Amtsgericht
1,3 Millionen abgezweigt: Anstifter wandert hinter Gitter

Eine hörige Buchhalterin zweigte für ihren Liebhaber 1,3 Millionen Franken ab. Jetzt hat das Amtsgericht entschieden: Sie wird zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Der Anstifter muss für 3,5 Jahre ins Gefängnis.

Hans Peter Schläfli
Merken
Drucken
Teilen
110000 Franken wurden für Hotelübernachtungen verjubelt.

110000 Franken wurden für Hotelübernachtungen verjubelt.

Keystone

Angestiftet durch ihren Liebhaber hat Brigitte S.* im Jahr 2010 von einem Konto ihres langjährigen Arbeitgebers rund 1,3 Mio. Franken abgezweigt (wir berichteten). Deshalb wurde sie nun vom Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt der ungetreuen Geschäftsführung und der Geldwäscherei schuldig gesprochen und zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit einer Bewährungsfrist von zwei Jahren verurteilt.

Der grosse Profiteur, der fast das ganze Geld in nur neun Monaten verprasst hatte, kam nicht so glimpflich weg: Silvain C.* wurde wegen Anstiftung zur ungetreuen Geschäftsführung und gewerbsmässiger Geldwäscherei zu einer Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren verurteilt und musste sofort ins Gefängnis zurück, wo er bis zu seinem Prozess bereits in Sicherheitshaft sass.

Ein krimineller Liebesbeweis

Acht Jahre hatte die heute 33-jährige, attraktive Frau in der Wasserämter Informatikfirma die Finanzbuchhaltung geführt und genoss dabei das volle Vertrauen des Chefs. Dann begann sie plötzlich, in rascher Folge immer wieder grosse Summen abzuzweigen. Mit 72 000 Franken bezahlte sie eigene Rechnung, aber 95 Prozent des Geldes verprasste ihr Liebhaber, indem er sich aus Eventmanager im Jetset ausgab. Alleine für Flugtickets gab er 150 000 Franken aus, für Hotels 110 000 und für Kleider weitere 130 000 Franken. Verhaftet wurde er schliesslich in Florida wegen simplen Diebstahls.

Das verrückte an der Geschichte: Die verheiratete Frau war dem Charme des redegewandten Franzosen mit afrikanischen Wurzeln bereits 2001 einmal erlegen. Und obwohl Silvain C. sie damals um 54 000 Franken erleichtert hatte, fiel sie erneut auf ihn herein, als er den Kontakt über die Internetplattform Xing.com wieder suchte.

Es kam nur zu vier Treffen. Meistens wurden nur Mails ausgetauscht. «Ich war ihm hörig, ich habe mich unterwürfig verhalten», erklärte Brigitte S. dem Gericht – und dieses glaubte ihr. «Ohne sein intensives, anhaltendes, forderndes und perfides Verhalten hätte sie die Taten nie begangen», begründete Gerichtspräsident Ueli Kölliker das Urteil, das den Anstifter im Hintergrund härter anfasst als die eigentlich ausführende Täterin. «Er setzte sie mit seiner angeblichen Not unter Druck und forderte das Geld als ultimativen Liebesbeweis. Allein sein motivierendes Verhalten hat bei ihr zum Tatentschluss geführt», hiess es in der Urteilsbegründung. Damit war das Gericht der Argumentation von Verteidigerin Cornelia Dippon gefolgt. Der bedingte Vollzug könne gewährt werden, weil sie bereits mit der Ratenzahlung ihrer Schuld begonnen habe und ihr eine gute Prognose ausgestellt wird. «Es wird ihr hoffentlich eine Lehre für das ganze Leben sein», sagte der Gerichtspräsident.

Für den einschlägig vorbestraften Silvain C., gegen den noch weitere Verfahren laufen, hatte Staatsanwalt Domenic Fässler eine Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren gefordert. Das Gericht verurteilte ihn nun zu 3,5 Jahren. Ihm hatte der Gerichtspsychiater eine 100-prozentige Rückfallwahrscheinlichkeit bei Wirtschaftsdelikten vorausgesagt. Oder wie es der Gerichtspräsident ausdrückte: «Er nimmt die Leute aus, wo immer sich ihm eine Gelegenheit bietet.»

Millionenschuld abstottern

Beide wurden auch dazu verurteilt, in solidarischer Haftung die Millionenschuld an die ausgenommene Firma zurückzahlen – was sie wohl im ganzen Leben nie ganz schaffen werden. Und auch der Steuerzahler blutet: Die Untersuchungskosten, Prozesskosten und die Anwaltskosten belaufen sich zusammen auf gegen 200 000 Franken. Bei dem gewaltigen Schuldenberg der Verurteilten wird darauf nun wohl der Staat sitzen bleiben.

Speziell an der mündlichen Urteilseröffnung war das grosse Lob an die Wirtschaftspolizei und die Staatsanwaltschaft für «die grossartige Arbeit». «Der Tatbestand wurde uns auf dem Silbertablett geliefert», sagte Gerichtspräsident Kölliker.

Namen von der Redaktion geändert