Weissenstein

Jetzt mischt auch der Jura bei der Tunnelsanierung mit

Ab 2020 soll der Tunnel zwischen Oberdorf und Gänsbrunnen saniert werden.

Ab 2020 soll der Tunnel zwischen Oberdorf und Gänsbrunnen saniert werden.

Moutier wechselt vom Kanton Bern zum Jura. Doch welche Folgen hat das für die 85-Millionen-Sanierung des Weissensteintunnels?

Es war nicht weniger als die nationale Kohäsion, die da laut dem Berner Regierungsrat auf dem Spiel stand: Der Weissensteintunnel auf der Bahnlinie zwischen Solothurner und Moutier sei staatspolitisch von grosser Bedeutung. Als Verbindung zwischen zwei Landesteilen, ja sogar als «Brücke über den Röstigraben».

Dass man sich im Berner Rathaus in den vergangenen Jahren so beherzt für die Sanierung des Tunnels einsetzte, hatte stets auch eine politische Dimension. In Moutier nahte die Abstimmung über den Kantonswechsel zum Jura. Es wäre zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt gekommen, wenn die Stadt auch noch ihre Bahnlinie ins Mittelland verloren hätte.

Nach einem langen Hickhack entschied das Bundesamt für Verkehr (BAV) im Februar dieses Jahres tatsächlich: Der Weissensteintunnel wird für 85 Millionen Franken saniert. Für die Bevölkerung Moutiers war das jedoch kein Grund, am vergangenen Sonntag nicht trotzdem für den Wechsel zum Jura zu stimmen. Das Verdikt ist eine Schlappe für den Kanton Bern.

Und auch die Verkehrsplaner müssen jetzt nochmals über die Bücher. Denn künftig sind drei Kantone an der Bahnlinie beteiligt – als Besteller regionaler Transportleistungen, wie es im Fachjargon heisst. Auf bernjurassischem Territorium verbleiben Corcelles, Crémines und Grandval. In den drei Gemeinden leben insgesamt gerade einmal 1100 Menschen. Das sind nicht annähernd so viele wie in der Stadt Moutier, die 7600 Einwohner zählt.

Bekenntnis aus Bern

Der Bund nahm die Kantone Solothurn und Bern schon mehrfach in die Pflicht. Angesichts des geringen Passagieraufkommens ist die teure Sanierung des Weissensteintunnels nämlich kaum gerechtfertigt, daraus macht das BAV keinen Hehl. Vielmehr würden die «Anliegen der betroffenen Regionen» höher gewichtet als wirtschaftliche Überlegungen. Bezahlt wird die Sanierung aus dem Bahninfrastrukturfonds des Bundes. Solothurn und Bern mussten dem BAV aber zusichern, sich langfristig an der Finanzierung der Linie zu beteiligen. Nur mit einem attraktiven Angebot lasse sich «die grosse Investition in die Bahninfrastruktur rechtfertigen».

Was bedeutet das für die Zukunft der Bahnlinie? Ist der Kanton Bern überhaupt noch bereit, die Linie zu finanzieren? «Jetzt erst recht», sagt der Berner Regierungssprecher Christoph Kräuchi. Nach der Abstimmung in Moutier müsse man den bernjurassischen Gemeinden noch mehr Sorge tragen. Dem Regierungsrat sei die Zweisprachigkeit des Kantons wichtig.

Die Sanierung des Weissensteintunnels scheint demnach unbestritten. Kräuchi bestätigt diesen Eindruck, wenn er erklärt: «Die Bahnlinie von Solothurn nach Moutier ist verkehrstechnisch von grosser Bedeutung für die Region.» Würde der Tunnel geschlossen, müsste die Bevölkerung längere Reisezeiten in Kauf nehmen.

Jura will sich beteiligen

Beim BAV heisst es derweil, die Abstimmung in Moutier habe auf die Sanierung des Weissensteintunnels unmittelbar keinen Einfluss. Tatsächlich wird der Kantonswechsel wohl erst im Jahr 2021 vollzogen. Die Sanierungsarbeiten beginnen bereits im Jahr zuvor.

BAV-Sprecher Gregor Saladin betont aber, wie von Solothurn und Bern erwarte man künftig auch eine Beteiligung des Juras. Man habe in dieser Sache bisher keine Gespräche geführt, sagt er. «Primär müssen sich die betroffenen Kantone untereinander organisieren.» Dass sie das tun werden, steht für die Verantwortlichen in Solothurn und Bern ausser Frage. Ebenso sind sich die Behörden in Delsberg ihrer Verantwortung bewusst.

Bis 2021 wolle man alle wichtigen Fragen klären, sagt der jurassische Regierungsrat David Eray (CSP) auf Anfrage. «Von diesem Moment an wird der Bahnlinie die notwendige Wichtigkeit zugedacht.» Die Verbindung sei für den ganzen Kanton von grosser Bedeutung. Deshalb ist für Eray klar: Der Jura wird seinen Verpflichtungen nachkommen und sich künftig auch finanziell an der Infrastruktur beteiligen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1