Solothurn
Leben wie zu Casanovas Zeiten an den 1. Barocktagen

Vom 14. bis 22. August strahlt Solothurn ganz im Zeichen des Barock.

Fränzi Zwahlen
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«Madame» Marie-Christine Egger hat viel über die Barockzeit in Solothurn zu erzählen.

«Madame» Marie-Christine Egger hat viel über die Barockzeit in Solothurn zu erzählen.

Fotoatelier Spring

«Die schönste Barockstadt der Schweiz». Mit diesem Slogan wirbt Solothurn schon seit vielen Jahren. Nun soll die Stadt auch während einer Woche nicht nur barocke Kulisse sein, sondern auch tatsächlich mit barockem Leben erfüllt werden. Die ersten Barocktage Solothurn bieten Führungen, Workshops, Spiele, Musik, Kulinarisches – ein ganzes barockes Füllhorn. Das pralle Leben wie zu Casanovas Zeiten.

Viele Barockes ist in Solothurn noch vorhanden

Die Idee für die Barocktage stamme ursprünglich aus der Meinung verschiedener Kulturakteure, dass Solothurn sehr viel «Barockes» zu bieten habe und man dieses gerne über die Region hinaus bekannter machen möchte, erzählt Franziska Weber-Schmid, Leiterin Administration und Anlässe am Museum Altes Zeughaus Solothurn. Sie ist Vorstandsmitglied des neu gegründeten Vereins Barocktage Solothurn. «Die Barockzeit (ca. 1650-1760) hat in Solothurn eben besonders viele Spuren hinterlassen.» So habe man die Idee weiterentwickelt und nun aus einer Fülle von Angeboten ein einwöchiges Programm entwickelt, das für jede Altersgruppe und für jeden Geschmack etwas bietet.

«Die vorher schon geplante Barockoper ‹Poppea› von Monteverdi mit dem Cantus Firmus Consort von Andreas Reize auf Schloss Waldegg, die vom 12.-15. und 18.-20. August durchgeführt wird, kann dabei als musikalischer Mittelpunkt bezeichnet werden», so Weber. Doch es gibt noch mehr Barock-Musik zu entdecken: das Konzert «Human love, love divine» mit Liebes-Duetten von Händel im barocken Interieur des Stadttheaters. Dazu Konzerte in der Jesuitenkirche, in der St.Ursen-Kathedrale oder im Theatersaal des Schlosses Waldegg.

Von Klöstern bis Puder und Perücken

Etliche Führungen durch öffentliche Gebäude wie die Schlösser Blumenstein oder Waldegg, ins Museum Altes Zeughaus oder auch ins Staatsarchiv werden geboten. Doch es gibt auch Einblicke durch selten zugängliche Räume wie ins Kloster Visitation, ins Schloss Steinbrugg und in den Garten des Bischofpalais, ins Sommerhaus de Vigier oder in die Spitalkirche. Wer wissen will, wie Bettler oder Huren lebten und wie man in barocken Zeiten mit Puder und Perücken umging, kann dies an einer der szenischen Führungen mit Marie-Christine Egger miterleben.

Auch kulinarisch hatte die Barockzeit Einiges zu bieten. Im Museum Blumenstein kocht Andy Zaugg und ein «Lustmahl nach Casanova» bietet des Hotel Restaurant Roter Turm an. Kinder können einmal auf dem Schloss Blumenstein übernachten oder sich mittels interaktiver Führung auf Schloss Waldegg in die Epoche entführen lassen.

Dann gibt es auch eine Reihe von szenischen Vorträgen, Workshops und Performances, über bekannte und weniger bekannte Themen des Barock: Kartenspielen, freie Liebe (für Abgebrühte), Kleiderregeln. Die nahen Berner Schlösser Jegenstorf und Thunstetten schliessen sich mit Aktivitäten an.

Solothurn hat schon lange auf diese Tage gewartet

«Wir stellen uns vor, dass die Besucher sich in barocker, oder barock-ähnlicher Kleidung zeigen. Kein Muss zwar, aber es wäre eine schöne Geste», sagt Franziska Weber. Sie selbst habe sich jedenfalls schon bei einem Kostümverleih umgesehen. «Die Barocktage Solothurn sollen keine Eintagsfliege sein, sondern jährlich Mitte August stattfinden», sagt sie weiter. «Es war unglaublich, mit welchem Enthusiasmus die Idee von allen Seiten aufgenommen wurde.» So, als hätte Solothurn schon lange auf diese Thementage gewartet.

Angst mit diesem ersten reichhaltigen Programm für kommende Ausgaben bereits «das Pulver verschossen» zu haben, bestehe nicht, beruhigt sie. «Es kamen so viele Ideen auf uns zu, dass wir noch genügend Stoff für die Zukunft haben.» Die Eintrittspreise zu allen Veranstaltungen sind moderat gehalten. Die Website ist via QR-Code einsehbar, ebenfalls müssen die Tickets via QR-Code im Voraus reserviert und bezahlt werden.

Weitere Infos: barocktage.ch