Wohnungsbau

Baumeisterverband Solothurn: «Wir Baumeister sind am Anschlag»

Immer noch starker Bauboom bei Wohnungsbau. (Symbolbild)

Immer noch starker Bauboom bei Wohnungsbau. (Symbolbild)

Der seit Jahren anhaltende Boom im Wohnungsbau geht unvermindert weiter. Ende drittes Quartal 2012 befanden sich landesweit nicht weniger als 75'320 Wohnungen im Bau. Ein Wert, den man seit Jahrzehnten nicht gesehen hat.

Kantonale Zahlen liegen zwar nicht vor, denn die Zahlen basieren auf einer Vollerhebung bei allen Gemeinden mit über 5000 Einwohnern und Stichproben bei den übrigen Gemeinden. Trotzdem. Die Analyse zeigt, dass auch im Solothurnischen Wohnungen «en masse» hochgezogen werden.

Allein in den grösseren Gemeinden standen Ende September 686 Einheiten im Bau, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Und in diesem Takt wird es weitergehen. Basierend auf der Erhebung in den Solothurner Gemeinden mit über 5000 Einwohnern, liegt die Zahl der baubewilligten Wohnungen nämlich 24 Prozent über dem Vorjahresquartal.

«Hoher Arbeitsvorrat»

Dementsprechend zufrieden zeigen sich die Solothurner Baumeister. «Unsere Branche verzeichnet einen hohen Arbeitsvorrat», sagt Bruno Fuchs, Präsident des Baumeisterverbandes Solothurn. Treiber dieser Entwicklung sei ganz klar der Wohnungsbau. Die Kapazitäten bei den Baufirmen seien in der Regel voll ausgelastet. «Wir Baumeister sind am Anschlag. Die Nachfrage kann gar nicht befriedigt werden.» Und ein Ende sieht Fuchs vorerst nicht. «Im Hochbau werden wir stark ins kommende Jahr starten und es zeichnet sich heute schon ab, dass die Auftragslage über das ganze Jahr gut bleiben wird.»

Vom Hunger nach Wohnungen profitiert auch das Baunebengewerbe. «Für das Geschäftsjahr 2012 sieht es positiv aus und wir waren gut ausgelastet», erklärt etwa Urs Weder, Präsident des Solothurner Maler- und Gipserunternehmerverbandes. Aufgrund des kurzfristigen Geschäftes sei das Abgeben von Prognosen schwierig. «Aber ich denke, 2013 wird ebenfalls ein gutes Jahr werden.»

Gefahr vor Überkapazitäten

Für den Bauboom sieht Fuchs drei Gründe: Die anhaltend günstige Finanzierung der Hypothekarkredite sowie die starke Zuwanderung und drittens seien Immobilien attraktiv als Anlage für Investoren. Hinter dieser Entwicklung sieht der Bauunternehmer aber auch Risiken. Es bestehe die Gefahr, dass Firmen zu hohe Kapazitäten aufbauten. Zwar würden die in grosser Zahl gebauten Wohnungen vom Markt derzeit noch absorbiert, aber das werde sich längerfristig nicht bestätigen.

Auch wenn sich keine Erhöhung der Hypothekarzinsen abzeichne, einmal werden diese wieder steigen. Allenfalls gekoppelt mit einem Rückgang der Zuwanderung werde die Nachfrage sinken. «Und dann wird es für Firmen mit zu stark aufgebauten Kapazitäten Probleme geben. Ein Abbau von Arbeitsplätzen wird die logische Folge sein.» Deshalb warne der Baumeisterverband seine Mitglieder, die Kapazitäten nicht auf das momentan unnatürlich hohe Auftragsniveau auszurichten. Erinnert sei an die 90er-Jahre, als teilweise jährlich über 2000 Neuwohnungen auf den Markt kamen (siehe Grafik) und der Absturz heftig war.

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Billiganbieter drücken Preise

Keine Freude hat Fuchs an der ertragsmässigen Entwicklung der Branche. «Die Nachfrage übersteigt das Angebot, trotzdem steigen die Preise kaum. Der Marktmechanismus spielt bei den Baufirmen nicht.» Zwar arbeite die Branche traditionell mit tiefen Margen, aber der geringe Preisauftrieb bei der aktuellen Auftragslage sei schwierig zu erklären. Einerseits stehe die Branche in einem scharfen Wettbewerb, ausgelöst durch die hohe Zahl an neuen Anbietern, die regelmässig auf den Markt drängten. «Diese drücken mit Billigstangeboten das Preisgefüge.»

Zudem müssten die Baufirmen nach dem Motto «Bestelle heute, baue morgen» arbeiten. Eine mittelfristige Planung sei so verunmöglicht. Die Baumeister würden deshalb, auch aus Angst um die Zukunft, versuchen, möglichst viele Aufträge zu akquirieren – und zwar nicht immer zu entsprechenden Preisen. «Denn es gibt jederzeit eine Baufirma, die ansonsten mit einer noch günstigeren Offerte den Auftrag wegschnappt.»

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