Jugendpolittag

Jugendliche wollen mitdiskutieren

Eine bunte Schar am Jugendpolittag.

Eine bunte Schar am Jugendpolittag.

Gestern Mittwoch fand im Solothurner Rathaus der Jugendpolittag statt. Rund 100 Jugendliche aus Kantonsschulen und Gewerbsschulen nahmen an diesem thematisch reichhaltigen Anlass teil.

Der Jugendpolittag des Kantons Solothurn ging am Mittwoch zum dritten Mal über die Bühne. Rund 100 Jugendliche fanden sich im Rathaus in Solothurn ein und nahmen die Chance wahr, mit Kantonsräten über ihre Anliegen zu diskutieren. Die Themenwahl zeugte dabei vom vielfältigen Interesse seitens der Jugendlichen. Eingeteilt nach Bezirken hatten die Teilnehmenden zunächst Gelegenheit, in insgesamt 10 Gruppen Ideen und Themenvorschläge zu sammeln und diese gemeinsam mit ihren Gruppenleitern zu besprechen. Danach stiessen Kantonsräte der jeweiligen Bezirke zu den Diskussionsrunden und standen den Jugendlichen Red und Antwort.

Kein Geld für Privatschulen

So wurden etwa in der Gruppe des Bezirks Solothurn unter der Leitung von Barbara Kläsi (Fachverantwortliche Jugend im Alten Spital) und Pascal Walter (Präsident der Jugendkommission Solothurn) Themen wie die Suche nach Räumlichkeiten für ein autonomes Jugendzentrum und - brandaktuell - die staatliche Finanzierung von Privatschulen behandelt.
Fünf Kantonsräte hörten sich anschliessend die Begehren und Vorschläge der Gruppe an und nahmen dazu Stellung.

Franziska Roth (SP) etwa erklärte einer Gruppe von Schülerinnen der Privatschule ROJ (Mittelschulen Regio Jurasüdfuss), weshalb ihre Ausbildung weiterhin nicht von Kanton und Gemeinden finanziert wird. Ihr Argument, die Unterstützung von Privatschulen schwäche die Volksschulen und somit diejenigen Jugendlichen, die sich private Ausbildungsstätten nicht leisten können, stiess auf Verständnis; der Dialog zwischen Politikern und Jugendlichen war also erfolgreich. «Ich sehe gewisse Dinge jetzt anders, da ich nun auch andere Perspektiven kenne», sagte eine Teilnehmerin.

Einsatz für Jugendzentrum

Ebenfalls für Gesprächsstoff sorgte die (langjährige) Planung eines autonomen Jugendzentrums in der Stadt Solothurn. Die Kantonsräte zeigten Verständnis für das Anliegen, hielten aber fest, dass es nicht am Willen der Politiker, sondern eher an geeigneten Räumlichkeiten fehle, um solch ein Projekt durchzuführen. Roland Heim (CVP) gab zudem zu bedenken, dass das Schicksal vieler Institutionen, die Jugendlichen kostenlos einen Raum für persönliche Projekte zur Verfügung stellen, oft die Kommerzialisierung sei, riet den Teilnehmenden aber, sich trotzdem weiterhin zu engagieren. Das Hauptproblem bestünde indes darin, dass selbst leerstehende Häuser nicht von Jugendlichen genutzt werden dürfen, weil man ihnen grundsätzlich misstraue, wandten die Jugendarbeiter Kläsi und Walter ein.

Dieser Meinung schloss sich auch Kantonsrat Yves Derendinger (FDP) an: «Private Besitzer blocken sicher oft ab, wenn sie Anfragen von Jugendlichen erhalten, selbst wenn sie Räume zur Verfügung hätten. Vielleicht wäre es sinnvoller, sie - etwas offizieller - über einen Kantonsrat zu kontaktieren.»
Damit tat Derendinger etwas, das ganz den Absichten der Veranstaltung entsprach: eine Patenschaft für die Anliegen der Jugendlichen anbieten. «In den beiden vergangenen Jahren hatten wir sehr gute Diskussionen zwischen Jugendlichen und Kantonsräten, aber die Verbindlichkeit hat uns gefehlt», so Veranstalter Marcus Casutt (Leiter der Jugendförderung Kanton Solothurn). «Heuer haben wir darauf geachtet, dass sich der eine oder andere Kantonsrat auch einmal eines Projektes annimmt und diesem nachgeht, also sozusagen die Rolle einer Patin oder eines Paten übernimmt. Das hat ganz gut geklappt - mal sehen wie vieles tatsächlich umgesetzt wird.»

Alltagstauglicher Schulunterricht

Umzusetzen gibt es einiges, das wurde durch die abschliessende Präsentation der Themen im Kantonsratsaal deutlich. Die Bucheggberger und Wasserämter möchten sich etwa für bessere Busverbindungen, faire Milchpreise und gegen die Zersiedelung einsetzen, während man in Gösgen und Olten auf kürzere Einbürgerungsverfahren und alltagstauglicheren Schulunterricht hofft, der auf Themen wie Krankenkassenprämien oder das Ausfüllen der Steuererklärung vorbereitet.

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