zu entkommen (Archivbild).

KEYSTONE

Und so musste er sich am Montag vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern wegen gewerbsmässigem Betrug, qualifizierter Veruntreuung und mehrfacher Urkundenfälschung verantworten.

Bereits im Februar 2013 hatte das Amtsgericht Solothurn-Lebern Kurt N. zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Doch das Obergericht hob das Urteil wieder auf, weil ein Verfahren in Abwesenheit erst dann rechtens ist, wenn ein Angeklagter zweimal unentschuldigt der Verhandlung fernbleibt.

So lautete die erste Frage des Amtsgerichtspräsidenten Rolf von Felten nicht unerwartet: «Warum sind sie nicht zur ersten Verhandlung erschienen?» Er sei damals ganz unten angekommen, erklärte der Angeklagte. «Meine Beziehung war zerbrochen, ich wurde von den Bekannten gemieden und war von der Sozialhilfe abhängig. Kurz vor der Verhandlung habe ich eine Anstellung verloren, als man von der Anklage erfuhr.» Er deutete Selbstmordabsichten an. «Ich bin nach Miami geflogen, um eine abschliessende Zeit alleine zu verbringen. Bin planlos durch den Süden der USA gereist.»

Kreativität und Verkaufsgeschick

Rund eine Million Franken hatte er sich mit seiner Kreativität zuvor ergaunert und dann verprasst. Wie geschickt Kurt N. als Verkäufer war, zeigte er nach einem Auffahrunfall im Jahr 2009. Als Entschuldigung lud er den geschädigten Geschäftsmann zu einem feinen Nachtessen ein, schloss Freundschaft, nur um danach dreimal 50'000 Franken für seine Consulting Firma zu ergaunern.

Mit verschiedensten Urkundenfälschungen hatte sich Kurt N. im Namen seines Schwagers Kredite erschlichen, er leaste sich ein Luxusauto um es in Deutschland zu verpfänden, bestellte sich Kreditkarten im Namen seiner geschiedenen Frau. Aber vor allem täuschte er seinen Bekannten, Nachbarn und Freunden inexistente Immobilieninvestitionen vor und inszenierte sogar eine Buchhaltung, als die Bankenaufsicht Finma seine Consulting Firma unter die Lupe nahm.

Von 2006 bis 2009 lief das Scheingeschäft mehr als blendend. Vor dem Amtsgericht legte Kurt N. für den gewerbsmässigen Immobilien-Betrug in 17 Fällen und die Urkundenfälschung in 48 Fällen ein Geständnis ab. Auch dass er mit einem unglaublichen Investitionsprogramm insgesamt 47 «Kunden» Renditen von mehr als 1000 Prozent versprochen hatte, gab er zu.

Nur behauptete Kurt N. vor Gericht nachdrücklich, selber an das «TEP-Forex-Trading» geglaubt zu haben. Für 85 Franken habe er übers Internet eine Police gekauft, eine Art Lebensversicherungsoption, um dann nach sieben Monaten ein Kapital von 135'000 Dollar zurückzubekommen. Als Agent kassierte er für seine Dienste 5000 bis 10'000 Franken. «Ich dachte damals, dass mir diese Summe bei solchen Renditen zusteht, weil nur ich wusste, wie das System funktionierte», erklärte der Angeklagte.

Ein «bireweiches Investment»

Als «bireweich» bezeichnete dagegen Staatsanwalt Domenic Fässler dieses Investitionsprogramm. «Da kaufe ich doch lieber irgendjemandem den Eiffelturm ab. Dann weiss ich wenigstens, dass es den gibt.» Die Anklage lautete in diesem Punkt aber nur auf qualifizierte Veruntreuung. Die Arglist, die für eine Verurteilung wegen Betrugs bewiesen werden müsste, sei im Sinne des Gesetzgebers bei einem derart abstrusen und leicht zu durchschauenden Geschäft nicht gegeben, musste der Ankläger einräumen.

Der Staatsanwalt bezeichnete Kurt N. als skrupellos und verlogen, er habe immer nur zugegeben, was bereits bewiesen war. «Es kannte keine moralischen Grenzen, wenn es darum ging, das Vertrauen zu brechen und Leute aus dem engsten Umfeld zu betrügen.» Die Flucht des Mannes sei strafverschärfend zu beurteilen. «Als das Geld verbraucht war, kam er zurück und liess sich ins soziale Netzwerk fallen. Er hat sich wieder sehr gut eingerichtet, verdient 1000 bis 1500 Franken, die ihm das Konkursamt nicht wegnehmen kann und lebt bei seiner Freundin, die 9000 Franken verdient.»

Der Staatsanwalt forderte Schuldsprüche in allen Anklagepunkten und eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren.

«Selber an das System geglaubt»

Pflichtverteidigerin Stephanie Selig sprach in ihrem Plädoyer von einem Teufelskreis, der immer neue Lügen verlangte. Ihr Mandant habe selber an das Modell des TEP-Forex-Traiding geglaubt. Er bereue seine Taten und sei zur Wiedergutmachung bereit, wenn man ihm eine Chance dafür gebe. Die Verteidigerin forderte eine Freiheitsstrafe von maximal 24 Monaten, die auf Bewährung auszusetzen sei.

Das Urteil wird am Dienstag um 11 Uhr eröffnet.

* Name von der Redaktion geändert.

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