Solothurn

«… und schon klaut das Velo ein anderer» - Velobörse immer beliebter

Velodiebe und Vandalen haben der Velobörse vor der Gewerbeschule zu einem markanten Aufschwung verholfen. Denn immer mehr Velofahrerinnen und -fahrer haben es satt, Geld für ein neues Zweirad auszugeben, wenn es dann doch nur geklaut wird.

«Ich kaufe meinem Sohn kein neues Fahrrad mehr.» Dass es der Frau aus Bellach ernst ist, ist sofort spürbar. Der Zweihänder von Carlo war erst ein Jahr alt, als er auf dem Schulhausplatz demoliert wurde. «Es ärgert mich, wenn die Leute nicht mehr wissen, was mein und was
dein ist», sagt die Mutter und wirkt an diesem sonnigen Samstagmorgen trotz allem sehr fröhlich.

Das hat seinen Grund: Carlo ist für 90 Franken soeben stolzer Besitzer eines neuen Fahrrads geworden – mit Gepäckträger für den Schulrucksack. Den braucht er, weil er demnächst
in die Oberstufe übertritt und einen längeren Schulweg vor sich hat.

Sein neues Velo lässt Carlo nicht mehr los, denn seine Mutter weiss aus Erfahrung: «Wenn man es aus den Augen verliert, schnappt es ein anderer weg.» Dass die Velobörse eine «geniale Sache» ist, steht für sie ausser Zweifel: «Die einen sind froh, dass sie ihr nicht mehr gebrauchtes Fahrrad los sind, und die anderen freuen sich, wenn sie ein neues gefunden haben.»

Nicht demoliert, sondern gestohlen wurde jüngst das Fahrrad von Mike Freiburghaus. «Und dies, obwohl ich es abgeschlossen hatte.» Mit dem gefundenen Ersatz ist er zwei Runden gefahren und hat festgestellt: «Die Bremsen funktionieren nicht mehr.»

Er beschliesst, es vom Velomechaniker auf dem Platz prüfen zu lassen, um weitere Mängel auszuschliessen. Gerade mal zehn Minuten war Bruno Christen auf der Suche nach einem Damenfahrrad und erzählt: «Als ich fündig wurde, habe ich meiner Frau ein Foto geschickt.» Die Antwort kam umgehend: «Gut, nehmen!» Auch René Egger freut sich über sein neues Velo, das einem 80-jährigen Mann gehörte. «Er ist in gutem Zustand und wird das alte Mondia ersetzen, das ich ebenfalls an der Velobörse gekauft habe.» Er ist stolz, dass die Marke noch heute sehr beliebt ist.

«Wir haben 470 Fahrräderangenommen und 300 verkauft. Der Umsatz beläuft sich auf 53000 Franken, wovon 46000 Franken an die Verkäufer gehen», rechnet Regula Aeppli vom VCS vor, der den Anlass seit Jahren organisiert. Im Vorjahr wurden 244 Fahrräder verkauft. Auch der langjährige Mitstreiter Andi Fuchs zieht eine positive Bilanz: «Der Andrang war noch nie so gross, zeitweise sah man vor lauter Menschen die Velos nicht mehr.» Bereits um acht Uhr früh hätten die Leute das Areal gestürmt. «Wenn es so weitergeht, werden wir Platzprobleme bekommen», blickt Fuchs in die Zukunft. Die Kunden hätten aber beim Anstehen vor der Kasse viel Geduld gezeigt. «Alles war ruhig und angenehm.»

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