Das frostige Wetter bringt die Heizölbranche auf Trab. «Seit zwei Wochen sind wir extrem gefordert. Die Kältewelle beschert uns eine dreimal höhere Nachfrage nach Heizöl als in normalen Wintertagen», erklärt Raphael Weber von der Wyssbrod AG in Biel. Insbesondere sei die Zahl der Notlieferungen stark gestiegen. «Jeden Tag müssen wir leere Tanks füllen. Selbst über das Wochenende sind wir unterwegs.»

Als Präsident von Swissoil Bern-Solothurn, dem Regionalverband der Brennstoffhändler, hat Weber einen guten Überblick über das regionale Heizölgeschäft. So werden seine Aussagen von anderen Händlern gestützt. Viele Kunden seien vom kältebedingten stark gestiegenen Ölverbrauch überrascht worden, sagt Urs Plüss, Mitinhaber der Plüss Brennstoffe GmbH in Bützberg. Um eine Raumtemperatur von 20 bis 21 Grad halten zu können, brauche es bei den gegenwärtigen Minustemperaturen viel mehr Energie. «Wir befinden uns in einer ausserordentlichen Situation.»

Dies sagt auch Armin Zepf, Leiter Verkauf bei der Oel-Pool AG in Buchs, zu welcher mehrere Mineralölhändler, wie etwa die Vollan AG in Grenchen, gehören. «Unsere Chauffeure sind alle am Rotieren, die Lieferkapazitäten sind voll ausgelastet. Jeder Kunde will sofort eine Heizöllieferung.» Die Lieferfrist für normale Bestellungen liege aktuell zwischen 7 und 10 Tagen. Das zu lange Zuwarten mit dem Tankfüllen kostet den Endverbraucher zusätzlich. So verrechnen die Heizölhändler je nach Situation und Liefertag einen Zuschlag von 200 bis 250 Franken.

Keine Preisexplosion

Wie ungewöhnlich kalt es ist, zeigt eine Beobachtung von Josef Rüetschli, Ölhändler in Luterbach. «In vielen Tanks verdickt sich das Heizöl.» Wegen der Kälte kommt es zu einer Paraffinausscheidung. Das Heizöl wird dickflüssig wie Melasse und fliesst nicht mehr in den Brenner. In diesen Fällen stelle man in einem Gebinde eine Kleinmenge Heizöl in den Heizraum um die Zeit, bis sich das Öl im Tank wieder verflüssige, zu überbrücken. Selbst das Ökoheizöl mit besserem Kälteverhalten sei davon betroffen, ergänzt Plüss.

Die starke Nachfrage treibt den Heizölpreis nach oben. Auf rund fünf Prozent in den vergangenen zwei Wochen beziffert Rüetschli die Preissteigerung. Urs Plüss veranschaulicht den Anstieg in Zahlen. «In den letzten 14 Tagen verteuerte sich das Heizöl täglich um 50 Rappen.» Aktuell kosten 100 Liter Heizöl bei einer Bestellmenge von 3000 bis 6000 Litern zwischen 108 und 115 Franken. Es sei zu keiner Preisexplosion gekommen, weil genügend Heizöl vorhanden sei, ergänzt Raphael Weber.

238 Millionen Liter Heizöl

Alle Händler weisen auf ein logistisches Problem hin. Nach dem Ausfall der Raffinerie in Cressier würden nun zusätzlich Händler aus der Westschweiz die Tanklager in Oberbipp und in Zollikofen anpeilen. Dadurch gebe es beim Beladen Wartezeiten von bis zu drei Stunden.

Heiko Müller, Geschäftsführer der Tanklager Oberbipp AG, relativiert diese Aussagen. «Wir haben zwar wesentlich mehr Verkehr als in normalen Zeiten.» Die Abfüllstation sei deshalb an den letzten beiden Samstagmorgen ausser Plan geöffnet gewesen. Aber das sei nicht primär auf die Schliessung von Cressier zurückzuführen, sondern vielmehr auf die hohe Nachfrage.

Solche Phasen gebe es immer wieder, auch als Cressier noch in Betrieb gewesen sei. Vorratsmässig sei das aber absolut kein Problem. «In den 13 Tanks lagern 238 Millionen Liter Heizöl. Das entspricht einer Lastwagenkolonne mit Anhänger von 125 Kilometer Länge.» Auch unter Berücksichtigung der Pflichtlagermenge sei die Versorgung sichergestellt.