Geothermie
Kanton meint: Bohren lohnt sich noch zu wenig

Das Potenzial zur Nutzung der Erdwärme ist im Kanton Solothurn beschränkt. Während andere Kantone sich in Probebohrungen stürzen, hat der Kanton Solothurn noch nichts unternommen.

Stefan Frech
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Solothurner Zeitung

Die Tiefengeothermie als Strom- oder Wärmequelle erlebt zurzeit einen zweiten Frühling. Die Fehlschläge in Basel (Erdbeben) und Zürich (zu wenig Wasser) scheinen vergessen. Das Energieunternehmen Axpo hat Mitte Dezember verlauten lassen, dass es jetzt voll ins Geschäft einsteigt: «Geothermie ist neben der Wasserkraft die erneuerbare Energie mit dem grössten Potenzial in der Schweiz.» Dieses Argument überzeugte auch die Stimmbevölkerung von St. Gallen, die Ende November 160 Mio. Franken für ein Projekt zur Produktion von Strom- und Heizenergie gesprochen hat.

Weitere Abklärungen oder erste Bohrungen finden in den Kantonen Bern, Neuenburg, Waadt, Genf, Wallis und Thurgau statt. Und was läuft im Kanton Solothurn? Zurzeit gar nichts. «Wir haben noch keine Bohrgesuche erhalten und der Kanton ist selber auch nicht aktiv geworden», sagt Martin Brehmer vom Amt für Umwelt.

Vermutlich zu kühles Wasser

Geht es also unter dem Kanton Solothurn zu wenig heiss her und zu? «Jein», sagt Roland Wyss, Geologe und Geschäftsführer der Schweizer Vereinigung für Geothermie. Er kennt die Situation im Solothurnischen relativ gut – nicht nur, weil er dort aufgewachsen ist, sondern weil er in der Gegend auch Potenzialstudien durchgeführt hat. «Die Wasser führenden Gesteinsschichten entlang des Juras liegen relativ nahe an der Erdoberfläche», erklärt Wyss. Das bedeutet: «Zur Stromgewinnung ist das Wasser mit vermutlich weniger als 100 Grad zu kalt.» Um Genaueres zu wissen, müsste man jedoch Probebohrungen durchführen – und die sind teuer. Wyss glaubt aber, dass man in ein paar Jahren tiefer bohren und die Wasserzirkulation künstlich verbessern kann, um so dem Gestein die Wärme direkt zu entziehen.

Heizen statt Stromproduzieren?

Von dieser hydrothermalen Geothermie, bei der das warme Wasser angezapft wird, ist die petrothermale zu unterscheiden. Bei dieser Technik wird mit hohem Druck Wasser ins tief liegende Gestein gepresst, wo das Wasser dann erhitzt wird. Dadurch können aber – wie in Basel 2007 – Erdbeben entstehen. «Es braucht für diese Methode weitere Forschungen», sagt Wyss. «Ich gehe aber davon aus, dass wir in einigen Jahren problemlos die Gesteinswärme nutzen können.» Und dann könnten überall im Kanton Solothurn kleinere Anlagen zur Stromproduktion entstehen, theoretisch in jeder Gemeinde.

Daneben existiert bereits eine dritte Möglichkeit, die Tiefenwärme zu nutzen. Allerdings nicht zur Stromproduktion, sondern zum Heizen. In Riehen BS beispielsweise können seit Oktober über 300 Liegenschaften (1700 Einwohner) mit Erdwärme heizen und Brauchwarmwasser aufbereiten. «Solche Wärmeverbünde könnten auch im Kanton Solothurn entstehen», sagt Roland Wyss.

«Finanzielles Risiko ist sehr gross»

Also doch ein interessantes Betätigungsfeld für die im Kanton tätigen Energieunternehmen? Bei der grössten Firma, der Alpiq, winkt man ab: «Für uns ist die Geothermie zurzeit gar kein Thema», sagt Mediensprecher Andreas Wirz. «Wir konzentrieren uns auf andere Energieträger wie Wasser, Atom, Wind oder Gasturbinen.» Wenig euphorisch klingt es auch bei der AEK: «Wir wären schon interessiert, aber die Technik steckt noch in den Anfängen», sagt Geschäftsleitungsmitglied Bruno Jordi. Hinzu kommt: «Bohrungen sind teuer und man weiss nie, ob man auf das Erhoffte stösst.» Das finanzielle Risiko ist also laut Jordi «sehr gross». Allenfalls sieht er ein Potenzial in der Nutzung der Erdwärme zum Heizen. «Man braucht dann aber mindestens einen Grossabnehmer, ein Industrieunternehmen zum Beispiel, sonst lohnt sich der Aufwand nicht.» Trotz seiner Skepsis glaubt aber auch Bruno Jordi: «Die Geothermie wird sich früher oder später durchsetzen.»

Frühes Projekt in Grenchen

Die Regio Energie Solothurn pflegt seit mehreren Jahren Kontakte zur Geothermie-Szene und beteiligt sich indirekt an einem Vorprojekt der Swiss Geopower AG, welche die Möglichkeiten an verschiedenen Standorten in der Schweiz auslotet. «Aufgrund des Stopps des Projekts in Basel ist die Ausgangslage für solche Projekte schwieriger geworden», gibt Direktor Felix Strässle zu bedenken.

Keine konkreten Geothermie-Projekte verfolgen die SWG in Grenchen. Immerhin: «Wir machen uns technische und finanzielle Überlegungen, diese blieben aber bis jetzt sehr oberflächlich», sagt Geschäftsleiter Per Just. Übrigens: In Grenchen gab es bereits vor rund 20 Jahren eine Vorstudie für ein Projekt, das mit warmem Tiefenwasser das Lingeriz-Quartier heizen wollte. Es scheiterte an der Konkurrenz des tiefen Ölpreises.

Dieser Stolperstein besteht nach wie vor. «Sobald der Ölpreis steigt, wächst der Markt für die Geothermie», ist deshalb Brehmer vom Amt für Umwelt überzeugt. Sein Kollege vom Amt für Wirtschaft und Arbeit, der Leiter der Energiefachstelle, pflichtet ihm bei: «Für mich ist die Geothermie eine Zukunftstechnologie», sagt Urs Stuber.