Start-Up
Jungfirma Mythentec hat in Biberist Grosses vor

Die leer stehende Mühlemann-Liegenschaft in Biberist füllt sich langsam mit Leben. Dieser Tage stellte sich die Mythentec AG vor. Das erst vor zwei Jahren gegründete Kunststoffwerk ist gut gestartet und hegt am Standort Biberist Ausbaupläne.

Franz Schaible
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Solothurner Zeitung

Das Unternehmen befindet sich noch im Aufbau», erklärt Andreas Villiger, Geschäftsführer der Mythentec AG. Beim Rundgang wird klar, was er meint. Die moderne Produktionshalle ist mit den bestehenden Produktionsanlagen grosszügig bemessen, das Lager ist mit 550 Palettenplätzen eingerichtet und der Betrieb zählt aktuell acht Angestellte. Aber im Gespräch mit Andreas Villiger und Roger Jutzeler, seinem Stellvertreter und Leiter Entwicklung/Produktion, ist Aufbruchstimmung zu verspüren. «Wir liegen 2011, in unserem ersten Geschäftsjahr, deutlich über den budgetierten Umsatzzahlen.» Die Auftragslage sei sehr gut. Anhand der laufenden Projekte sei die Produktion gut ausgelastet und werde sich gegen Ende Jahr noch deutlich steigern. Damit einher werde, so Jutzeler, auch der Maschinenpark demnächst um drei zusätzliche Produktionsanlagen erweitert. Der Personalbestand habe sich seit Anfang 2011 verdoppelt und eine weitere Verdoppelung bis Ende 2012 sei wahrscheinlich.

Die Jungfirma ist in zwei Segmenten aktiv: Entwicklung und Fertigung von Kunststofferzeugnissen für Kunden sowie von Eigenprodukten. Es dreht sich aber immer um die Herstellung verschiedenster Teile aus thermoplastischem Kunststoff. Die Palette bei den Kundenaufträgen sei sehr breit, erläutert Jutzeler. Um ein Klumpenrisiko zu vermeiden, arbeite Mythentec für verschiedenste Branchen, von der Medizinaltechnik- über die Spielzeug-, die Automobil- bis zur Haushaltgeräteindustrie.

Im Bereich Eigenprodukte hat sich die Firma vorerst auf drei Produkte konzentriert. Mythentec stellt Verschlusskappen für PET-Flaschen her, Kunden sind beispielsweise Hersteller von Salatsaucen. Die Flaschenöffner unter dem Markennamen Geras dienen als PET-Flaschen-Öffnungshilfe für jüngere und ältere Personen, andererseits als Werbeträger für unterschiedlichste Firmen. Hierzu gehörten gewichtige Getränkehersteller wie Rivella oder Valser. Weiter bestünden Kontakte mit den «Grossen» im Detailhandel. Drittes Eigenprodukt sind Ausschankhilfen für Wein- und Schnapsflaschen. Kunden seien hier vorab Weinhändler, die sie bei Degustationen einsetzen. Dank den Zapfen gebe es keine Resttropfen beim Einschenken und die Flaschen seien wiederverschliessbar.

Wie will sich die Kleinfirma mit Produktionsstandort Schweiz in diesem Massenmarkt behaupten? Wie zahlreiche andere Firmen setzt auch Mythentec auf typische Schweizer Tugenden wie Qualitätsbewusstsein und Leistungsbereitschaft der Mitarbeitenden. «Wir legten die eigene Messlatte von Beginn an hoch, was die ISO-Zertifizierungen Qualitäts-, Umwelt- und Medizinaltechnik-Managementsystem unterstreichen», erläutert Jutzeler. Mythentec setze zudem auf «modernste Maschinen und auf einen hohen Automatisierungsgrad, was durch Knickarmroboter umgesetzt wird». So sei man in der Lage, die Anforderungen der Kunden flexibel umzusetzen und Kleinst- wie auch Grossserien wirtschaftlich zu produzieren. Ferner sei der Ausbildungsstand der Mitarbeitenden hoch. Damit sei es für Mythentec insgesamt möglich, sich Vorteile im harten Wettbewerb zu verschaffen, ist Villiger überzeugt.

Die Aussichten beurteilt die Geschäftsleitung als «sehr positiv». Nicht zuletzt aufgrund der «Firmengeschichte». Gegründet wurde Mythentec durch den in Zug wohnhaften ETH-Maschineningenieur und Unternehmer Olaf van der Lely, zusammen mit Andreas Villiger, Ende 2009. «Wir sind finanziell gesund und zu 100 Prozent eigenfinanziert», erklärt Verwaltungsratspräsident van der Lely. Bislang habe man rund 2,5 Millionen Franken in die Unternehmung investiert.

Zudem verspricht sich die Firma deutliche Impulse für den Geschäftsverlauf durch ein Joint Venture mit der Ostschweizer Spezialistin für Ausmessungen, der Firma Units AG. Das neue Gemeinschaftsunternehmen Units Mittelland AG wird auch im Biberister Mühlemann-Gebäude angesiedelt sein, wofür zu den bisherigen 3400 Quadratmeter Fläche weitere Räume zugemietet werden. Units Mittelland werde für Kunden Teile und Produkte prüfen. Gleichzeitig lagere Mythentec ihre Inprozessprüfung an Units aus. Das neue Gemeinschaftsunternehmen könne mit einem Computertomographen und weiteren modernsten Messanlagen die Produkte schneller und kostengünstiger als bisher auf ihre Genauigkeit hin prüfen. «Damit erlangen wir einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil», erwarten Roger Jutzeler und Andreas Villiger.