Kanti Solothurn
Kantischüler erfahren mit Brillen, wie sich ein Rausch anfühlt

Die 3.-Mar-Klassen der Kantonsschule nahmen am Präventionsprojekt «Null auf 100» teil. Rund 300 Schüler und Schülerinnen wurden in verschiedenen Workshops für ihr Risikoverhalten sensibilisiert.

Beatrice Kaufmann
Merken
Drucken
Teilen
Präventionskampagne «Null auf Hundert» an der Kanti Solothurn
12 Bilder
 Veronica Moser vom ASN informiert die Schüler und Schülerinnen über mögliche Konsequenzen von erhöhtem Suchtmittelkonsum.
 Das Thema liefert Diskussionsstoff.
 Im Fahrsimulator erfahren die Jugendlichen, was es heisst, alkoholisiert Auto zu fahren. Felix Kübler vom ASN erklärt ihnen, auf was sie achten müssen.
 Auch wer noch keinen Führerschein hat, darf sich am Fahrsimulator versuchen.
 Gerade gehen gestaltet sich schwierig, wenn das Sichtfeld eingeschränkt und die Wahrnehmung unscharf sind.
 Verzerrte Sicht. Spezialbrillen simulieren die Wahrnehmung unter Alkoholeinfluss.
 Das Gleichgewicht leidet mit der Wahrnehmung.
 Selbst das Portmonee einzuräumen wird unter erhöhtem Alkoholeinfluss schwierig.
 Man muss schon zwei Mal hinsehen, wo der Führerschein hingehört.
 Betrunken Scooter fahren. Durch eine Brille sehen die Schüler, wie die Wahrnehmung unter Alkoholeinfluss verändert wird.
 Alkoholisiert die Kurve kriegen.

Präventionskampagne «Null auf Hundert» an der Kanti Solothurn

Hanspeter Bärtschi

«Ich weiss, dass wir euch heute viel erzählen, das ihr schon wisst, oder gar nicht wissen wollt.» Claudia Kälin, Gründerin der ckt gmbh, fackelt nicht lange. Sie kennt ihr Publikum. Und genau auf dieses ist die Präventionskampagne «Null auf 100» zugeschnitten.

Die Solothurner Kantischüler der dritten Maturitätsklassen besuchten am Donnerstag einen Vortrag und vier Workshops, mit welchen sie auf Risiken aufmerksam gemacht wurden, denen ihre Altersgruppe speziell ausgesetzt ist. «Wir wollen euch nicht sagen, was ihr tun sollt und was nicht», erklärte Kälin. Das Ziel sei es, zu informieren und den Jugendlichen den Weg zu weisen, damit sie sich «richtig entscheiden».

Es soll zum Gespräch kommen

Den Anfang machte Manuel Albert, Oberarzt am Spital Lachen. Der Mediziner erlebt auf der Intensivstation regelmässig die Folgen von erhöhtem Suchtmittelkonsum und liess diese Erfahrungen in seinen Vortrag, «entscheide dich richtig», einfliessen. Ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit vielen Ratschlägen und Warnungen, klärte Albert über die akuten und längerfristigen Folgen des regelmässigen Suchtmittelkonsums auf.

Und traf dabei auch auf Widerstand. Zwei Schülerinnen intervenierten und widersprachen dem Arzt, als dieser auf die Wirkungen von Nikotin zu sprechen kam. Dies stört Albert jedoch nicht, im Gegenteil. «Das ist gut. Ich will, dass es zum Gespräch kommt.»

Selbstinszenierung und Machtspiele

Den Rest des Programms übernahmen Fachleute anderer Bereiche. Veronica Moser und Felix Kübler von der Zürcher Fachstelle für Alkohol- und Drogenprävention im Strassenverkehr (ASN) liessen die Kantischüler am eigenen Leib erfahren, wie ein erhöhter Alkoholpegel die Sinne benebelt. Mit Rauschbrillen, welche die Sicht unter Alkoholeinfluss simulierten, durften die Jugendlichen verschiedene Aufgaben lösen. Scooter fahren, Personen erkennen – und plötzlich wurde sogar das Einräumen des Portemonnaies zu einer Herausforderung.

Im Fahrsimulator konnten die Schüler eine Teststrecke fahren. Wurde das Programm gewechselt, erlebten die Schüler, wie sich das Autofahren unter Drogeneinfluss gestaltet: Das Bild verzerrte sich, die Reaktionsgeschwindigkeit wurde verlangsamt. Und rannte dann noch ein Reh auf die Strasse, war der «Unfall» schnell gebaut.

«Stur bis ins Grab»

Auf die rechtlichen Folgen von Unfällen im Strassenverkehr ging David Schmid von der Basler Versicherung ein. Der Jurist stellte anhand eines schweren, eigentlich vermeidbaren, Verkehrsunfalles dar, wie sich ein Junglenker sein ganzes Leben verbauen kann. Unter dem Titel «stur bis ins Grab» vermittelte er den Schülern die Botschaft, dass der Strassenverkehr nicht der richtige Ort für Selbstinszenierung und Machtspielchen ist.

Die Vermeidung von Unfällen war das Thema im Workshop von Katrin Bürer. Die Psychologin sensibilisierte die Schüler für gefährliches und ungefährliches Verhalten im Strassenverkehr. Dies vor dem Hintergrund, dass Unfälle im Strassenverkehr die häufigste Todesursache bei Jugendlichen sind. Die Gefahren wurden zunächst mittels Statistiken verdeutlicht und anschliessend in Gruppen diskutiert. Den Abschluss bildete ein Fragebogen, mit welchem die Schüler ein eigenes Risikoprofil erstellen konnten, dessen Grundlage unter anderem die eigene Risikofreudigkeit und Konzentrationsfähigkeit bildeten.

Welche weiteren Gefahren gerade im Ausgang lauern, stellte Carlo Wyniger von der Jugendpolizei dar. Mittels Kurzfilmen und eigenen Erfahrungen klärte er über mögliche Gefahrenquellen und die entsprechenden Handlungsmöglichkeiten auf. Das Überwachungsvideo eines Raubüberfalls am Bahnhof Olten sollte die Schüler zudem animieren, im Fall von Schlägereien die Polizei einzuschalten.

Die vorläufige Bilanz ist positiv

Christina Tardo, Rektorin des mathematisch-naturwissenschaftlichen Maturitätsprofils, zeigte sich zufrieden mit dem Projekt. Das Konzept sage ihr zu und die Schüler scheinen Interesse zu haben. Man habe bereits einige Veranstaltungen mit der ckt zusammen durchgeführt, allerdings im Rahmen der Drogenprävention.

Das Projekt «null auf hundert» geht ihrer Meinung nach aber noch stärker auf die altersspezifischen Bedürfnisse der Jugendlichen ein. Eine endgültige Auswertung werde noch folgen, erklärte Tardo. Die Schüler würden noch einmal alle befragt, damit man eine Wiederholung der Veranstaltung für spätere Jahrgänge prüfen könne.